Erfahrungswelt Swingerclub – Einzelaspekte / heute: Persönliche Bedeutung der Einrichtung ‚Swingerclub‘

Hier geht es um die abschließenden Fragen, welche Bedürfnisse die Frauen in einem Club befriedigen wollen und können und welche Vorteile und gegebenenfalls Nachteile sie dieser Einrichtung beimessen. Gerade bei diesem Blickwinkel kommt es häufiger zu Wiederholungen von bereits erwähnten Details.

Bei ihren Solobesuchen sucht Tine in erster Linie den „Kick“ und das „Prickeln“, etwas „Verbotenes“ zu tun. Manchmal ist das gepaart mit dem Gefühl, ihren Mann zu bestrafen, „nach dem Motto: Das hast du jetzt davon!“ Denn sie will Sex „gern etwas öfter und mehr und länger“. Doch zeitweilig findet Tine die Männer im Club auch nicht viel potenter und einfühlsamer als ihren Ehemann. Sie hat aber zumindest eine Auswahl an Männern und Kombinationsmöglichkeiten, beispielsweise Männer, die zwar nicht ausdauernd, dafür aber sehr zärtlich sind.

Wenn die Auswahl nicht groß ist, liegt für sie der Reiz in der Clubatmosphäre. Man kennt sich, die Betreiberin ist nett, und sie fühlt wohl – meistens. Denn bei ihren Solobesuchen ist sie latent auf der Suche nach einem Mann für eine exklusivere Beziehung, wo eben „beides zusammenpasst“ – Sex und Liebe oder zumindest Leidenschaft – wie bei ihrem Nachbarn. Aber sie muss sich eingestehen, „solche Männer findet man da wohl nicht.“

Abgesehen von dieser Motivation, sucht sie den Club auch auf, wenn sie ausgelaugt und lustlos ihrem Alltag entfliehen will. Sie kann sich im Club dann „gehen lassen“, „abschalten“ und alles, was draußen ist, vergessen, auch wenn sie den ganzen Abend nur am Tresen sitzt, ein Glas Wein trinkt und sich unterhält. Sie muss nicht unbedingt Sex haben. Manchmal will sie auch einfach fremde Menschen um sich und für niemanden erreichbar sein.

Sie bleibt aber selten lange allein, denn es gibt meistens aufmerksame und auch zärtliche Männer, die sie gerne verwöhnen. Und so manches Mal kümmern sich gleich zwei Männer um sie, was sie ganz besonders genießen kann.

Sie stellt fest, dass die Clubbesuche „schon fast wie eine Sucht sind“, und versucht sich zu mäßigen oder ganz damit aufzuhören. Aber es ist „dieses Ausklinken“, was so schön für sie ist.


Anna
schlägt sich die erste Zeit mit Konflikten herum, bis sie sich Clubbesuche zugesteht. Sie bemerkt aber bald, dass sie an „dieser Art von Selbstinszenierung im Club“ und am Sex mit mehreren Männern Spaß hat. Was ihr im Club auch sehr gut gefällt, ist die Kontaktfreude und Authentizität der Menschen. Keiner tut aufgesetzt cool; die Leute sind offen und „man wird angesprochen“.

Allerdings findet sie, „ein tantrischer Swingerclub – das wäre schöner!“ Denn manchmal findet sie es im Club so ernsthaft – „das Manipulieren an den Geschlechtsteilen. Die Menschen lachen nicht, sie haben auch ganz wenig Ganzkörperkontakt, sondern befummeln sich gegenseitig“.

Zu einem optimalen Abend gehört für sie die „Freude an der Begegnung“, „auch Leichtigkeit“, und das „wirklich miteinander in Kontakt sein.“ Ein Orgasmus ist ihr nicht wichtig; den erreicht sie alleine besser. Was sie als Singlefrau stärker vermisst ist: „einen Körper anfassen, auf sich fühlen und küssen“. Küssen und Riechen ist ihr überaus wichtig. Anna schaut gezielt nach Männern, die sie küssen kann, ist aber verblüfft, dass sie dort auch mit Männern Sex haben kann, die sie nicht küssen würde. Das ist dann aber „schon nicht SO gut!“

Sie achtet dabei auf ihre Grenzen und ist im Neinsagen sehr geübt, denn sie hat den Eindruck gewonnen, dass man als Frau sehr auf sich aufpassen muss, gerade weil sie beim Sex auch ihre Grenzen erweitert und manches ausprobiert. „Ich könnte in einen Club gehen und mich da hinlegen wie ein totes Stück Fleisch, und es würde da Männer geben, die mich noch vögeln würden“. An Tagen, an denen niemand Passendes im Club ist, geht sie dann ohne Sex, aber schon ein bisschen enttäuscht nach Hause.

Im Moment wünscht sie sich mal wieder eine dauerhaftere Beziehung, will aber das, was sie an ihrem Singleleben schätzt, nicht aufgeben. Sie ist „nicht sehr bereit, Kompromisse zu machen, nur um einen Mann zu haben“. Wenn sie sich entscheiden kann, fällt es ihr leichter, nur Sex zu haben. Sie verliebt sich auch selten. Weshalb sie vorrangig einen Mann haben will, ist Sex. Deshalb geht sie in Clubs. Durch den Tod der Großmutter wird ihr klar, dass ihr Leben nicht so „dahinplätschern“ soll, bis sie eines Tages selber stirbt. Und seit sie ihre Sexualität im Swingerclub auslebt, hat sie „wirklich ein viel besseres, schöneres, reicheres Leben“ als das, was sie in stabilen und langjährigen Beziehungen ohne Leidenschaft und Lebendigkeit hatte. Was sie jetzt an Begegnungen hat, ist für den Moment oft ganz leidenschaftlich und intensiv, aber eben nicht von Dauer. Vorher wusste sie gar nicht, „was intensive Momente sind“. Nachdem sie ihre eigene Lust entdeckt hat, kann sie sich inzwischen auch mit dem männlichen Pe-nis, den sie früher eher befremdlich fand, auseinandersetzen und hat sogar Gefallen daran gefunden. Sie bemerkt auch, dass es ihr, ohne emotionale Bindung zu den meist jungen Männern im Club, viel leichter fällt, sexuell zu experimentieren und sich „mit allen Facetten“ in ihrer Lust zu zeigen.

In den Clubs sind die Männer „natürlich geil, und man kriegt mal was Nettes gesagt“. Aber es fehlt ihr dabei so etwas heilsam Spielerisches, was sie in ihren tantrischen Begegnungen erlebt. Darüber ist sie traurig. Das bekommt sie im Club nicht. Dort bekommt sie „etwas anderes“, findet es aber „schon schade!“

Lilly zieht schon nach dem ersten Besuch vier Hauptergebnisse aus der anschließenden gemeinsamen Auswertung: 1. „Es war ein Ganzkörper-Erlebnis“ und ein gutes Gefühl, „einfach ausgelaugt und befriedigt“ zu sein. 2. „DAS war was anderes“ als ein One-Night-Stand. 3. Sie wurden „wahnsinnig respektvoll behandelt“. Und 4. „Es ist SO einfach!“

Sie findet vor allem die Möglichkeit „phänomenal“, jederzeit Nein sagen zu können, sich selbst den Genuss zu erlauben, ohne daran zu denken, was der Partner will und „gleichzeitig so ein Symphonie-Orchester aus mehreren Männer zu dirigieren.“ Und dazu kommt man im Club ganz einfach. Vorher musste sie sich „stundenlang aufrüschen“, „stundenlang in verrauchten Kneipen ‚rumstehen“, um danach „einen betrunkenen Typen mit nach Hause zu nehmen, der es eh nicht mehr bringt!“ Im Club kann sie sich als Frau sogar aussuchen, was sie möchte. Und Lilly „mag es einfach stundenlang“ – bis zur körperlichen Erschöpfung. Sie legt es daher im Club darauf an, sexuell mit mehreren Männern zu verkehren – gleichzeitig und nacheinander, denn ihren Ansprüchen wird kaum ein einzelner Mann gerecht. Dabei ist ihr nicht so wichtig, von wem die unterschiedlichen Berührungen stammen. Für sie zählt der „Gesamtgenuss“. Sie lässt sich fallen und genießt einfach nur. Seit sie den Raum mit den Spiegeln entdeckt hat, genießt sie zudem den Sex mit sich selbst. Sie hat nämlich entdeckt wie „überirdisch“ schön sie in ihrer „raubtierhaften Geilheit“ aussieht. Das fasziniert sie, gerade weil sie sich gelegentlich hinsichtlich ihres Äußeren mit Unsicherheiten und Hemmungen herumschlägt.

Im Club sucht sie nicht die intime Begegnung mit Herzbeteiligung – das wäre ihr zu gefährlich – sondern reinen Sex; eigentlich „wie ein Mann“. Sie geht auch nur hin, wenn sie nichts anderes will. Sex im Club ist dann „wie Knöpfe-Drücken“. „Man drückt bestimmte Knöpfe, damit bestimmte Gefühle entstehen“. Sie nimmt sich das, was sie braucht. Dabei ist ihr der Partner ziemlich egal. In ihren Beziehungen war Sex etwas völlig anderes – wie „zwei Sportarten“. Da zählt vor allem der Aspekt der Intimität. Es gibt im Club schon auch intime Momente, wenn sie hinterher mit einem Liebhaber noch auf dem Bett liegt und redet. Doch das ist eher freundschaftlich, oft sogar „kumpelmäßig“.

Obwohl Lilly beim Sex viel mehr nimmt als gibt, betrachtet sie das als „Win-Win-Situation“. Die Männer haben einen „freien Willen“, und außerdem gibt es ihnen, wie sie regelmäßig zurückmelden, viel, sie in ihrer sich steigernden Lust erleben zu dürfen.

Cora erlebt das erste Mal „so klasse“, dass ihr sofort klar ist, „davon“ mehr zu wollen. Sie findet gleich in der Anfangszeit nicht nur „reinen Sex“, sondern „auch Streicheln, in Arm genommen werden, wahrgenommen werden, Aufmerksamkeit“.

Wenn sie heute Lust auf einen Besuch im Swingerclub hat, kommt „ein Bild von einem bestimmten Club“ in ihr hoch, und meistens bestätigt sich ihr Bauchgefühl. Auf dem Weg dahin stellt sie sich dann vor, was sie erleben möchte. An manchen Tagen will sie einfach nur Streicheleinheiten, wahrgenommen werden, sich unterhalten. Das bekommt sie auch. Cora geht so häufig und beständig in den Swingerclub, wie andere Leute in ihre Stammkneipe gehen. Sie will sich austauschen und unterhalten, Spaß haben. Es gibt dort einen „festen Kern“ von Leuten über vierzig, wo es „einfach lustig“ zugeht. Das ist dann regelmäßig wie „eine Party mit Tanzen, Spaß haben, Lachen“. Wenn sie sich stark mit dem Gedanken an sexuelle Lust beschäftigt, dann geht es ihr nicht mehr um Unterhaltungen und Zärtlichkeit, sondern um „reinen Sex“. Manchmal wünscht sie sich, dass sich jemand ausschließlich um sie kümmert, oder vielleicht auch zwei, drei und mehr Männer gleichzeitig oder hintereinander. Auch das bekommt sie dann. Es kommt für sie dabei gar nicht auf ihr Gegenüber an. Sie hat sowieso ganz oft die Augen geschlossen, um zu genießen, und dabei ganz bei sich zu sein. Für Cora zählt das Miteinander im ‚Hier und Jetzt’.

