XIII – Stationen 1999-2001

Teil I, Teil II, Teil III, Teil IV, Teil V, Teil VI, Teil VII, Teil VIII, Teil IX, Nachtrag zu IX, Teil X, Teil XI, Teil XII

Es begann eine richtig intensive Zeit als Studentin und als Single auf Probe*. Zu Beginn eines Studiums ist glücklicherweise die Orientierung noch sehr stark, da man bis zum Vordiplom viel mit anderen Studierenden zusammen ist, zumal ja alle die gleichen Vorleistungen bringen müssen. Es gibt regen Austausch, und Arbeits– und Lerngruppen entstehen. Was ich auch sehr genossen habe, war, dass ich von Anfang an keine anonyme Figur unter vielen war, denn ich hatte natürlich durch mein Hilfsmittel einen hohen Wiedererkennungswert. Deshalb wurde ich schon im ersten Semester von vielen Professoren freundlich gegrüßt und in den einen oder anderen Fahrstuhlplausch verwickelt. Ich fühle mich schnell irgendwo wohl und heimisch, wenn mich freundlich zugewandtes Wiedererkennen umgibt.

5th Floor Lecture Hall

Eine Herausforderung im Grundstudium war, dass ein halbjähriges Praktikum absolviert sein musste. Da war ich richtig beglückt, als ich schon bald auf die scheinbar ideale Praktikumsstelle in der Sexualberatung des UKE stieß. Dieses Praktikum erstreckte sich zwar über zwei Semester, nahm aber nur die halbe Wochenzeit in Anspruch, so dass ich weiterhin meinem Job im Callcenter hätte nachkommen können. Doch daraus wurde leider nichts. Damals hatte ich den Eindruck, dass es Berührungsängste mit meinem Handikap gab. Also suchte ich weiter.

Im Wintersemester 1999/2000 absolvierte ich dann ohne jeden Skrupel als ungläubige Ex-Katholikin eine Ausbildung zur Telefon- und E-Mail Seelsorgerin bei der Evangelischen Studierendengemeinde und war dort vier Semester lang ehrenamtlich tätig. Die Tätigkeit umfasste die wöchentliche Supervision durch eine Psychologin, 2-3 Telefondienste im Monat und 20-24 Uhr bzw. Bereitschaftszeiten für die E-Mail Bearbeitung. Als ich fast damit fertig war, habe ich erfahren, dass allein meine berufliche Qualifikation ausreichend gewesen wäre. Somit habe ich mir wenigstens den Praktikumsbericht erspart. Mit der Vorbereitung aufs Vordiplom – sieben schriftliche Prüfungen – gab es ohnehin genug zu tun.

*Das klingt natürlich viel harmloser als es tatsächlich war. Aus der Trennung auf Probe wurde eine perfide Drei-bis-Fünfecksgeschichte, die schließlich zu einer endgültigen sehr schmerzhaften Trennung führte. Parallel dazu führte ich das Leben einer engagierten Studentin und das einer inzwischen freigestellten Schriftführerin mit festen Arbeitszeiten im Betriebsrat. Als die durchweinten Nächte weniger wurden, suchte ich mir ganz bewusst ein kleines feines italienisches Stammcafé, das ich hinfort mit Büchern und Unterlagen bewaffnet fast täglich besuchte. Bei schönem Wetter gehörte ich, wie mir Cafébesucher mitteilten, bald irgendwie zum Stadtbild.

Wie ihr hier sehen könnt, habe ich die letzte Prüfung in Entwicklungspsychologie leider etwas versemmelt, da ich mich kurz zuvor Hals über Kopf in den Aushilfskoch des Cafés verliebt habe.

Ach ja, und nach dem Vordiplom habe ich mir Gesangsunterricht und Hippotherapie gegönnt.

Fortsetzung

36 Kommentare zu „XIII – Stationen 1999-2001

  1. …das Bild von Dir hoch zu Ross ist wunderschön. Erinnert mich an Boudicca – na, Du schaust aus wie eine wilde Kriegerprinzessin. Und sicherlich bist Du das auch. Ein Stückerl. Zumindest in meiner Wahrnehmung. DANKE für das mit-Teilen!!

    Wirst Du auch noch die privaten Schleier lüften, oder verbleiben die angedeutet gravierenden Beziehungskonflikte als Fußnötschen?

    Liebe Eugenie,
    bitte nicht wundern….meinen Laptop hat.s „zerfetzt“. Neuinstallation sehrst unbefriedigend. Surfe im Moment über HotSpot = Iphone-Wlan. Einloggen auf twoday z.B. nicht möglich. Naja, hat schon alles Sinn und Zweck. So auch, die wenigen Minuten stabiler „online-Verbindung“ auf eine weitere Etappe Deiner Lebensreise gestoßen zu sein. 😉

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    1. Tatsächlich hatte ich schon viel früher den Gedanken, dass ich trotz Handikap hoch zu Ross noch eine ganz passable Figur abgeben könnte. ; )

      Gute Besserung wünsche ich dir, was die Neuinstallation auf deinem Laptop anbelangt. So etwas ist echt ätzend!

