Aufruf zum Ziegen- und Kamele-Verbot

So etwas regt mich auf!

Und weil dort auf mein Posting bisher nicht reagiert wurde, mache ich mir hier etwas Luft.

Es geht angeblich um ein von einer Schweizer Lehrerin verfasstes Schreiben. Tatsächlich handelt es sich um eine Kettenmail, die sich seit etwa zwei Jahren im Umlauf befindet. Vor der Diskussion um das Minarettverbot war die angebliche Absenderin eine oberösterreichische Lehrerin (!). Inhaltlich gibt es außerdem erstaunliche Parallelen zu einer Rede, die Australiens Premier John Howard zur Integrationspolitik gehalten haben soll; vermutlich ebenfalls ein Hoax.

Ich bin jedenfalls in der Schweiz noch nie mit „Grüß Gott“ begrüßt worden. Dagegen – entsprechend der vier Landessprachen – mit Grüezi, bzw. Grüessech, Bonjour, Bongiorno und Allegra*.

Zudem wird das scharfe S (ß) in der Schweiz überhaupt nicht verwendet.

Erstaunlich ist, dass das nicht einmal den Mailist-Verbreitern aus der Schweiz auffällt.
Buh!

*Wobei sich nur in der rätoromanischen Grußformel der liebe Gott versteckt, denn ursprünglich sagte man: Dieu t’allegra.

***************************************************

update:
Inzwischen wurde geantwortet, dass die Mailschreiberin persönlich bekannt und der Gruß, entgegen meiner Behauptung, in der Schweiz gängige Praxis sei. So etwas nennt man wohl Kognitive Dissonanz.

38 Kommentare zu „Aufruf zum Ziegen- und Kamele-Verbot

  1. Ich nehme Ihren Beitrag gerne zum Anlass, Ihnen im spezischen Fall ganz zuzustimmen. litart. twoday ist zu einem Ressentimentblog verkommen – ich habe ihn zwar noch in meinen Abonnements, aber lediglich deshalb, weil mir der Betreiber irgendwann einmal ungefragt und ungewünscht Contributorenrechte eingeräumt hat…Diese haben aber zur Folge, dass ich dieses Blog nicht mehr aus meiner Aboliste löschen kann, was ich aber doch nur zu gerne täte!

    Gefällt mir

    1. Noja, da man als Contributor ja wohl Beiträge im betreffenden Blog schreiben können sollte wäre es doch ein Leichtes, mindestens 1x täglich im Blog des „Kaperers“ auf ebendiesen Umstand (daß man das nicht gewollt hat und energisch protestiert) mehr oder weniger freundlich hinzuweisen. Mit der Zeit dann eben weniger freundlich. Mal sehen, wie lange es dauert bis dieser genervt das „Contributor“ – Recht wieder wegnimmt *har har*…

      Gefällt mir

    2. Nachtrag Habe eben die Betreiberin des Blogs aufgefordert, mich aus dem von mir nicht gewünschten Contributorenstatus zu ‚entlassen‘. Dieser Bitte wurde ebenso schnell entsprochen, wie sie gelöscht wurde. Immerhin ist das ‚Unbehagen‘ jetzt aus meiner Abonnementwelt!

      Gefällt mir

  2. Ich bin grundsätzlich Ihrer Meinung, liebe Eugene, tendiere jedoch eher zu dem Rat, solche Wahrnehmungen (seien sie nun dissonant oder nicht) sehr ernst zu nehmen, da sie mindestens eine tiefe Identitätsverunsicherung (nicht nur) der Schweizer widerspiegeln. Verunsicherungen führen zu Ängsten, die sich irgendwann in sehr viel Schlimmeres transformieren.

    Wie sagte schon der weltbeste Psychologe Meister Yoda in Star Wars: „Angst führt zu Wut. Wut führt zu Hass. Hass führt zu Zorn. Zorn führt zu unendlichem Leid.“ Ich wäre dafür, die Angst wahrzunehmen und mit kompensierenden Maßnahmen abzumildern oder zu entkräften bevor sie zu Wut wird.

    Gefällt mir

  3. anderes als brrr! fällt mir zu diesem unlitart-blog längst nicht mehr ein, doch schön zu sehen, dass solcher mist nicht unwidersprochen bleibt.

    Gefällt mir

    1. Der Unterschied zwischen verzapftem Unsinn und unverzapftem Unsinn liegt darin, dass verzapfter Unsinn infektiös ist. Es gibt genügend Rezipienten verzapften Unsinns, die ihre Affekte daran legitimieren und den Unsinn verstärkt, weil (vermeintlich) bestärkt weitertragen und sogar danach handeln. Denken Sie doch kurz an politische Entwicklungen.

      Unter gar keinen Umständen ist tolerierbar, dass „Erfindungen“ als Tatsachen verbreitet werden, welche ganze Bevölkerungsguppen in Misskredit bringen. Die belustigte Haltung „Wenn’s tatsächlich nicht wahr is‘, dann is‘ es gut erfunden – bruhaha“ bringt mich zum kotzen. Unsinn muss als solcher markiert werden, wo immer er verzapft wird. Das gebietet aufgeklärten Menschen die Anständigkeit.

      Meine generelle Meinung zu diesem Problem ist: Die Leute sollten weniger Fernsehen und stattdessen mehr Sex haben.

      _________________________________________________
      Edit: ich bitte die Blog-Gastgeberin um Vergebung wegen meines Ausbruchs 😦

      Gefällt mir

  4. da würd ich „ned amoi ignoriern“ empfehlen. das hilft natürlich auch nichts, aber das ganze ist ja a) ein hoax, wie du selbst schreibst und b) lässt sich leider ein gewisser bodensatz an äußerst rechts gesinnten in ganz europa (und wohl auch anderswo) nicht wirklich übersehen.