Sie kann mittlerweile genau sagen, worauf sie Lust hat und was sie nicht mag. Zu Beginn ist es „eine Übung“, das deutlich zu machen – vor allem das Nein-Sagen. Denn zu der Zeit ist sie noch sehr passiv und auf die Bedürfnisse der anderen ausgerichtet, bis sie festgestellt, dass ihr manches nicht so gefällt und sie als Frau in der Position ist, Verschiedenes durch Anweisungen besser zu „managen“. Denn gerade wenn mehrere Männer mit ihr beschäftigt sind, können sich diese nicht gegenseitig dirigieren. Das kann nur sie. „Und das muss akzeptiert werden. Wenn das jemand nicht akzeptiert und aufdringlich wird, dann fliegt der raus“. Ein Swingerclub ist für Cora in erster Linie „ein ganz sicherer Raum, um Sexualität auszuleben.“

Wenn sich Männer für sie interessieren, obwohl noch andere Frauen im Club sind, dann hebt das außerdem ihr Selbstwertgefühl, was wiederum ein „ganz anderes Auftreten“ zu Hause bewirkt. Sie hat den Eindruck, dass es ihre Partnerschaft belebt und eine „Balance“ herstellt.

Nachdem Iris sich am Anfang – etwas abgeschreckt vom Beispiel ihrer Freundin – fragt, wozu das gut sein soll, ist es inzwischen so, dass sie bei ihren wöchentlichen Besuchen unter gewissen Umständen ein Bedürfnis „artikuliert“, und zwar dann, „wenn da was schwingt“. Bisher kann sie sexuelle Begegnungen im Club allerdings „an einer Hand abzählen“, wobei sie nur mit zwei Männern auch richtigen Verkehr hatte. Unter diesen Umständen erlebt sie immer „wundervolle erotische Begegnungen“ und „pure Lust.“ Sie hat bisher auch das Glück, an gute und ausdauernde Liebhaber zu geraten, die genau wissen, was sie mag. Diese Erlebnisse findet sie „fantastisch, überhaupt nicht verpflichtend, wundervoll schwingend, sich gegenseitig beschenkend“ – und das „in einem geschützten Raum“ in dem sie sich nach Lust und Laune in verschiedenen Bereichen mit verschiedenen Möglichkeiten wie auf einem „Spielplatz“ bewegen kann, alles „spielerisch und mühelos ausprobieren“, „lustvoll und freudvoll und friedvoll und auch nicht friedvoll“, je nachdem, was sie will.

Ein Swingerclub ist ihrer Ansicht nach ein „absolut sicherer Raum“, in dem sie als Frau „meist ohne finanziellen Einsatz in einem sehr gepflegten Ambiente, mit unterschiedlichsten Spielmöglichkeiten, mit Wellness-Möglichkeiten, mit fantastischem Essen und Getränken, und wundervollen Gesprächen, Menschen begegnet“, mit denen sie, wenn sie das will, „auch erotisch kommunizieren kann“. Es ist ein Bereich, der ihr erlaubt, sich auszuleben, sich auszuprobieren, all das zu tun, was sie sich wünscht und vorstellt, ohne „reglementiert“ oder gar kritisiert zu werden. Das einzige, was passieren könnte, ist, „dass jemand Nein sagt.“ Wenn sie das früher gewusst hätte, hätte sie „nicht in einer Disco sitzen müssen oder in Bars oder sehnsuchtsvoll schmachtend zu Hause“.

Trotz ihrer guten Erfahrungen würde sich Iris nicht als Swingerin bezeichnen, denn dieses Etikett passt ihrer Ansicht nicht zu der Art, wie sie diese Möglichkeit nutzt. Sie geht hauptsächlich in den Club, um dort einfach Spaß mit den Menschen zu haben. Und dazu ist Sex für sie nicht zwingend notwendig. Sie hat auch nicht die Absicht, Fantasien aus ihrem „Kopfkino“ Realität werden zu lassen. Gangb*ngs findet sie zum Beispiel abschreckend. In der Fantasie haben sie für sie jedoch durchaus „einen gewissen Reiz.“ Ihr geht es um Berührung, und da „steht“ für sie „Liebe drüber.“ Und Liebe umfasst für sie „alles das, was mit Sinnlichkeit zu tun hat: Mit dem Wahrnehmen, dem Entdecken, dem Berühren von Lebewesen“.

Ganz neu ist ihr Interesse für BDSM. Dass sie das reizen könnte, war früher außerhalb ihrer Vorstellung. Wenn ihr diese Variante stimmungsabhängig Spaß macht, kann sie darüber viel Lust erleben. Das ist für sie jedoch keine neue Orientierung, die nun zu ihrer Identität gehört. Wenn sie das nicht will, „schaltet“ sie diese Facette wie mit einem Schalter einfach ab. Sie ist in ihrem Leben „der Boss“ und damit „die Einzige, die darüber befindet“, ob sie das will oder nicht, ob sie etwas macht oder nicht. Und wenn sie sich mal spielerisch dominieren lassen will, dann, weil sie Lust dazu hat.

Noch ist bei Regina der Besuch eines Swingerclubs ein Gedankenspiel. Sie tastet sich aber heran, indem sie sich eine Insiderkneipe mit ähnlichen Möglichkeiten ansieht. Im Moment ist sie aber „wieder so ’n bisschen davon weggekommen“, weil sie „so einen großen Wunsch nach exklusiver Intimität“ hat. Daher denkt sie aktuell wieder eher über einen Callboy nach. Den Besuch eines Swingerclubs empfindet sie, im Vergleich dazu, als „weitaus größeren Schritt“, „weil das mit so VIELEN Leuten ist“. Ein Callboy ist ihr durch frühere Kontakte auch schon vertrauter, und sie hätte das Gefühl, mehr Kontrolle zu haben – vorausgesetzt sie kennt ihn oder er wird empfohlen. „Sonst ist das echt gefährlich!“

Aber die Möglichkeit, sexuelle Kontakte in einem Club zu erleben, „wo man darf, aber nicht muss und gucken kann, auch aussuchen – und vor allen Dingen weiß, dass da auch gleichgesinnte Leute sind – man da nicht auf so einer hirnlosen Suche ist, nur weil die Hormone gerade mal wieder verrückt spielen“, findet sie nach wie vor noch verlockend. „Sex ohne Verpflichtung“, findet sie, „kann schon schön sein“.

Sie stellt sich vor, dass ein Club einen „relativ geschützter Rahmen“ mit „sinnlicher, schöner Atmosphäre“ bietet, wo man „erst mal irgendwo sitzen und warm werden“ kann, „dass da für viele Spielarten Raum ist“, man sich „separieren“ kann oder auch etwas öffentlicher zeigen oder „dass noch jemand dazu kommt.“ Sich selbst möchte sie aber nicht offenbaren und lieber von einem „sicheren Platz“ aus das Treiben beobachten. Auf keinen Fall sollen ihr Leute ohne „Niveau und Wertschätzung“ zu nahe kommen. Sie hat von dem Verlauf eines Besuchs eine positive und eine negative Fantasie. In der positiven trifft sie auf einen attraktiven Mann, der sie ebenfalls attraktiv findet. Sie stellt sich dann einen schönen Abend vor – „erotisch, sinnlich, sich begegnend“, mit Körperkontakt, allerdings ohne Vereinigung. Das ist ihr zu intim! In der negativen Fantasie befürchtet sie, niemanden zu finden, den sie attraktiv findet, und dass sie „das Ganze eher ein bisschen abstößt“.

Weitere Befürchtungen sind, dass man „da dann auch zur Sache kommen“ müsste, dass einem außerhalb des Clubs nachgestellt wird, dass manche „nicht koscher und achtsam mit anderen Leuten sind“ oder „dass der eine oder andere nicht so wirklich auf Hygiene und Gesundheit achtet“. Vor Gewalt und Übergriffen im Club hat sie weniger Angst, da vertraut sie auf den „klaren Kodex in solchen Clubs“. Etwas „Sorgen“ hätte sie aber „bei extremem Männerüberschuss, weil da manchmal dann die Stimmung so komisch wird“.

Sie befürchtet auch, dass „Sex ohne emotionale Beteiligung schwierig wird“ – einerseits. Andererseits fragt sie sich aber auch ängstlich: „Wie emotional wird das da?“ Sie ist sich noch nicht darüber im Klaren, WIE emotional sie das überhaupt haben möchte, denn ihre Beziehung soll ja nicht gefährdet werden. Was sie sich dort aber gut vorstellen kann ist, „andere zu studieren, wie sie sich beim Sex verhalten“, und Neues über sich selbst herausfinden zu können. Dabei kann sie sich vor allem Sexspiele zu Dritt – mit Mann oder Frau – gut vorstellen. Da will sie sich eventuell „ein unangenehmes Erlebnis“ mit einer Dreierkonstellation aus einer früheren Beziehung „noch mal anschauen.“

Alternativen zum Swingerclub wären für Regina „tantrische Beziehungen“, in denen man sich mit „Achtung“ begegnet. Sie hat einige Freunde, die Tantriker sind. Für ihren Partner sind solche Begegnungen jedoch noch Tabu. Als „bequeme Zwischenlösung“ pflegt sie nun eine risikolose Telefonsexbeziehung, in der sie ihre „innere Hure“, ein wichtiger Aspekt ihrer Sexualität, herauslassen kann. Ihr Partner mag diesen Aspekt nicht wahrhaben. Aber sie will sich als Ganzes einbringen, mit diesem Aspekt spielen und sich dadurch auch besser kennen lernen. Sie kann sich vorstellen, dass ihr da „Alleingänge in den Swingerclub“ gut tun könnten – und letztlich auch der Beziehung.


Sandy ist schon lange vor ihrem ersten Besuch auf das Swingen neugierig, weil sie die Fantasie entwickelt hat, Sex mit mehr als einem Mann zu haben. Heute ist sie „Gangb*ng-Spezialistin“, Sex mit mehreren Männern gleichzeitig und hintereinander ist ihre Vorliebe. Dabei genießt sie es „als Objekt begehrt zu werden“ und sich „von einem Mann nach dem anderen nehmen zu lassen“. Außerdem gefällt es ihr, die Männer zu „dirigieren“ – zu sagen, „was die Männer machen dürfen und müssen“. Sie ist „eine Frau, die den Männern auch sagt, was sie braucht“

Sandy besucht verschiedene Clubs, darunter drei Stammclubs. Dort verkehrt sie überwiegend „als Solofrau“, denn sie kennt die Besitzer und viele Gäste. Ist der Club dagegen neu, will sie erst einmal in Begleitung sein. In einen ihrer Stammclubs geht sie regelmäßig zusammen mit einem Bekannten, mit dem sie in sexueller Hinsicht quasi ein Paar bildet. „In erster Linie“ geht sie aber in Clubs, „um auch Freunde mal wieder zu sehen“, nicht mit der Erwartung, „dass was passieren MUSS!“ Ein Betreiber-Paar, zum Beispiel, ist inzwischen so gut mit ihr befreundet, dass sie sogar schon zusammen im Urlaub waren. „Man unterhält sich ganz nett“ mit ihnen und den Stammgästen, „weil man schon eine gewisse Beziehung hat, oder man knutscht einfach nur rum, albert mal rum, aber man muss dann nicht mit denen auf der Matte sein.“ Da landet sie trotzdem oft genug.

Für Sandy sind die Swingerclubs, außer ihrer Arbeit, DAS soziale Umfeld schlechthin. Und wenn sie außerhalb des Clubs Männer kennen lernt, zum Beispiel über „diverse Chats“, in denen sie sich tummelt, trifft sie diese in einem ihrer Stammclubs – „wegen der Gefahr einfach“. Da ist sie „immer unter Kontrolle“. Sicherheit ist dabei EIN Aspekt. Ein weiterer Aspekt ist, dass sie ihre Neigungen ungern in ihren eigenen vier Wänden unter den Augen und Ohren der Nachbarn ausleben möchte. Denn es gibt nur wenige Tabus für sie. Nur die „wirklich ganz, ganz heftigen Geschichten“ lehnt sie strikt ab. Nymphoman oder sexsüchtig ist für sie jemand, der „morgens auch schon Sex haben muss“. Das brauche sie „noch nicht“. Es gibt auch Zeiten, in denen sie ein bis zwei Wochen keinen Sex hat. Sie möchte aber „nicht mit sechzig in einem Schaukelstuhl sitzen“ und sich fragen, was sie eigentlich erlebt hat. Das will sie heute erleben und nicht bereuen, „etwas nicht gemacht zu haben“. Gerade in ihrem Beruf sieht sie wiederholt, wie schnell und plötzlich ein Menschenleben zu Ende ist.