      Tendenziell bleibt es bei den Fußnoten, hinsichtlich tieferer Einblicke in die damaligen Beziehungquerelen. Ich bin jedenfalls heilfroh, dass diese Zeit vorbei ist.

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    1. Ich stelle mir gerade das Bild ohne die anderen Damen vor, Eugenie in einem Kostüm der Kaiserin Elisabeth von Österreich. Ja, das ergibt ein Bild nach meinem Geschmack!

      Im Übrigen hat die Falkin völlig recht. Die hübsche, durchaus sehr aparte Frau auf dem Bild in den Zwanzigern oder Dreißigern hält dem Vergleich mit der Gegenwart nicht stand. Früher war Eugenie hübsch, heute ist sie schön, eine ultimative Schönheit. Der weitere und tiefere Blick macht den Unterschied. Darin liegt die Vollendung.

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    2. Ich war immerhin bereits 36. : )

      Zu dem Thema will ich abschliessend nur noch sagen, dass meine Leser ja eher ueberbelichtete und somit schmeichelhafte Fotos guter Tage zu Gesicht bekamen, während ich eben ab und zu IRL in den Spiegel schaue. ; ) Mit Falten hat das gar nicht mal etwas zu tun. Das eingefallene, welke, schlaffe, müde ist das Gewöhnungsbedürftige.

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    1. dem widerspreche ich. Auf dem Foto bist Du ein bildhübsches Mädchen, jetzt bist Du eine schöne Frau.

      Ich glaube, junge Menschen können garnicht „schön“ sein… es ist das Älterwerden, welches den Charakter und damit die Schönheit erblühen lässt, oder richtiger: sie enthüllt.

      Alles andere „vorher“ ist „Anlage“, „Potential“. Aber das ist sicherlich Ansichts-Sache und ich habe so meine ganz eigene, höchstindividuelle AufFassung von Schön-Sein…. fernab oktruierter, blankpolierter Schubladengerechter Fließband-Püppis. Hm. 😉

      Offensichtlich klappt.s doch mit Login. (Auch, wenn mir twoday dies nicht zu erkennen gibt.) … und ab morgen wird alles anders….!!!

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    2. unfug. konjunktiv

      und ja schönheit liegt im auge des betrachters und ich werde mich eher von einem drachen töten lassen als jemals meine behauptung zurückzunehmen, dass eugene faust die hübscheste und schönste frau ist, die ich jemals auf fotos gesehen habe. und ich sage das schon sehr lange.

      und so bleibt das auch.

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    3. Von wegen Zenit… der kommt bei Ihnen fühestens 2050.

      Aber mal etwas anderes, selbst wenn wir Ihnen einheitlich, objektiv „bewiesen“ haben, dass Sie eine schöne Frau sind, denken Sie bestimmt, Sie wären lieber eine gesunde Frau. Das wird jeder verstehen.
      Sollte also mal ein Engel o.ä. Ihnen diesen Handel anbieten – Gesundheit gegen Ihre Schönheit, dann greifen Sie SOFORT zu!
      Was bei Ihnen dann an Attraktivität und „Rest“-Schönheit übrig bliebe, ist immer noch um ein Vielfaches mehr als bei den meisten Menschen.

      Gruß Heinrich

      P.S. Thrombose schleich dich hinfort – aber dalli!

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  2. Aus was für einem Füllhorn Sie schöpfen können[dürfen],
    liebe Eugenie, ich sehe die vielen kleinen Anker, hinter denen sich Ihre Lebensgeschichte fortschreibend vertiefen lässt 😉

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    1. Viele gute Kraftgedanken sende ich Ihnen heute, liebe Eugenie!

      …und als Anmerkung zum Labyrinthischen Gedanken: Manchmal ist es auch besser [sich] eine „Flucht“ [aus] zu sparen.

      Ihnen alles Liebe und Gute derweil!

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    1. Glücklicherweise sind die Thromboseschmerzen inzwischen sehr erträglich. Schlimmer ist die feste Wickelung des ganzen Beines, die Blutverdünnung und dass ich nicht sitzen darf. Ich darf nicht an morgen denken, nicht an die nächsten Wochen und Monate… Ohm…

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  3. Ein ziemlich durchgebeuteltes Leben stellen sie da zur Schau, und ich danke für´s Teilnehmen dürfen. Chapeau!
    Zwegen der Thrombosen drücke ich alle verfügbaren Daumen.
    Sie machen einfach Mut.

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