    Gefällt mir

    1. Das stimmt schon. Aber weil das auch noch – trotz Hinweisen – als echt verteidigt wird und laufend einer vom anderen abschreibt, mag mir das nicht mehr gelingen.

      Man könnte doch schon nach wenigen Klicks den Unsinn bestätigt haben und den Beitrag kleinlaut offline nehmen, meine ich…

      Gefällt mir

    2. auch mir… wurde der Brief zugesandt… mein
      „Umgang“ damit… ist in den Kom-
      mentaren ersichtlich… und ich habe
      persönliche Erfahrungen mit dem
      Thema, abgesehen von weitreich-
      enden Recherchen innerhalb der
      Problematik… so einfach ist es nicht 😦
      Augen verschließen hilft nicht… und
      der derzeitige Angriff auf den Komik-
      Zeichner, abgesehen von anderen
      Fatwas, ist sicherlich nicht nur Propa-
      ganda gegen die Moslems… Politik ist!
      nicht einfach und Religionen sind es
      auch nicht! Besonders dann nicht,
      wenn sie meinen, auch andere mit
      ihrer Weltsicht beglücken zu müssen…

      hier mein Beitrag…
      http://belleeer.twoday.net/stories/offener-brief-aus-der-schweiz/main
      und ich sehe keine Veranlassung, ihn
      offline zu setzen, im Gegenteil… was
      weiss ich, wer so eine Lüge in die Welt
      setzt und damit berechtigte Zweifel
      verunglimpft…

      Gefällt mir

    3. Es gibt einen Roman des serbischen Schriftsteller Milovan Djilas, der Roman heisst Welten und Brücken und er beschreibt wie kurz vor dem ersten Weltkrieg, in Serbien ein bekannter, aber bereits schon altender „führer“ auf offenen Feld umgebracht, für die serbischen Nationalen ist ohne auch nur eine Beweisaufnahme aufzunehmen völlig klar dass es die muslems waren.
      Wie lange hat es gedauert bis bush erklärte wer die verdächtigen waren, die am 11 september in die häuser flogen.
      das alles stinkt schon mehr als dass es stimmen kann, das alles stinkt verdammt nach einer ethnischen säuberung..
      ich frage mich wann man die freilassung von karadzic fordert und damit sage ich mit keinem wort dass es unter muslemischen menschen keine idioten gibt, es gibt sogar unter Dichtern Idioten..

      Ganz am Endes des Romanes löst sich das ganzeübrigens derart auf, dass es ein serbe war, aber das interessiert schon keinen mehr

      Gefällt mir


    1. …Wie wollen wir denn in Zukunft hier leben?
      Wollen wir uns nur noch anschreien in Zukunft?…

      Eine brennende Frage hat er implizit auch gestellt:
      Wie kann Affektregulierung auf gesellschaftlicher Ebene funktionieren?

      Vielen Dank für diesen markanten Orientierungspunkt, werte Eugene!

      Gefällt mir

    2. Wohl wahr!

      Ich bemerke allerdings auch folgende gesellschaftliche Haltung:

      „Ich hab‘ keine Probleme.
      Ich mag bloß dein Erscheinungsbild nicht.
      Ich hab‘ keine Probleme.
      Ich mag bloß deine Religion nicht.
      Ich hab‘ keine Probleme.
      Ich mag bloß nicht, dass du in deiner Muttersprache sprichst, die ich nicht verstehe.
      Ich hab‘ keine Probleme.
      Ich will bloß, dass du weggehst.“

      Es ist zum Weinen.

      Gefällt mir

  5. Kognitive Dissonanz bezeichnet in der Sozialpsychologie einen als unangenehm empfundenen Gefühlszustand, der dadurch entsteht, dass mehrere Kognitionen – Wahrnehmungen, Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche oder Absichten – nicht miteinander vereinbar sind, bzw. dass kognitive Dissonanz durch die Unvereinbarkeit von Kognitionen und der Wahrnehmung eigener Handlungen entsteht.

    Das motiviert Personen, die entsprechenden Kognitionen miteinander vereinbar zu machen, wobei unterschiedliche Strategien benutzt werden, wie beispielsweise Verhaltensveränderungen oder Einstellungsveränderungen (Rechtfertigungen).

    Beispiel für kognitive Dissonanz

    Einstellung:
    „Jetzt ist es wegen ein paar Moslems an unseren Schulen verboten, ‚Grüß Gott’ zu sagen.

    Erfahrenes Wissen:
    „Eine seriöse Quelle für ein derartiges Verbot existiert überhaupt nicht. Bei diesem Schreiben handelt es sich offensichtlich um eine Kettenmail, die ursprünglich wohl zuerst eine angebliche Rede von Australiens Premier John Howard zur Integrationspolitik zum Inhalt hatte, dann ganz ähnlich als Schreiben einer oberösterreichischen Lehrerin galt und nun im gleichen Wortlaut, mit „ß“ und ohne Berücksichtigung der vier Landessprachen von einer Schweizer Lehrerin stammen soll, die entgegen üblicher Praxis zu ihren Schülern anstatt ‚Grüezi‘ ‚Grüß Gott‘ sagt.“

    ******************************************

    Reduktion der Dissonanz:

    Abwehr dissonanter Informationen:
    „Die Argumente sind nicht überzeugend.“

    Änderung des Verhaltens:
    Den Beitrag editieren oder offline nehmen.

    Verhalten neu bewerten:
    „Der Brief zeigt aber anschaulich, wie sich viele Bürger und Bürgerinnen fühlen.“

    Neue Kognition hinzufügen:
    „Es könnte aber so gewesen sein!“

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s