„Besser als einen Swingerclub“ fände Sandy allerdings einen festen Liebespartner. Am liebsten wäre ihr einer, der mit ihr „die Swingerei auslebt“, denn „derjenige müsste wissen und tolerieren“, dass sie swingt und nicht vorhat, damit aufzuhören.

Natalias Sexualleben in der Ehe ließ bis zum letzten Tag „nichts zu wünschen übrig“. Das gehört für sie auch zu einem gesunden Leben. Trotz der unerwarteten Singlefreuden, die sie nicht mehr aufgeben mag, will sie auch als alleinerziehende Mutter nicht auf Sex verzichten. Auf einem längeren Weg über Kontaktanzeigen, lästige One-Night-Stands und einen Callboy findet sie schließlich den Weg in einen Swingerclub.

Sie ist, trotz aller Unsicherheit, beeindruckt, denn das Etablissement ist – wie ein englischer Club – „so was von niveauvoll und locker“ und durchaus ein Platz, an dem sogar Gefühle von Romantik entstehen könnten. „Vom Maurer bis hin zum Industriellen ist da alles vertreten“. Viele Männer sind „unheimlich galant“. Sie hat „nicht mehr dieses Gefühl von One-Night-Stands“. Es ist ein Spaß, den sie sich da gönnt, „wie Tanzen gehen“. „Jeder weiß, was man da will“, das „lockere Nein-Sagen ist da viel einfacher“, und „man lernt so viel“. Sie findet, dass „dieses anrüchige Milieu“ etwas Familiäres und Gemütliches hat. „Es ist dort auch ein bisschen verboten und heimlich“, hat aber nicht das „Verlogene wie auf der Straße oder in der Diskothek“. „Jeder weiß, was man da will!“. Man geht ungezwungen miteinander um, ohne dieses versteckte Annähern, und ohne großartig zu überlegen, was man sagt. „Und dabei vergibt man sich nichts“.

Ein ganz wichtiger Aspekt ist für Natalia die Sicherheit, die ein Swingerclub bietet. Sie weiß, an wen sie sich im Notfall wenden kann. Mit dem Betreiberpaar ist sie inzwischen auch „richtig gut befreundet“. Sie sitzt manches Mal mit den beiden am Tresen und „klönt“.

Sie muss nicht unbedingt Sex haben, wenn sie im Club ist. Es gibt auch Abende an denen sie ausschließlich tanzt. Sie „greift sich nicht irgendwas, nur um da ’was zu erleben“. Das entwickelt sich oder auch nicht – „im Grunde ist es wie auf der Tanzfläche. Mit dem einen tanzt man lieber, mit dem anderen weniger.“ Und ganz bestimmt ist sie im Club „nicht auf Partnersuche – ganz im Gegenteil!“: Sie bekommt sogar „leichte Panik“, wenn ein Mann etwas Beständigeres anstrebt. Auch ihre swingenden Freunde und Bekannten müssen auf ihre Gesellschaft verzichten. Sie braucht „das Gefühl von Freiheit“ und will niemanden „an der Backe haben“.

Seit sie einen Unfall hatte, weiß sie wie nahe einem der Tod ist. Deshalb achtet sie auf Bedürfnisse, die ihr der Körper gegenwärtig signalisiert und auf ihre innere Stimme, der sie vertraut. Sie hat durch die gewonnene Offenheit „Sachen kennen gelernt, die man sonst normal NIE kennen lernen würde“, zum Beispiel mit verbundenen Augen und sanft gefesselt verwöhnt zu werden. Wem sollte sie sonst von solchen Bedürfnissen erzählen, da müsste man, meint sie, schon ziemlich lange mit einem Partner zusammen sein. Und bei einem Callboy hätte sie das Gefühl, dass der das nur fürs Geld macht.

ERGEBNISSE

In dieser Übersicht ist ohne Abstufung festgehalten, was von den Frauen spontan erwähnt wurde. Auch hier gilt: Wenn etwas nicht angesprochen wurde, kann es dennoch erlebt oder angestrebt werden.



Bedürfnisse ausleben und entdecken – Experimentieren

Die Frauen gehen überwiegend in den Club, um Sex zu haben. Dabei geht es ihnen darum, die EIGENEN Bedürfnisse zu entdecken und auszuleben. Das gelingt Anna beispielsweise im Club viel besser als in einer Beziehung. Es geht ihr, Natalia und Sandy auch um das Ausleben ihrer Sexualität angesichts der Endlichkeit der menschlichen Existenz. Alle drei erwähnen den Tod im Zusammenhang mit ihrem Drang, ihre Bedürfnisse zu entdecken und auszuleben. Auch die begleitende Freundin von Lilly scheint dieses Motiv gehabt zu haben, als sie zum Ausdruck bringt: „Man muss ja seinen Enkeln auch coole Geschichten erzählen können!“

Guten Sex – mehr Sex – puren Sex bekommen

Zu diesen Bedürfnissen gehört, dass der Sex befriedigend ist und daher länger dauert. Die Möglichkeit, mehrere Männer an einem Abend haben zu können, wenn ein Liebhaben nicht so ausdauernd ist, kommt den meisten Frauen sehr entgegen. Dass Sex als befriedigend empfunden wird, macht aber nicht zwingend einen Orgasmus nötig. Vor allem das Gefühl, genug davon zu bekommen, scheint Frauen wie Tine, Anna und Cora auszureichen. Lilly geht es an Clubabenden immer um puren Sex. Sie erlebt sich dabei meistens hormonell getrieben und ist erst befriedigt, wenn sie körperlich erschöpft ist. Sandy berichtet ebenfalls von solchen Zuständen, geht aber auch davon unabhängig in den Club. Ohne Orgasmus geht sie nie nach Hause.

Sich sicher fühlen – Schutz und Kontrolle haben

Ein ganz wichtiger Aspekt ist die Sicherheit, die diese Einrichtung Frauen bietet. Man kann davon ausgehen, dass das auch Tine so empfindet, obwohl sie es nicht extra erwähnt. Das mag auch daher kommen, dass sie häufiger eine exklusive Clubbeziehung pflegt und sich dann an der Seite des jeweiligen Mannes geschützt fühlt. Sie weiß sich aber als Solofrau zumindest von der Betreiberin gesehen.
Kontaktfreude – Authentizität – Ungezwungenheit im Club
Auch die Kontaktfreude und Authentizität der anderen Gäste, die alle anderen Gesprächspartnerinnen rühmen, dürfte ihr gefallen, wenn sie alleine im Club ist. Jedenfalls bleibt sie bei Kontaktwunsch nie lange allein und kennt dort als Stammgast auch einige Gäste. Und die wissen alle weshalb sie im Club sind und gehen ganz ungezwungen miteinander um. Keiner „tut cool“, und der Kontakt kommt einfach und schnell zustande.

Körperkontakt und Zärtlichkeit bekommen

Erstaunlicherweise suchen und bekommen viele Frauen dort auch Zärtlichkeit. Fast alle werden von den Männern im Club regelmäßig mit Massagen, Streicheln, Küssen und fantasievollen Spielen verwöhnt. Am schönsten ist das für die meisten, wenn daran gleich zwei Männer beteiligt sind. Da sind sie im Mittelpunkt, und es geht ausschließlich um IHRE Lust, ohne den Gedanken, was SIE jetzt machen oder zurückgeben müssen. Das findet auch Iris klasse, äußert aber nicht so klar, und vor allen sehr selten überhaupt ein Bedürfnis. Lilly geht allerdings nie in den Club, wenn sie lediglich zärtlichkeitsbedürftig ist.

Verliebtheit – Liebe – Leidenschaft (für den Augenblick) empfinden

Außer Lilly, die gerade das Herz heraushalten will, erleben alle immer wieder intensive Momente der Begegnung und sogar Liebesgefühle im „Hier und Jetzt“. Sogar bei Natalia, die Liebesbeziehungen konsequent vermeidet, soll eine Verliebtheit für den Augenblick Ausgangspunkt für den sexuellen Kontakt sein.

Stammgast sein – Clubatmosphäre genießen

Alle Frauen, die einmal oder mehrmals wöchentlich den Club besuchen, fühlen sich dort wie in einer Stammkneipe und pflegen auch dementsprechenden Umgang. Da ist Sex mitunter gar nicht mehr so wichtig. Man unterhält sich und hat Spaß miteinander. Der Club ist da ein wesentlicher Teil des sozialen Umfelds – ein wichtiger sozialer Raum. Es ist eine relativ große Clique, in der die Mitglieder ein ganz ähnliches Freizeitverhalten an den Tag legen, das zudem vom Gros der Gesellschaft abweicht. Das schweißt zusammen und Neulinge sind sehr schnell Teil dieser Welt. Wie man bei Iris sehen kann, muss man dazu nicht unbedingt eingefleischter Swinger sein, denn sie macht von den Möglichkeiten eher selten und sehr gezielt Gebrauch. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass sie noch nicht lange in diesem Kreis verkehrt. So ist denkbar, vorausgesetzt es bleibt bei den häufigen Besuchen, dass sie sich diesbezüglich vielleicht weiter anpasst und Swingen irgendwann als Teil ihrer Identität betrachtet oder sich wieder mehr davon distanziert.

Mehrere Männer dirigieren
Was bei Cora anfänglich noch reine Übung ist, haben Lilly und Sandy bald als Lust entdeckt. Bei Sandy bekommt man sogar den Eindruck, dass sie regelrecht Regie führt – wie in einem Pornofilm.

Aufmerksamkeit bekommen
Cora formuliert dieses Bedürfnis ganz konkret und bekommt auch was sie möchte. Gerade wenn auch noch andere Frauen anwesend sind, hebt es ihr Selbstwertgefühl, wenn sie von den Männern begehrt wird. Anna sucht das nicht so gezielt, registriert aber, wie gut ihr das tut, wenn man ihr Komplimente macht und sagt, was einem an ihr gefällt.

Etwas Verbotenes tun – Thrill erleben
Tine genießt das Prickeln, wenn sie sich unter einem Vorwand von zu Hause verabschiedet, um dann nach dem Karnevalsprinzip in eine andere Welt einzutauchen. Das Gefühl, damit auch ihren Mann zu bestrafen, gibt ihr auch eine gewisse Genugtuung und Rechtfertigung für ihr Doppelleben. Für Natalia schwingt das Verbotene und Heimliche lediglich in der Clubatmosphäre. Sie kann dem „verruchten“ Milieu einen gewissen Reiz abgewinnen.

Vom Alltag abschalten – Sich unabhängig und frei fühlen

Für Tine ist der Club auch einfach Fluchtmöglichkeit, wenn sie sich aus ihrem Alltag ausklinken will.

Gezielt Fantasien ausleben
Sandy ist die einzige, die dieses Bedürfnis klar zum Ausdruck bringt. Offensichtlich setzt sie ihre Fantasien auch ausgiebig um. Iris hingegen spricht sich sogar dagegen aus. Sie will ihre Fantasien als Fantasien behalten und nicht Realität werden lassen. Andererseits will sie aktuell im Bereich BDSM verstärkt Erfahrungen sammeln. Die Motive dazu liegen vielleicht mehr im Bereich Selbsterfahrung.

Selbstinszenierung
Wenn Anna von Selbstinszenierung spricht, ist dabei vielleicht auch der Aspekt der Selbsterfahrung von Bedeutung, schließlich hat sie gerade dadurch bereits in der Therapiegruppe und auch beim Tantra Erweiterung und Bereicherung erfahren. Auch Regina liebäugelt aufgrund ihrer Erfahrungen in Seminaren mit dieser Möglichkeit.

Diplomarbeit-Auswertung (pdf)

Die Auswertung ist nun abgeschlossen und es folgt die Diskussion in drei Teilen, wobei der zweite Teil die Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse enthält.

Für neue Leser:
Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit. Genauer gesagt, lasen Sie einen Teil dieses Kapitels.

