IX – Nachtrag

zu Teil IX

Ich habe festgestellt, dass ich doch ein klein wenig weiter ausholen muss und neben einem bisschen Krankengeschichte auch noch das ein oder andere Bruchstück meiner Beziehungsgeschichte hineinweben muss, damit Sie die nächste Station plausibel nachvollziehen können.

1991 hatte ich den Schub meines Lebens, von dem ich mich nur langsam und nie wieder ganz erholt habe. Daraufhin wurde mir von der Krankenkasse nahegelegt, nun endlich EU-Rente zu beantragen, was ich dann auch schweren Herzens tat. Und weil bei mir ein einschneidendes Ereignis nicht selten einen weiteren radikalen Wandel nach sich zog – so war es schon 1988, als ich mich nur wenige Monate nach einer Fehlgeburt (nach zehn Jahren unerfülltem Kinderwunsch) unsterblich in den bereits erwähnten Zivi verliebte, mich in einem schmerzhaften Prozess von meinem ersten Mann löste und währenddessen auch noch die endgültige Diagnose erfuhr – verliebte sich der damalige Trennungsgrund wenige Monate nach dem Schub in eine weitere Frau und wünschte sich fortan eine libertäre ménage à trois, für die ich leider nicht geschaffen war und ihn mir folglich schweren Herzens aus demselben riss.

Der Vollständigkeit halber sollte ich jetzt vielleicht auch noch erwähnen, dass ich mir seit 1989 eine Psychoanalyse angedeihen ließ, so richtig mit Couch und phasenweise klassisch dreimal wöchentlichen Sitzungen. Nachdem meine Beschwerden mit einer Diagnose gelabelt waren, meinte nämlich ein schwerkranker Bekannter, dass bei einer sogenannten „großen Krankheit“ eine Psychoanalyse nie verkehrt sei und gab mir die Adresse seines Analytikers.

Ich war sehr überrascht, dass dieser die Nachbarvilla meiner zukünftigen Bleibe in der Hopfenburg, die damals gerade aufwändig saniert wurde, bewohnte und nahm es als Wink des Schicksals.

Erwähnenswert, weil vielleicht auch ein bisschen wegweisend, ist noch, dass ich als Patientin an einer einwöchigen Fortbildung in psychoanalytischer Gestalttherapie, die er als Leiter eines Ausbildungsinstituts durchführte, teilnehmen durfte.

Obwohl ich für meine Liebeszukunft damals ziemlich schwarz sah, stufte ich mich doch in meinen dunkelsten Stunden als äußerst „schwer vermittelbar“ ein, verliebte ich mich bereits 1992 wieder vorsichtig in einen Hamburger Freund, der mich monatelang heftigst umwarb. Er war schließlich der Grund dafür, dass ich mich nach einem dreiviertel Jahr Fernbeziehung 1993 ganz in Hamburg niederließ. Interessanterweise kam 92 auch meine Analyse zum Abschluss und mein Analytiker zog seinerseits nach Hamburg.

Leider habe ich die amtsärztliche Überprüfung, dass von mir als zukünftiger Heilpraktikerin keine Gefahr für die Volksgesundheit ausgeht, nicht abgelegt, da ich ja den Regierungsbezirk verließ. Nachdem in Hamburg die Wartezeit bis zur Überprüfung fast zwei Jahre betrug, verlor sich die Motivation, mein anatomisches und physiologisches Wissen über diesen langen Zeitraum aufrecht zu erhalten. Außerdem reizte mich die überwiegend somatische Herangehensweise an Krankheiten inzwischen weniger.

Fortsetzung

13 Kommentare zu „IX – Nachtrag

  1. Ich bin leider etwas aus dem Mit-Lese-Takt, liebe Eugenie, Sie wissen ja warum…
    nach dem Wochenende werde ich mit der gebotenen Muse die beiden vergangenen Stationen VIII und IX nachlesen!
    Bis dahin…
    🙂

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