Revolution 2.0


Beitrag von Prof. Dr. Peter Kruse bei der 4.Sitzung der Enquete Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ am 05.07.10 im Deutschen Bundestag.

16 Kommentare zu „Revolution 2.0

  1. Das liegt irgendwo zwischen Faszination und Beängstigung. Zurückgreifend auf mein rudimentäres psychologisches Wissen aus den Zeiten meiner diesbezüglichen Berufstätigkeit, kann, muss und will ich die Aussagen Kruses unterschreiben. Der Machtzuwachs des „gemeinen Volkes“ ist enorm. Ebenso enorm die Möglichkeiten, diesen Zugang zu Macht zu nutzen – oder eben mißbräuchlich zu instrumentalisieren.
    Es wäre fatal, das Potential dieser Möglichkeiten in Zeiten wie den unseren nicht zu nutzen.
    Es wäre jedoch auch tolldreist, besänne man sich nicht zugleich über die Gefahren, die mit dieser Nutzung heraufbeschworen werden könnten.

    Hmmm, tja, räusper …

    *überlegt sich, ob eine Zeitmaschine auf die persönliche Wunschliste soll*

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  2. Vielen Dank, liebe Frau Faust für diese erhellenden Videos.

    Im ersten Video kommt Kruse mir vor wie ein Verräter, der darüber nachdenkt, welche Instrumente man den Mächtigen an die Hand geben kann, das System zu verstehen, zu beeinflussen und für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. Er empfiehlt Empathie, aber gemeint ist „funktionale Empathie“ mit dem Ziel der Ausbeutung und Unterdrückung. Verräterisch ist seine ständige Rede von „den Menschen“, womit der Mitarbeiter, der Kunde, der Bürger, also der beherrschte Mensch gemeint ist. Der Schlusssatz: „Und bist du nicht willig, so brauch‘ ich Geduld“ – das ist ein seltsames Resümee, eigentlich nur ein PR-Gag, wie man sich als Unternehmensberater verkaufen muss nach dem Motto, bleib immer ein wenig rätselhaft, um interessant und überzeugend zu wirken.

    Was er aber über das System Internet und Gesellschaft sagt, ist gewiss richtig.

    In den beiden anderen Videos zeigt er, wie man aus einem dynamischen System ein statisches Modell macht. Es trägt wenig zum Verständnis und der Förderung von sozialen Beziehungen bei, weil er suggeriert, man könne wegen unterschiedlicher Wertemuster nicht zu einem Konsens kommen. Zum Schluss nimmt er alles zurück und sagt: Leute seid nicht so verbissen. Das ist: Finde etwas heraus, was schon alle wissen, aber nicht so schön darzustellen verstehen.

    Die Videos geben einen gutes Beispiel, wofür hochbezahlte Unternehmensberater ihr Honorar einstreichen – für wissenschaftlich verbrämte heiße Luft.

    Edit: Heute Morgen dachte ich noch über die Videos nach, und da fiel mir erst auf, wie peinlich es mich berührt hat, als er publikumswirksam die Krawatte ablegte. Er hätte sie doch erst gar nicht umzulegen brauchen, denn er wusste doch, vor welchem Publikum er reden würde. Ich tät mich schämen, mich irgendwo so anzubiedern, weshalb ich natürlich auch kein hochbezahlter Unternehmensberater bin, sondern nur ein virtuelles Teppichhaus habe.

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    1. Mit Ihrer Einschätzung sind Sie nicht allein. Edo Reents teilt Ihre Ansicht und kritisiert Kruse in der FAZ ziemlich schonungslos.

      Den Gedanken mit den Instrumenten, die er den Mächtigen als VerBerater in die Hand gibt, hatte ich auch.

      Aber mit der Kritik an seinen qualitativen Studien tut man ihm, glaub ich, Unrecht. (Wen das interessieren sollte, kann dazu ja meinen Methodenteil lesen. :))

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    2. Dankeschön,

      es ist mir eine Genugtuung, dass nur die drei Videos mir ausreichten, den Mann als Dampflauderer zu enttarnen. Edo Reents tut das natürlich fundierter, aber er spricht mir aus der Seele. Ihren Methodenteil werde ich lesen.

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    3. Keine Sorge, ich lese freiwillig, wobei ich schon vorab sagen möchte, dass ich einen Unterschied sehe zwischen Ihrem Forschungsprojekt und den Arbeiten von Kruse. Er erhebt ja den Anspruch, Systeme zu beschreiben, aber diese Systeme sind dynamische Rückkopplungssysteme, die in den Systemen kursierenden Informationen wirken auf die Beteiligten zurück. Deshalb ist Unsinn zu suggerieren, es ließe sich beschreiben, indem man Tendenzen isoliert und festschreibt als wären sie unveränderliche Größen. Sein Maskenbeispiel ist Taschenspielerei, denn die menschliche Wahrnehmung/Falschnehmung hat nichts mit seinen Werthaltungen zu tun. Das erste ist angeboren, die Werthaltungen sind sozial vermittelt, also auch zu beeinflussen.

      Zuletzt: Sein Vergleich der sozialen Netzwerke mit einem Gehirn scheint mir ein faschistoider Ansatz zu sein und erinnert an die Idee des Volkskörpers bei den Nazis.

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    4. Sie sind heute aber sehr streng, lieber Jules. Mir stößt die Metapher mit den Erregungsprozessen im Gehirn gar nicht auf, und sehe ich mal von seiner Koketterie und Eitelkeit ab, dann macht mich beim ersten Video eigentlich nur sein letzter Satz misstrauisch.

      „… In der Regel werden von Nextpractice weniger als zweihundert Personen befragt; dafür wird das mit dem Attribut „qualitatives Interview“ versehen – als hätten alle anderen Interviews keine Qualität. Auf den Anspruch auf wissenschaftliche Seriosität, darauf, etwas Relevantes über unsere Gesellschaft auszusagen und sie über Beratung auch zu beeinflussen, reagiert man in Fachkreisen mit Gelächter. Ursula Dehm, die beim ZDF seit vielen Jahren Medienforschung betreibt, kriegt sich gar nicht wieder ein: „Da dreht sich einem das Empiriker-Herz um. Das ist quirliger Nonsens.“…“
      Dieser Absatz aus Reets‘ Artikel würde vielen Sozialwissenschaftlern, die häufig sog. qualitative Untersuchungen machen, sicherlich aufstoßen, es sei denn, es handelt sich um reine Zahlenfetischisten, die qualitativ arbeitende Kollegen gerne belächeln. In dem Referat kommt sicher nur ein Bruchteil zur Sprache.

      Soviel vorerst einmal, ich höre es mir später oder morgen noch mal an.

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