Meine Gesprächspartnerinnen

Tine
Anna mit Verdichtungsprotokoll
Lilly
Cora mit Verdichtungsprotokoll
Iris mit Verdichtungsprotokoll
Regina mit Verdichtungsprotokoll
Sandy
Natalia mit Verdichtungsprotokoll

Weiter geht es mit der kurzen Vorstellung meiner ersten Gesprächspartnerin
Tine. (Es werden hier insgesamt nur vier verdichtete Gespräche veröffentlicht. Im Hauptteil sind aber alle Gesprächspartnerinnen vertreten)

Für neue Leser:
Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit

Meine erste Gesprächspartnerin Tine

Heute stelle ich Ihnen kurz meine Gesprächspartnerin Tine vor, die ich so gefunden habe.

Das erste Gespräch führte ich mit Tine, einer offenen und freundlichen Vermessungstechnikerin Mitte fünfzig. Sie ist verheiratet und mit einer kurzen Unterbrechung bereits seit ihrer Jugend mit ihrem Mann zusammen. Sie haben einen etwas schwierigen, unselbständigen, erwachsenen Sohn, der noch im Haus lebt. In ihrer Freizeit malt sie auf Seide und schreibt erotische Geschichten. Vor über sechs Jahren ging sie mit ihrem Geliebten zum ersten Mal in einen Swing*rclub. Bis dahin war sie treu und wie sie selbst sagt „eine unbedarfte, liebe, brave Ehefrau“. Sie hat seither ungefähr zehn zum Teil sehr unterschiedliche Clubs kennen gelernt, wobei sie einem ganz besonders verbunden ist. Den besucht sie inzwischen auch regelmäßig alleine. Sie geht durchschnittlich alle ein bis zwei Wochen unter dem Vorwand, zum Sport oder zum Kunstkurs zu gehen, zum Swing*n. Für unser Gespräch hat sich Tine ebenfalls unter einem Vorwand zu Hause abgemeldet.

Diplomarbeit-Tine (pdf)

Weiter geht’s mit Anna.


Worum geht’s hier eigentlich?

Für neue Leser:
Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit.

Meine zweite Gesprächspartnerin Anna

Heute stelle ich Ihnen meine Gesprächspartnerin Anna vor, die ich so gefunden habe. Das Gespräch mit ihr stelle ich in verdichteter Form vor.

Das zweite Gespräch führte ich mit Anna, einer äußerst selbstbewussten, agilen und empfindsamen Mathematikerin, die in einem großen IT-Unternehmen als Projektmanagerin arbeitet. Anna ist Mitte vierzig und lebt seit zwölf Jahren als Single. Vor etwa vier Jahren besuchte sie zum ersten Mal einen Swing*rclub. Nach einer längeren Pause, geht sie inzwischen ungefähr alle zwei bis drei Monate in einen Club. Nach unserem ersten Telefonat stellte ich sie mir irgendwie als braun gebrannte, etwas schrille, rauchende Lebefrau mit hohen Absätzen vor, die genau weiß, was sie will. Nur letzteres stimmt! Ansonsten gleicht sie, wie sie selbst sagt, eher „der durchschnittlichen TAZ-Leserin“. Anna wirkt geradezu dezent, ein bisschen alternativ, kritisch und engagiert.


Das verdichtete Gespräch mit Anna


Die Vorgeschichte

Der Konflikt
Kurz vor ihrem 40. Geburtstag spricht Anna mit einer Freundin über ihr Sexualleben. Sie gestehen einander, dass sich da im Moment nichts tut. Die Freundin hat bereits Überlegungen angestellt, in „so einen Club“ zu gehen.

  • Da dachte ich auch schon dran, aber dachte auch: Das kann man doch nicht machen! Darauf sie: „Worauf sollen wir denn noch warten?“ Den Satz fand ich irgendwie gut: Worauf will ich noch warten? – Ja, ich bin doch erwachsen. Ich kann doch mal Dinge ausprobieren in meinem Leben. Das hat mir Mut gemacht. …

Die Entscheidung
Auf einer Tagung trifft Anna sehr viele Männer.

  • Und ich merkte, wie ich die immer so begehrlich anguckte. Dem einen starrte ich auf seinen Nacken, dem anderen auf seine Hände. Und ich dachte: Jetzt probiere ich es einfach mal aus. Jetzt gehe ich einfach mal hin [in einen Swing*rclub]. Ich hatte da vorher auch schon mal angerufen, mal gefragt, wie das so ist. Wenn ich Nein sage, ist es Nein, und meine Grenzen werden beachtet. Und wenn mir einer dumm kommt, soll ich Bescheid sagen, der muss dann vor die Tür. Ich dachte, gut, ich kann einfach mal hingehen und gucken, Ja oder Nein sagen. … Ich merkte auf der Tagung, ich habe auch wirklich Lust auf Männer, wusste aber auch nicht, wie ich jemand anbaggern sollte. … Dann doch lieber da, wo es klar ist, einfacher ist. Das war dann auch ein ganz netter Abend. …


Der erste Besuch

„Ich wurde nett begrüßt und aufgenommen“…

  • …Es ist relativ leicht, in einem Club ins Gespräch zu kommen. Es war eine weitere Frau allein da, mit der ich mich unterhalten hatte und auch – vorsichtigen – Körperkontakt hatte.

„Zu zweit mit einem Mann“

  • Wir hatten uns dann auch zu zweit mit einem Mann beschäftigt, mit dem ich vorher schon in einem Zimmer Sex hatte. Ich hatte ihm erzählt, dass ich schon ziemlich lange keinen Sex mehr hatte. Er hatte eine schöne Art, mich anzufassen. Später … kam dann die Frau hinzu. Ich hab’ ihr dann zugeguckt, wie sie ihn geblasen hat, beziehungsweise habe ihn dabei gestreichelt und fand es sehr erregend.

„Was mich irritiert hatte“…

  • …war ein Mann, der mir plötzlich schweigend auf die Pelle rückte. Und da hat die Betreiberin aber auch gut reagiert und den gleich wieder von mir weggesetzt. Diese Art, wie manche Männer in Kontakt gehen, also keine Ansprache, Anfassen mit einer gewissen Beiläufigkeit und ohne Blickkontakt, das gefällt mir überhaupt nicht. Wichtig war auch, dass noch mal gesagt wurde, dass ich immer Nein sagen kann.

Das Sexualleben vor dem Singledasein
Anna erzählt über ihr früheres, unerfülltes Sexualleben.

„Ich habe das, wie viele Frauen, einfach so mitgemacht“

  • Ich hatte immer lange Beziehungen – bis ich zweiunddreißig war. Die waren aber sexuell nicht erfüllend. Ich habe das, wie viele Frauen, einfach so mitgemacht. … Der [letzte Partner] hatte mich dann verlassen, weil unsere Sexualität nicht sehr lustvoll war; … für mich gar nicht und für ihn wohl dann auch nicht so. Er hat mich auch immer drauf angesprochen.

„Ich hatte aber kein Gefühl dafür, was ich eigentlich brauche und will“…

  • …wo meine Lust ist und so. Er gefiel mir schon als Mann. Aber ich hatte keine Möglichkeit, mich auszudrücken und war vollkommen sprachlos und hilflos, nach dem Motto: Irgendwann kommt es wohl von allein. Es kam dann aber nicht. … Dass er mich verlassen hat, war für mich ein Anstoß, mich selber um meinen Körper und um meine Heilung zu kümmern.


Körpertherapie, flüchtige Abenteuer und Tantra

„Und dann habe ich eine körperorientierte Therapie angefangen“
Anna geht zu dieser Zeit einmal pro Woche mit acht Frauen in eine Abendgruppe. Dort wird über den Körper, Bioenergetik, Traumreisen und Gespräche gearbeitet.

  • Das hat bei mir viel in Gang gebracht, so dass ich mehr Zugang bekam zu meinem Körper und meinen Gefühlen. Und gleichzeitig war es so, dass es so, wie es vorher mit den Männern war, nun nicht mehr ging. Und dann habe ich eine relativ lange Zeit keinen Kontakt mit Männern gehabt. Für mich selber habe ich dann angefangen, mich zu befriedigen, habe Fantasien gehabt, was ich früher alles nicht hatte.

„Wieder angefangen, Sexualität mit Männern zu leben“

  • Der Clubbesuch zu meinem 40. Geburtstag war mein Einstieg. … Dann habe ich auch wieder angefangen, Sexualität mit Männern zu leben, aber eher so in flüchtigen Begegnungen. Oft mit Männern, die sehr viel jünger waren. Eine [Affäre] hat sich auch mal fast ein Jahr hingezogen, dass wir uns immer mal getroffen haben. [Sie] waren auch teilweise sehr kurz, … nie irgendwie fest.

„Die Clubs sind nicht der Auslöser“

  • Vor der Körpertherapie, in der langjährigen Beziehung, da hatte ich ja kaum Lust. Das hat sich also sehr verändert. Aber die Clubs sind nicht der Auslöser, sondern die Therapie und Tantra-Seminare, die mir viel Mut zu mir selber gegeben haben.

Club-Pause wegen erneuter Konflikte

  • Nach diesem Vierzigsten bin ich lange gar nicht gegangen, weil ich immer im Hinterkopf hatte, so ’n Club ist doch irgendwie was Schlechtes, als wäre das so ein Armutszeugnis: Im freien Leben finde ich niemand, der mit mir ins Bett gehen will, also muss ich in den Club, um mich von so armseligen Gestalten vögeln zu lassen.

Das ermutigende Tantra-Jahrestraining
Wenn Anna ihren Freundinnen erzählt, dass sie darunter leidet, wenn ihre Bekanntschaften sich nicht melden, bekommt sie bisweilen verständnislos zu hören: „Was machst du auch!? Du musst dir eine richtige Beziehung suchen!“ Aber Anna kann das Bedürfnis gar nicht so fühlen und es ist eben auch kein Mann für eine richtige Beziehung in Sicht. Im Jahr 2002 besucht sie ein Tantra-Jahrestraining. Dadurch ermutigt, beginnt sie Dinge einfach auszuprobieren.

  • Da hat mich das Training ermutigt, einfach Erfahrungen zu machen, und das zu tun, wonach mir ist. Ich habe dann einfach gemerkt, es macht mir auch Spaß, diese Art von Selbstinszenierung im Club. Mehrere Männer an einem Abend. Wenn mir das Freude macht, kann ich das ja leben. Es ist schon was, wo ich mich innerlich sehr lange auseinandersetzen musste, bis ich mir das selber zugestanden habe.

„Ein tantrischer Swing*rclub – das wäre schöner!“

  • Ich hatte letztes Jahr Besuch von einem Mann aus meiner Tantra-Jahresgruppe. Wir waren auch zusammen in einem Club. Das war auch eine ganz gute Erfahrung. Wir hatten nichts miteinander, auch in unserer Jahresgruppe nicht. Das fehlt mir in den Clubs: Tantrischer Sex hat viel mehr mit Herzensqualität zu tun. Die Clubs haben eine sehr genitale, männlich dominierte Sexualität. Eine aus meiner Tantragruppe, die auch in Clubs geht, hat gesagt, ein tantrischer Swing*rclub – das wäre schöner!

Tantrische Qualitäten…

  • Nächsten Monat besucht mich ein Mann aus der Gruppe. Es sind schon ganz gute Kontakte, weil man sich in so einer Jahresgruppe ja auch kennen lernt. Da ist aber kein sexueller Kontakt mit dem Mann. … Wir mögen uns, wir können auch ganz gut miteinander körperlich nahe sein. Das ist die Qualität! Was ganz anderes als so.

…gesucht

  • Ich hatte auch in dem Kontaktforum vom Club eine Anzeige reingesetzt, dass ich tantrischen Sex zum Frühjahr suche. Da haben sich ganz viele Männer gemeldet, die hatten gar keine Ahnung von Tantra, hatten nur Interesse daran. Mit einem, der war noch ganz jung, habe ich mich ein paar Mal getroffen. Mit dem war ich auch einmal im Club. War ganz nett, aber sonst ist da nicht viel bei rumgekommen. …

Cluberfahrungen
Seit Mitte 2002 besucht Anna wieder alle 2-3 Monate einen Swing*rclub. Inzwischen hat sie drei verschiedene Clubs kennen gelernt.

Wichtige Voraussetzungen

  • Ich gehe nur dann hin, wenn ich mich selber klar und stabil fühle. Ganz wichtig! Vorher mache ich immer einen kleinen ‚Yoni’*-Dialog – das tantrische Wort für Vagina – um ihr auch zu versprechen, dass ich nichts mache, was ihr nicht gut tut. Es ist ja immer Männerüberschuss, wo ich gut auf mich aufpassen muss.

Kontaktfreude und Authentizität

  • Was mir gut gefällt – die Menschen sind im Club recht kontaktfreudig. Keiner tut so, als wäre er sozusagen cool und hat eigentlich keine Lust auf Kontakt, wie das ist, wenn ich in eine Bar gehe. Da tun alle so: Eigentlich bin ich ja allein ganz zufrieden mit mir. Im Club sind sie so ganz offen, man wird angesprochen.

„Was ein sehr schöner Abend war“…

  • …da habe ich ein Pärchen aus Österreich kennen gelernt. … Er war ein Wiener Charmeur, der mich mit Komplimenten überhäuft hat. Das finde ich sehr gut, wenn Männer in der Lage sind, mich als Frau auch zu würdigen, indem sie mir das, was ihnen gefällt an mir, auch sagen. … Und seine Frau: „Ja, finde ich auch!“ (lacht) … Ich habe sonst aber eher einen Hang zu den Einzelnen. Ich kann zwar auch mit einer Frau mal knutschen, aber ich habe es eher mit Männern. Aber dann hatte ich mit den beiden schöne Begegnungen. Zu einem optimalen Abend gehört auch so eine Freude an der Begegnung und auch Leichtigkeit.

„Wirklich miteinander in Kontakt sein“

  • Manchmal ist es im Club so ganz ernsthaft – das Manipulieren an den Geschlechtsteilen. Die Menschen lachen nicht, sie haben auch ganz wenig Ganzkörperkontakt, sondern befummeln sich gegenseitig. Wirklich miteinander in Kontakt sein und auch reden, vorher einen Draht zueinander herstellen – das ist mir ganz wichtig. Dass ich da auch merke, da fließt auch was, das passt so. Ich merke relativ schnell, wenn ich da einen Mann sehe, ob ich einen Draht zu ihm habe oder nicht. Und dann gibt es welche, mit denen ist es schön, sich gegenseitig anzufassen. Es macht Spaß. Ich habe auch viel Lust auf junge Männer. Was ich nicht mag – Alkohol und Zigaretten. … Wenn einer Rotwein trinkt, dann kann der noch so schön sein, der muss gleich in die andere Ecke, weil eine Rotweinfahne ich sehr störend finde. Zigaretten kann ich auch nur bedingt aushalten. Wenn man sich möglichst auch mit klarem Kopf begegnet, … dann ist das ein schöner Abend. …

Unterschiedliche Harmonien zu Dritt

  • Die Idee vom Swing*rclub ist ja auch, dass man mal guckt, was die andern machen, dass sich auch vielleicht mal was zu Dritt entwickelt. Ich mag es gern mit zwei Männern. Aber wenn die Männer sich nicht kennen, ist es oft sehr schwierig, weil die so in Konkurrenz miteinander sind. Aber manchmal entwickelt es sich mit dem einen schon gut, und dann kommt noch ein zweiter dazu, und dann fließt es einfach und fühlt sich gut an. Bei anderen merke ich dann wieder: Nein, so geht es nicht. …

Höhepunkte und Stress
Anna kommt im Club kaum zum Höhepunkt. Orgasmen zu erreichen ist auch nicht ihr Ziel; sie versucht sie eher zu vermeiden.

  • Weil mich das mehr unter Stress setzt, als dass es mir hilft. … Wie weit bin ich jetzt, komme ich jetzt?! Ich habe sowieso beim Sex mit Männern eher selten einen Orgasmus. Es ist schon so, dass ich merke, es fühlt sich gut an. … Ich kann das auch genießen, und ich mag, wenn meine Yoni so weich wird und sich öffnet und den Kontakt und Animalität ausdrückt. Aber meine Orgasmen sind eher, wenn ich sie für mich selber habe, … brauche auch, dass mir der Mann vertrauter ist. Das ist in den Clubs eher nicht so.

Körperkontakt und Küssen

  • Einen schönen Orgasmus, den kann ich mir auch selber machen. Was ich wirklich manchmal vermisse – als Singlefrau – ist einen Körper anfassen, auf mir fühlen, küssen. Küssen ist mir sehr wichtig, und Körper riechen und so was. Ich gucke schon nach Männern, die ich auch küssen kann. Ich bin aber selber verblüfft, dass ich dort mit Männern vögeln kann, die ich nicht küssen würde; aber dann ist es schon nicht SO gut. Und wenn es einer ist, der mich als Mann anspricht, dann küsse ich ihn auch. Ich würde ihn ja auch küssen, wenn ich ihn irgendwo anders kennen lernen würde. …

Grenzen und Kontrolle

Offene und geschlossene Räume – mehr oder weniger Kontrolle

  • In die geschlossenen Räume da gehe ich manchmal mit einem Mann rein. Ich finde es schon gut im Prinzip, wenn der Raum offen ist, und wenn sich auch was entwickeln kann. Aber wenn es zu offen ist – manche Zimmer sind in dem einen Club mit einem Bett, wo jeder von jeder Seite des Bettes zugucken kann, was ich nicht mag. Das ist manchmal wie eine Wanderbewegung: Man geht mit einem in ein Zimmer, und ein ganzer Schwung kommt hinterher, die dann eben nur gucken oder auf eine Art und Weise Kontakt machen, was mir nicht gefällt. Wenn jemand plötzlich seine Hand – es sind zwar die Clubregeln, dass man mal anfangen darf mit einer zarten Berührung – das mag ich aber nicht. Mit mir muss man anders Kontakt aufbauen! Ich fühle mich dann von anderen beglotzt. Dann gibt es in dem Club auch ein Zimmer, da sind zwei Betten übereinander. Unten kann man die Tür zumachen, kann dann aber noch reingucken. Oben ist das Bett an der Wand, und an beiden Seiten ist Wand. Und man kann nur von vorn. Das finde ich ganz gut. Dann steht manchmal einer vorm Bett und fragt, ob er noch mit hoch kommen kann. Dann kann ich gucken, ob ich den schon mal gesehen hab; aber es ist nicht so, dass ich liege und mich plötzlich einer von hinten anfasst, weil da die Wände sind! Dieses Zimmer mag ich ganz gern, gehe da oft hin.

Grenzen erweitern
Anna erzählt, dass sie immer mal wieder versucht, in sehr offenen Räumen neue Erfahrungen zu machen. Wenn sie erregt ist, verändert das noch mal die Situation und macht mehr möglich. Sie braucht meist erst einmal Zeit und Raum, um vertraut zu werden und zu sehen, wie sie sich im Kontakt mit einem Mann fühlt. Wenn zu schnell eine dritte Person hinzukommt, verlässt sie den offenen Raum meist wieder.

  • Ich sage dann zu dem Mann: „Lass uns in das andere Zimmer gehen, ich kann das nicht hier!“ Ich darf auch ganz abbrechen und setze mich dann wieder vorn an die Bar. Aber meistens ist es so, dass ich zu dem einen, mit dem ich mich schon verständigt habe, sage: „Lass uns gucken, ob das andere Zimmer frei ist.“

„Auf sich aufpassen, Grenzen wahrnehmen und auch Nein sagen“…

  • …das ist ganz wichtig. Ich könnte in einen Club gehen und mich da hinlegen wie ein totes Stück Fleisch, und es würde da Männer geben, die mich noch vög*ln würden. Da muss ich aufpassen. Das habe ich ja früher gemacht. Im Club macht mich auch an, mit drei Männern hintereinander. Der eine fühlt sich so an, der andere so. Ich bin dann oft ganz heiß. …

„>Geh wieder raus, wir hören auf!<“

  • Da lag ich mal, und einer kam noch, der sich ein Kondom überzog, und ich dachte, mal sehen, wie das ist. Aber als er näher kam – ich lag auf dem Bauch – legte er sich auf mich drauf, führte seinen Penis in mich ein, und da merkte ich, er hat eine Fahne. Da merke ich, ich muss auf mich aufpassen. Ich vögle nicht mit einem Mann, der eine Fahne hat oder alkoholisiert ist. Ich habe ja selber immer getrunken. Alkohol macht, dass man sich in etwas reinpuscht, aber feinstoffliche Energien kann man mit Alkohol nicht mehr fühlen. Man fühlt ja im Prinzip viel weniger. Und dann sagte ich: „Du hast eine Fahne, das ertrage ich nicht. Geh wieder raus, wir hören auf!“ …

„Darf ich das eigentlich?“

  • Mir selber die Erlaubnis geben, NEIN zu sagen, wo ich zuerst neugierig war und mir das auch Lust macht, noch mal mit einem zu vögeln. Und da kommt wieder: Darf ich das eigentlich? Bin ich nicht per se schon schlecht, wenn ich in einem Club wahllos mit irgendjemandem rummache. Trotzdem macht es mich aber an. … Und trotzdem mir die Erlaubnis geben, immer wieder Nein zu sagen. Wenn ich das nicht könnte, könnte ich da nicht hingehen.

„Wozu sage ich Ja? … Wozu Nein?“

  • Da hat mir das Tantra sehr geholfen. Wozu sage ich Ja? Und dann aber auch wirklich Ja! Und wozu Nein? Zu jedem Zeitpunkt kann ich wieder Nein sagen. … Früher dachte ich, der ist vielleicht ja nach zwanzig Stößen schon fertig, das halte ich schon durch, wenn ich mich von mir abschneide, bloß kein Drama draus machen. Aber dazu bin ich nicht mehr bereit. In der Regel sage ich den Männern das schon vorher. …. Und wenn er mit einer Fahne – ist ja sein Risiko und seine Verantwortung, und mein Recht, ihn da – niemand darf gegen seinen Willen – Nein ist Nein! Kann man immer sagen! Ich hatte zwar eigentlich schon Zustimmung signalisiert, und die habe ich dann eben wieder zurückgenommen, weil die Bedingungen sich geändert haben.

„Fällt aber schwer, wenn ich mir den Mann sozusagen ausgesucht habe“

  • Einmal war ich mit einem, den hatte ich angesprochen, der hatte so etwas Sanftes an sich. Und mir war gerade nach sanftem Sex. Ich fragte ihn, ob wir nicht ganz langsam und in Ruhe miteinander vögeln könnten. Dann sind wir in ein Zimmer, und dann hat er mich angefasst, ganz komisch, auch die Brust zweimal so gequetscht. Und dann musste der aufs Klo. … Das sind Momente, wo ich sage: „Schluss, Feierabend!“ Aber wie er mich angefasst hat, merkte ich, der ist es nicht. Dann sage ich aber auch: „Lass uns aufhören!“ Fällt aber schwer, wenn ich mir den Mann sozusagen ausgesucht habe und ihn angesprochen habe. Ich mache das daher so, dass ich in der Bar Kontakt aufnehme. Und wenn wir uns dann berühren, merke ich schon, wenn es nicht geht, dass man dann wieder aufhören kann, ohne dass ich mit ihm in einem Zimmer bin. …

Männer besser auswählen als später abweisen

  • Ich zahle da nichts, die Männer 80 Euro. Und für die ist es – wenn ich denen sage: „Lass uns ins Zimmer gehen!“ – schon so gut wie sicher. Es gibt keinen Weg zurück. Es gibt ja immer einen Weg zurück, aber ich bemühe mich, vorher schon zu merken, ob das passt, ob ich den anfassen kann, fühlt sich das gut an. … Manche sind vielleicht optisch anziehend, aber wenn man sich anfasst, hat man keinen Draht zueinander. … Wenn ich mich nur passiv hinsetze und abwarte, dann kommen auch sehr oft Männer zu mir, die mir nicht gefallen, und die muss ich dann alle abweisen. Daher gucke ich von mir aus, wer mir gefällt, und versuche, von mir aus den Kontakt zu machen. Es ist ganz einfach da, in Kontakt zu kommen. …

Anna erzählt von Tagen, an denen niemand Passendes im Club ist. An solchen Abenden geht sie ohne Sex und ein bisschen enttäuscht nach Hause.


Singleleben


„Ich bin nicht sehr bereit, Kompromisse zu machen“

  • Im Moment wünsche ich mir wirklich mal einen Mann in meinem Leben. Mal etwas Dauerhaftes. Aber Ich kann ja auch das, wie mein Leben so ist, und das, was ich schätze, auch nicht alles so aufgeben. Deswegen habe ich wohl auch seit soundso viel Jahren keinen Mann. Ich bin nicht sehr bereit, Kompromisse zu machen, nur um einen Mann zu haben. Weshalb ich am meisten einen Mann haben will, ist die Sexualität. Deshalb gehe ich ja auch in Clubs.

„Wenn ich einen Mann haben will, muss ich schwach sein“

  • Über Silvester habe ich einen tantrischen Jahreswechsel mitgemacht. Da habe ich einen Mann kennen gelernt, leider aus der Schweiz. Da haben wir uns eine Woche lange auf eine ganz gute Art angenähert, dass ich fühlen konnte, dass ich mit einem Mann zusammen sein kann und trotzdem vollkommen bleibe – in meiner Lebendigkeit. Ich neige dazu, bei einer Bindung oder Beziehung, ein Stück meiner Stärke und Lebendigkeit zu verlieren. … Wenn ich einen Mann haben will, muss ich schwach sein. Mir sagen ja auch oft viele Leute, ich mache den Männern Angst. Ich selber fühle das ja gar nicht.

„Dass ich einfach SEIN kann, ohne mich anzupassen“

  • Aber da [beim Jahreswechsel] habe ich festgestellt, ich kann so sein wie ich bin, und wir haben einen wunderbaren Kontakt. Da habe ich eine Qualität von Beziehung, die ich mir wünsche von einem Mann. Er ist auch einer, der schon viel Tantra gemacht hat und sich wirklich um sich selber kümmert. Der hatte eine Art, mir zu begegnen – das war ein ganz großes Geschenk. Hat mich auch ermutigt zu merken, das kann doch funktionieren: Beziehung mit einem Mann und trotzdem das Leben in der ganzen Fülle zu haben. … Dass ich einfach sein kann, ohne mich anzupassen. Ich weiß, dass ich das normalerweise tue, sobald ich in Beziehungen bin. …

Vergangene Beziehungen
Anna erzählt von ihren vergangenen Beziehungen. Die letzte Beziehung dauert ca. 3 ½ Jahre an. Davor lebt sie 6 Jahre mit einem Mann zusammen.

  • Aber das war so öde und langweilig mit uns. So was möchte ich nicht wieder haben! Da habe ich jetzt wirklich ein viel besseres, schöneres, reicheres Leben als das, was ich da in diesem Zusammenleben hatte. … Als meine Großmutter gestorben ist, da habe ich gedacht: Wenn ich mich nicht kümmere, sterbe ich auch und verplätschere mein ganzes Leben. Und dann habe ich mich eben getrennt. Und ich habe nicht mehr wieder mit einem Mann zusammengelebt.

Vom letzten Partner wird sie verlassen.

  • Das war der Einstieg, mich überhaupt mal um mich selber zu kümmern; zu gucken, was ist da eigentlich. … Wenn ich einen neuen Mann – bestimmte Dinge werden sich wiederholen, weil ich die einfach mitbringe. Und dann hatte ich die Therapie angefangen. Und das war wirklich sehr gut. …

“Wie aus einem fernen Leben“

  • Wie ich früher mit Männern zusammengelebt habe, das ist wie aus einem fernen Leben, und ich will das nicht mehr wieder haben. Das war eine Erfahrung und wichtig, aber wir waren eigentlich so fern voneinander, ich habe so wenig von mir gezeigt, und ich habe auch von den Männern nicht viel zu sehen bekommen. Da möchte ich nicht wieder zurück und freue mich, dass sich da was anderes gezeigt hat, auch wenn ich noch keine Beziehung wieder hatte.

„Mehr Intensität, Lebendigkeit und Leidenschaft, aber nichts von Dauer“

  • Aber das, was ich an Begegnungen hatte, war wirklich für den Moment oft ganz intensiv, was ich vorher nie gehabt hatte. Ich wusste nicht, was intensive Momente sind. Das hat sich schon alles sehr verändert. Vorher war alles ganz stabil und langjährig, aber auf ganz seichtem Niveau, ohne Leidenschaft und Lebendigkeit. Und jetzt habe ich mehr Intensität, Lebendigkeit und Leidenschaft, aber nichts von Dauer. So hat sich das alles gewandelt.

Biographisches

„Mama, Papa, Kind, Oma, Opa”

Anna wächst als Einzelkind in einer ländlichen Gegend auf. Ihre Eltern (Vater Beamter, Mutter ausschließlich Hausfrau) sind schon zehn Jahre verheiratet, als sie geboren wird. Danach kommt es zu keiner weiteren Schwangerschaft. Sie ist das einzige Enkelkind der Großeltern.

  • Ich hatte niemand, mit dem ich mich in meiner Kindheit verbünden konnte. Ich war sehr brav, sehr angepasst und habe versucht, den Erwartungen wirklich gerecht zu werden. … Ein braves, liebes, kleines Mädchen, hübsch angezogen, ordentlich, gut in der Schule – so was Angepasstes eben. Das war eben so: Mama, Papa, Kind, Oma, Opa. Da hat mir gar nichts gefehlt. Als ich älter wurde, in der Pubertät, da hat sich das alles sehr gewandelt. Scheiß-egal-Haltung und Gegen-alles-Sein. Da habe ich mir dann eher mal jemand gewünscht, Schwester oder Bruder. Und jetzt? – ich kenne das ja nicht anders. …

„Ich bin jetzt auch mit meiner Kindheit und meinen Eltern ausgesöhnt“…

  • …Mir hat da wirklich meine Therapie sehr geholfen. Oder überhaupt, wenn man erwachsen wird und man merkt, man kann ja die Verantwortung übernehmen. Nur, weil meine Mutter sagte: „Da fasst man sich aber nicht an!“ – da brauche ich mich ja nicht mein Leben lang dran zu halten. Man kann ja Schritte da raus machen. … Ich glaube, dass meine Eltern viel lustvoller und sinnlicher sind. Aber sie konnten das nie zum Ausdruck bringen. Sie sind da in ihren Gefängnissen drin geblieben. Ich schätze und liebe meine Eltern. Ich bin da froh drum, dass der unausgegorene Ärger [weg ist], den man gegen seine Eltern hegt, und da immer noch eine Erlaubnis für irgendwas haben will, was sie mir nie geben werden und geben brauchen, weil ich mir das nun selber geben kann.

„Sexualität versuchten sie mir abzugewöhnen“…

  • …Ich habe mir das aber zurückerobert. Ich war noch ziemlich klein. So klein, dass, wenn ich meine Eltern nicht gesehen habe, muss ich mich unbeobachtet gefühlt haben, so klein war ich wohl. Im Wohnzimmer meiner Eltern – mein Vater auf dem Sofa, meine Mutter im Sessel – haben wir TV geguckt. … Da habe ich mich als kleines Kind selber berührt, und dann hat meine Mutter gesagt: „Fass dich da nicht an!“ … Und dann hat sie an meinen Fingern gerochen, um das nachzuprüfen! … Und das vor meinem Vater! … Sie sagte, ich solle das nicht machen, sie wird es immer rauskriegen. Ich hinterlasse sozusagen Spuren, die sie immer rauskriegt. Ich war dadurch auch so eingeschüchtert, … dass ich keine Doktorspiele gemacht habe. Ich kriegte das bei anderen Kindern ja mit. Das habe ich alles nicht mitgemacht. Bloß nichts in dem Bereich anfassen und Ärger kriegen! Ich habe dann mit zwölf oder so wieder angefangen, mich selbst zu befriedigen. Ich habe … ganz still und heimlich vor mich hin onaniert, konnte auch kommen, ohne ein Geräusch zu machen.

Als es dann mit der Sexualität mit Männern losging…

  • …da war ich wieder so erschreckt, dass das alles wieder vollkommen verschwunden war. Die Art und Weise, wie Männer mich dann angefasst haben – . Als ich noch nicht versucht habe, mit Männern ins Bett zu gehen, da ging es noch ganz gut. Das Küssen und auch Petting war noch lustvoll. Aber als Geschlechtsverkehr dazu kam, das war furchtbar. Ich habe nichts gefühlt. Ich war neunzehn, wollte aber eigentlich schon früher entjungfert werden, weil ich mal wissen wollte, wie das ist. Ich hatte auch mal einen Freund, mit dem es aber nicht geklappt hat. Wir konnten nicht darüber reden. Wir wollten beide zusammen schlafen, wussten aber beide nicht, wie es geht oder so.

„Man musste sexuell und gut sein“

  • Das war Mitte der 70er, und es war noch so, wenn Männer sich unterhalten haben: Eine frigide Frau zu sein, das war was ganz Schlimmes. Man musste sexuell und gut sein. Aber keine Frau wusste eigentlich, wie das ging. Ich dachte immer, meine anderen Freundinnen wissen alle, wie es geht, nur ich nicht. Inzwischen weiß ich, die wissen es auch nicht. Aber wir konnten erst nach Jahren drüber reden.

„Vielleicht kommt ja irgendwann was Gutes dabei raus“

  • Später war ich sehr viel betrunken, wenn ich Sex mit Männern hatte, und hatte einfach so mitgemacht. Wenn man lange trainiert, dann – vielleicht kommt ja irgendwann was Gutes dabei raus. …

„Aber von nichts kommt nichts“…

  • …Ich weiß noch, wie bedrohlich ich einen Penis fand. In meinen langjährigen Beziehungen – wenn der Mann so hinter mir lag mit dem steifen Schwanz – und ICH bin da nun für zuständig, ICH muss mich da nun drum kümmern. Aber ich habe mich immer eher zur Verfügung gestellt, sexuell, … mich nicht verweigert, … aber habe mir den Penis auch nie richtig angeguckt oder den Mann nach seinem Schwanz gefragt, was er möchte oder so.

Die Würdigung des Penis

„Ein mühsamer Weg“

  • Das habe ich erst mit der Körpertherapie, als ich einen anderen Zugang zu meinem Becken bekam und auch sexuelle Fantasien kriegte. Ich war ganz erstaunt, Fantasien zu kriegen, wo Schwänze drin vorkamen. Wo ich merkte, das ist ein Organ, das auch seinen Reiz und seine Schönheit hat. Das konnte ich früher alles gar nicht sehen. Als ich dann aber meine eigene Lust entdeckt hatte, hat sich das dann auch verändert. War ein mühsamer Weg. …

„Die Männer zu sehen mit ihrer Sexualität“

  • Oralsex, das habe ich bei Männern früher nie gemacht, weil ich das blöd fand. Das gefällt mir aber und macht Spaß, seit ich mich nicht mehr so ausgeliefert fühle. Seit ich selber sagen kann, was ich möchte und fühle, was mir gut tut. … Ich erinnere mich an eine Party: Ich war betrunken und war plötzlich mit einem Mann auf Toilette. Ich sollte ihm einen runterholen, was mir aber nicht gefiel, so innerlich unbeteiligt zu sein. … Ganz komisch, die Männer zu sehen mit ihrer Sexualität, dass ihnen das etwas bedeutet. Ich hätte gar nicht sagen können, was sie danach bei mir machen sollen. Ich hätte ja gar nicht gewusst, was ich brauche und will. Das hat sich echt geändert!

Mitwisser

„Das geht niemand was an“

  • Ich erzähle es schon mal im Bekanntenkreis ein paar Freundinnen. Aber es hat auch noch keine irgendwie die Inspiration gehabt, es selber auszuprobieren. Und sonst erzähle ich da auch nicht groß von. Beim Tantra entwickeln sich eher mal solche Gespräche. Da erzähle ich es eher mal, auch mal Männern. Aber so?! … Warum sollte ich irgendeinem männlichen Bekannten davon erzählen? Ich habe bisher auch noch niemanden getroffen im Club, den ich kenne. Einen Arbeitskollegen – das wäre schon blöd. Ich bin für Azubis zuständig – das wäre das Allerschlimmste, meine Azubis da zu treffen. … Das wäre schon unangenehm. … Oder dass da kommt: „Die hat es wohl nötig!“ Das geht niemand was an. Aber zum Glück habe ich da noch niemand getroffen.

Reaktionen

  • Ich hatte mich ja einmal mit der einen Freundin im Urlaub drüber unterhalten. Der habe ich das dann auch hinterher erzählt. Und sie sagt, irgendwann macht sie das auch, aber noch ist es nicht so weit. Sie zögert immer noch. Sie müsse noch abnehmen und dies und das. Die findet es wirklich auch gut und bewundert mich dafür. Eine andere fragt auch mal nach, aber viele wollen da auch nicht recht was von wissen. Sowohl für sie als auch für eine andere Freundin – viele reagieren ja so – ist das ohne Liebe gar nicht möglich!

Sex und Liebe

„Wenn ich mich entscheiden kann, fällt es mir leichter, nur im Sex zu sein“

  • Aber mein Weg ist irgendwie anscheinend anders. Ich wünsche mir ja auch Verbindung von Sex und Herz. Aber wenn ich mich entscheiden kann, fällt es mir leichter, nur im Sex zu sein. Ich habe ja im Moment keine Herzensbindung. Ich verliebe mich auch nur selten. Es ist nicht so, dass ich nur Männer habe, mit denen ich gern möchte. Die begegnen mir gar nicht erst! Mich stört es ja auch nicht. Ich habe ja keinen Leidensdruck dadurch. Wenn ich den hätte, könnte ich ja was dran ändern. Aber für mich ist es so – wenn mir danach ist, weiß ich, … dass ich meine Sexualität in so einem Club leben kann und empfinde das eher als Bereicherung und nicht als was Schlimmes. …

Eine hübsche kurze Affäre
Anna erzählt von einer unverbindlichen Affäre mit einem Mann, den sie über eine Kontaktanzeige in einem Swing*r-Forum kennen lernt. Er beschreibt sich als ausgesprochen hübsch anzusehenden 27-jährigen Mann. Sie verliebt sich sofort in ihn, obwohl ihr klar ist, dass es keine Konstellation zum Verlieben ist. Sie treffen sich einige Male, zu mehr ist er nicht bereit. Die Affäre endet bald.

  • In den habe ich mich ja praktisch in unserer ersten Nacht verliebt. Dieses klassische Kennen lernen, sich ein paar Mal treffen und noch mal und noch mal, und sich dann verlieben, das ist mir wirklich schon seit Jahren nicht mehr passiert.

Der Mann in der Ferne
Zum Jahreswechsel lernt Anna einen Schweizer kennen. Sie empfindet mehr als Verliebtheit. Mit ihm ist es vertraut und schön. Wenn sie an diesen Mann denkt, wird sie traurig, denn er hat seinen Besuch abgesagt.

  • Ich habe mir gewünscht, dass wir uns wieder sehen. Er wollte eigentlich kommen, ist dann aber nicht gekommen. Ich habe jetzt eher das Gefühl, wir werden uns nicht wieder sehen. Ich bin da so zerrissen; Zürich ist wirklich weit. … Ich habe es mir gewünscht, habe es ihm auch gesagt, weil es auch einfach so schön war, unsere Begegnung. Und für ihn war es auch sehr schön, aber er kann das auch als Erinnerung so stehen lassen. Er hat einfach gesagt, für ihn sei das im Moment noch nicht – es passte irgendwie nicht oder so, vielleicht später! – das war es schon. … Ich will mich auch nicht in Wünschen verlieren, die nur deshalb alle da sein könnten, weil der andere so weit weg ist. Deshalb weiß ich nicht, ob ich ihn überhaupt wieder sehen will. Ob man nicht einfach sagt, das war eine Begegnung, es war ein Geschenk für uns beide, und jeder geht nun wieder zurück in sein Leben. … Ich könnte jetzt auch nicht sagen, dann komm ich zu ihm. … Im Moment ist eher Distanz zwischen uns und diese Distanz wächst auch. Wenn man sich nicht begegnet, kann man Leidenschaft nicht halten. Das ebbt dann so weg. … Aber das war wirklich ein großes Geschenk! … Mein Wunsch wäre, das auch wirklich hier [in Hamburg] zu finden. Hier ist ja nun mein Leben und mein Alltag. … Auch er sagte, er wünscht sich eine Gefährtin. Aber eben in Zürich, nicht hier oben.

Unverbindlichkeit und Experimente – einerseits (was es im Club gibt)

  • Wenn Freundinnen sagen, sie könnten sich das gar nicht vorstellen, und sie möchten nur Sex mit einem Mann, zu dem sie auch eine emotionale Bindung vorher aufgebaut haben –. Ich habe für mich gemerkt, dass die Clubs und auch die Unverbindlichkeiten mit den jungen Männern – wenn ich keine emotionale Bindung habe, dass es mir dann sehr viel leichter fiel, sexuell zu experimentieren, oder bestimmte Dinge einfach von mir zu zeigen, was meine Lust angeht. Wenn ich in Beziehungen bin dann eher: Jetzt mal nicht zu geil sein, zu sehr dem Mann mit irgendwelchen Ideen kommen. Da, wo ich nicht in Beziehungen war, fiel es mir leichter, mich mit allen Facetten meiner Sexualität zu zeigen. Von daher sind das für mich ganz, ganz wichtige Erfahrungen, die ich damit gemacht habe.

Heilsames gepaart mit Lust – andererseits (was es im Club eher nicht gibt)

  • Der Mann aus Zürich, der hatte auch eine Art, mich und meinen Körper zu sehen, mir was zu meinem Körper zu sagen, was mich so ganz berührt hat, was so ganz besonders schön war, was ich vorher noch gar nicht kannte. In den Clubs sind die Männer natürlich geil, und man kriegt mal was Nettes gesagt. Aber mit ihm hatte unsere Sexualität so etwas Spielerisches. Meine inneren Schamlippen gucken so ein bisschen vor – und der hat immer gesagt, ich habe Flügelchen. Das war so süß! … Und so hatte er öfters so Sachen zu mir gesagt, wo ich merkte, so kann sich das heilsam anfühlen und gut, so dass ich auch lustvoll sein kann, und ihm das auch zeigen, dass ich auch Lust auf ihn habe. … So was ist eben im Swing*rclub nicht. Das fehlt da einfach. Deshalb bin ich auch so traurig. … Das kriege ich da eben nicht. … In einem Club kriege ich was anderes – schon schade.

Diplomarbeit-Anna (pdf)


Weiter geht’s mit
Lilly.


Worum geht’s hier eigentlich?

Für neue Leser:
Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit.

Meine dritte Gesprächspartnerin Lilly

Heute stelle ich Ihnen kurz meine Gesprächspartnerin Lilly vor, die ich so gefunden habe.

Das dritte Gespräch führte ich mit Lilly, einer lebhaften und sehr kommunikativen Rechtsanwältin in eigener Kanzlei mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Mediation. Lilly ist Mitte dreißig und lebt als Single in einem quirligen Stadtteil Berlins. Vor 2 Jahren besuchte sie zum ersten Mal einen Swing*rclub. Seither geht sie etwa einmal im Monat in diesen Club. In ihrer knappen Freizeit schreibt sie erotische Geschichten und pflegt Kontakte zu zahlreichen guten Freundinnen. Sie interessierte sich sehr für die späteren Ergebnisse der Diplomarbeit und war daher auf einer ihrer Geschäftsreisen gerne zu einem Gespräch bereit. Es war deutlich zu spüren, dass Lilly Freude an anregenden Unterhaltungen hat und ihre Gedanken auch zu diesem Thema gerne und großzügig mit anderen teilt.

Weiter geht’s mit
Cora.


Worum geht’s hier eigentlich?

Für neue Leser:
Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit.

Meine vierte Gesprächspartnerin Cora

Heute stelle ich Ihnen kurz meine Gesprächspartnerin Cora vor, die ich so gefunden habe. Im Anschluss veröffentliche ich das Gespräch mit ihr in verdichteter Form.

Das vierte Gespräch führte ich mit Cora, einer warmen, natürlichen und in sich ruhenden Frau Anfang vierzig. Sie ist seit fast zehn Jahren geschieden und lebt mit ihren beiden jugendlichen Kindern in einem kleinen Ort an der Elbe bei ihrem neuen Freund, den sie in einem Swingerclub kennen lernte. Kurz nach ihrer Scheidung besuchte sie zum ersten Mal einen Swingerclub. Zurzeit geht sie ungefähr 1-2 Mal pro Woche mit oder ohne ihren Partner in verschiedene Clubs in und um Hamburg. Sehr häufig besucht sie einen kleinen, familiären Club, in dem sie auch – zusammen mit einer neuen Freundin (Iris) – intuitive Massagen anbietet. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als freiberufliche Bilanzbuchhalterin und mit der Gestaltung von Webseiten. In ihrer Freizeit pflegt sie fleißig Kontakte übers Internet und widmet sich ihrem zweiten beruflichen Standbein als ganzheitliche intuitive Beraterin in allen Lebenslagen. Cora ist Reiki-Meisterin und bietet auch Workshops an. Da sie sich gern über ihr Swingersein und ihre Weltanschauung austauscht, war sie zu einem offenen Gespräch mit mir bereit.

Das verdichtete Gespräch mit Cora

Die Vorgeschichte

Das Internet

Ich war gerade geschieden … und habe mich überwunden, dass ich ins Internet gehe. Das war damals ja wirklich noch ein hammerhartes Ding. Internet war noch ganz neu, und Frauen im Internet waren sowieso was ganz Seltenes. Ich habe da ganz schnell sehr viele Kontakte geschlossen. …

„Grenzen erweitern“

Cora lernt über ein Kontaktforum im Internet einen Mann kennen und trifft sich mit ihm.

Und irgendwann sagte er dann: „Sag’ mal, was hältst du von Gruppensex?“ Wir haben zu der Zeit so ein Spiel „Grenzen erweitern“ gespielt. Ich sagte: „Bei deinem Zeitproblem wirst du wohl kaum mehr als zwei Leute unter einen Hut kriegen.“ Die Antwort war eine Mail mit einer Telefonnummer, wo ich mal anrufen sollte. Das war ein Swingerclub in Hamburg, da lief ein Band, dass sich da tolerante Paare treffen, was das kostet und wann die geöffnet haben. Und da sagte ich: „Okay, da gehe ich mal mit.“


Der erste Besuch


„Das war so klasse“

Dann sind wir da zusammen hingegangen. … Der Club war furchtbar, da bin ich auch nie wieder hingefahren. Aber was ich da erlebt habe den ersten Abend, das war so klasse, dass ich sagte: „Okay, jetzt suche ich aber einen Club aus, wo ich mich wohl fühle!“ …

„Ich habe einfach die Augen zugemacht“

Wir sind da also angekommen, ich war ganz aufgeregt, ich wusste ja nicht, was auf mich zukommt. Wir hatten nicht weiter drüber gesprochen. Nur, dass es um Gruppensex geht. Ich wusste überhaupt nichts sonst. Wir sind als erstes in die Sauna gegangen, und dann kam ein dritter Mann dazu. Das war ein Türke, ein Ausländer. Ich habe einfach die Augen zugemacht und habe abgewartet, was passiert. …

„Das fühlt sich ja gut an!“

Mein Freund fing dann an, mich zu streicheln, und der Türke machte mit. Und ich dachte: Das fühlt sich ja gut an, von vier Händen gestreichelt zu werden. Dann war es irgendwann einfach zu heiß in der Sauna. Dann sind wir in ein Zimmer gegangen, wo wir auch zu dritt geblieben sind. Da ist kein anderer mehr zugekommen.

„Davon will ich mehr“

Und dann haben wir wirklich alles gemacht. Alles, was uns so einfiel. Das war sehr erotisch. Ich fühlte mich von diesen beiden Männern sehr begehrt, sehr umworben. Die kamen nicht in Konkurrenz, die haben auch miteinander. Aber es ging nur um mich. Ich stand im Mittelpunkt – das fand ich so toll! Das war für mich eine Erfahrung, überhaupt so Zärtlichkeit zu erfahren. Das fand ich ganz klasse. Das war eben nicht reiner Sex, auch Streicheln, in Arm genommen werden, wahrgenommen werden. Die ganze Aufmerksamkeit, die ich da bekommen habe – das kann ich gut ab! Davon will ich mehr.

„Als ich mich sicher fühlte, bin ich auch mal allein hin“

Mit dem Freund, mit dem ich hinging, bin ich später auch öfters in andere Clubs gegangen. Und irgendwann, als ich mich sicher fühlte, bin ich auch mal allein hin, wenn er keine Zeit hatte. Den Dritten, der [beim ersten Mal] dabei war, habe ich nie wieder gesehen. Das war für mich auch okay.

Sich einlassen

„Es kommt gar nicht auf mein Gegenüber an“

Ich war da schon so weit, dass ich gesagt habe, es kommt gar nicht auf mein Gegenüber an. Es kommt auf das Miteinander im Jetzt drauf an. Was morgen oder übermorgen ist oder was gestern war, spielt in dem Moment keine Rolle, wenn ich mich ganz einlasse auf das Jetzt. Und ich kann mich auf jeden einlassen – mit Abstrichen. Es gibt auch Männer, da mache ich drei Schritte rückwärts, weil sie mich einfach nicht anziehen oder mich abstoßen.

„Mal herausfinden, was da ist“

Ist eine Gefühlssache. Du begegnest jemand, entweder du hast ein neutrales Gefühl oder das Gefühl, den möchtest du gern mal knuddeln, oder … da ist etwas zwischen, was nicht mit mir zusammenpasst, oder womit ich mich nicht beschäftigen möchte. Manchmal gehe ich darüber hinweg und sage: „Okay, mal herausfinden, was da ist.“ Aber ich habe es noch nie gehabt, dass es dann hinterher besser wurde. Also höre ich einfach drauf. … Wie hoch ich meinen eigenen Selbstwert gerade gehängt habe, spielt eine ganz große Rolle, und zum anderen, wie der andere auftritt. Sitzt der allein da, ist es natürlich viel einfacher, hinzugehen und irgendwas anzufangen. … Bei Pärchen mache ich oft den Weg über die Frau, um herauszufinden, wie offen die beiden sind.

Eifersucht

„Es gibt nichts Schlimmeres als Eifersuchtsszenen“…

…Und dann frage ich vorher ab, wie da die Verabredung zwischen den beiden ist. Das kann ich am besten über die Frau, denn sie hat dann nicht das Gefühl, zurückgesetzt zu sein. Da gucke ich schon mal drauf. … Man soll nicht denken, dass Leute, die in den Swingerclub gehen, Eifersucht nicht mehr kennen. Das ist nicht so. (lacht) Für mich ist das kein Thema, für meinen Freund auch nicht.

„Bei uns darf jeder machen, was er will“…

…muss aber auch für sich selber sorgen. Ich bin nicht dafür da, für ihn Kontakte zu knüpfen. Wir machen was zusammen oder auch nicht, … nicht aus einer Verpflichtung heraus. … Jeder hat sein Leben, seine Vorlieben, Dinge, die er gern macht. … Ich möchte machen, was sich für mich richtig anfühlt. … Es ist aber keine unverbindliche Wohngemeinschaft. … Natürlich liebe ich ihn, aber ich kann doch auch andere lieben. Ich habe kein Besitzrecht an dem anderen, und er nicht an mir. … Wir haben die Absprache, dass keine Absprachen [im Club] nötig sind. Es fließt oder fließt nicht. So, wie es kommt, ist es gut. …

„Es belebt die Partnerschaft auf jeden Fall“

Ich sage ihm, wo ich hingehe. Ich erzähle meistens auch, wen ich getroffen habe oder was besonders war, worüber wir gelacht haben. … Wenn ich so erzählt habe, ist es zu Hause auch schon mal weitergegangen. … Wenn er andere Dinge zu tun hat, interessiert ihn das nicht so. … Kommt auf die Situation an. Aber es belebt eine Partnerschaft auf jeden Fall. … Wenn ich in einen Club gehe und sehe, dass sich – auch wenn da noch andere Frauen sind – Männer für mich interessieren, hebt das meinen Selbstwert. … Und wenn ich dann nach Hause komme, habe ich ein ganz anderes Auftreten, als wenn ich immer nur zu Hause bin, immer nur mit dem einen Mann. … So ist da eine Balance drin! … Ich hatte [nach der Ehe] noch zwei drei monogame Beziehungen. Aber das war nicht mein Ding. … Ich habe keine Lust mehr, mich zu verstecken, mich und meine Bedürfnisse. Wenn da jemand ist, auf den ich Lust habe, dann würde ich dem auch meine Beziehung erklären, aber dass ich jetzt eben Lust habe. Das habe ich auch schon gemacht. …


Allein in den Club gehen


Die Vorbereitung

Ich ziehe an, was mir gerade in den Kopf kommt. Haare waschen, duschen, rasieren. … Ich bin aber nie geschminkt! Das ist nicht mein Ding – oder, dass ich ein besonderes Dessous anziehe –. Ich achte drauf, dass man meinen Bauch nicht so sieht, weil ich ja Übergewicht habe. Aber nachher ist mir das auch egal. Wenn ich ausgezogen bin, bin ich ausgezogen. Es hat sich noch keiner beschwert! …

Das Einstimmen

Wenn ich Lust auf Swingerclub habe, kommt ein Bild von einem bestimmten Club. Das erste [Bild] ist dann eigentlich das, wo ich mich auch wohl fühle. … Wenn ich hinfahre, stelle ich mir schon mal vor, was ich heute gern möchte. An manchen Tagen möchte ich einfach nur Streicheleinheiten haben, wahrgenommen werden, möchte mich unterhalten. Im Prinzip ist es, wie andere Leute in die Kneipe gehen, so gehe ich in den Swingerclub. Ich möchte mich auch austauschen und unterhalten, nicht immer nur über Spirituelles. Dafür habe ich andere. … Manchmal möchte ich, dass sich mal jemand ausschließlich um mich kümmert oder vielleicht auch zwei oder drei. Das stelle ich mir vor. … Und ganz oft ist es auch so, dass es sich dann so ergibt. … Wenn ich mich viel beschäftigt habe und so viel Lust habe, dass ich unbedingt mal wieder los muss, dann geht es mir nicht um Zärtlichkeit, dann will ich einfach nur Sex, reinen Sex. Das kriege ich dann auch. Es liegt wohl daran, was ich ausstrahle. … Es findet sich immer der Passende dazu! Oder DIE Passenden! …

Der Auftritt

Man bringt ja eine bestimmte Energie mit … wenn man reinkommt und alle gucken. Die ersten Sekunden sind der Auftritt: … Reinkommen und angeguckt werden. … Wenn ich mich sicher und gut fühle, dann mag ich es auch, angeguckt zu werden. Wenn ich mich den Tag aber geärgert habe oder unzufrieden bin, mich nicht leiden kann, die Haare nicht sitzen, gehe ich gern HINTER jemandem rein. …

Grenzen und Kontrolle

„Ich kann sagen, was ich will oder nicht“…

…Wenn ich nur mit dem EINEN zusammen sein will, können die anderen später oder gar nicht. Für mich war das eine Übung, zu sagen, was ich will. Auch mal NEIN zu sagen! Nicht so ausgerichtet zu sein auf die Bedürfnisse der anderen, sondern erst mal gucken, was will ich. … Am Anfang war das nicht so. Da bin ich passiver gewesen, habe das einfach mit mir machen lassen. Bis ich festgestellt habe, es gibt Dinge, die gefallen mir nicht so, und Dinge, die ICH besser managen kann. Wenn da drei Männer mit mir in einem Raum auf einem Bett sind, dann kann der eine nicht zu den anderen sagen: „Verschwindet!“ Das geht einfach nicht. Das kann nur ich! …

„Ein Swingerclub ist … ein ganz sicherer Raum“…

…um Sexualität auszuleben. Man hat keine Schwierigkeiten mit irgendwelchen Beziehungen, es sei denn, man will da drauf eingehen. Man kann sagen, das will ich oder das nicht, und das muss akzeptiert werden. Wenn es jemand nicht akzeptiert und aufdringlich wird, dann … fliegt der raus! … Wobei das umgekehrt genauso ist. … Dann muss ich das als Frau genauso akzeptieren. Nur kommt das seltener vor! … Obwohl ich in der letzten Zeit mehr Besuche hatte, wo es mehr Frauen gab als Männer. Letztens waren wir vier Frauen und ein Herr. …

Frauen

„Einfach nur eine Variante“

Bei manchen Frauen habe ich Lust, bei manchen ist es schön, wenn sie dabei sind oder nicht dabei sind. … Es ist einfach nur eine Variante, eine Spielart, die auch Spaß macht. Dann gibt es Frauen, da mache ich drei Schritte rückwärts.

Eine unangenehme Begegnung

Cora erzählt, dass sie in der letzten Zeit einen Club, in dem sie sogar Vereinsmitglied ist, meidet, obwohl sie sich sonst dort immer sehr wohl fühlt.

Da ist eine Frau, die eigentlich immer da ist. Und ich weiß nicht, was ich ihr getan habe, sie redet nicht mehr mit mir. Das empfinde ich persönlich als SO unangenehm, dass ich da erst einmal nicht mehr hingehe, bis sich das wieder beruhigt. … Wir haben uns anfangs viel unterhalten und auch viel zusammen gemacht, gelacht, auch mal mit Männern zusammen losgegangen, und irgendwann war Schluss. Bin dann hingegangen und hab’ gefragt, was ich ihr eigentlich getan habe. Sie hat sich aber nur umgedreht. Damit kann ich nichts anfangen! …

Empfindliches Gleichgewicht

Letztens waren wir zu dritt [im Club], zwei Frauen, ein Mann. Eigentlich war ICH mit ihm nach oben gegangen, dann kam noch die Zweite dazu, was für mich in Ordnung ist. Aber die war so dominant, dass ich plötzlich außen vor war. Irgendwann bin ich gegangen. In dem Moment wäre es an dem Mann gewesen, da ein Gleichgewicht herzustellen. Und weil er das nicht gemacht hat, war das nicht mein Ding dann. … Ich habe ganz klar gespürt, dass diese Frau einen unheimlichen Mangel an Zuwendung hat. Ich wollte ihr das aber nicht erfüllen. Ich hätte ja auch sagen können: „Wir kümmern uns erst einmal zu zweit um sie!“ Doch das wollte ich nicht. … Ich wollte auch irgendwann nicht mehr zugucken. Bin dann … auch nach Hause gefahren. Das war nichts für mich. … Ich konnte mich an dem Tag sowieso nicht entscheiden, was ich wollte. … Das brauchte die Andere eben, um anzukommen. Und die hatte wirklich ein enormes Bedürfnis! … Hatte seinen Sinn, aber war unbefriedigend.


Cluberfahrungen


Anbaggern mit Etikette

Letztens kam eine Frau auf mich zu, die war mit ihrem Freund da, ziemlich jung noch, und sagt: „Ich soll dich fragen, ob du mit uns was anfängst.“ Ich war so perplex, sagte: „NEIN!“ Es gibt so eine Etikette beim Anmachen, finde ich. Normal ist es nicht, dass man zu jemand anderem hingeht und sagt: „Gehst du mit mir ins Bett?“ Man unterhält sich, man flachst herum, hat viel Spaß, und dann ergibt sich was oder nicht. Man kommt sich näher oder nicht, wie in einer Kneipe. Da lernt man sich ja auch erst einmal übers Gespräch kennen. …

Wenn sich keiner traut

Wenn ich meine, die haben alle Lust, aber trauen sich nicht – kommt auch vor – dann sage ich ganz laut: „Ich gehe jetzt in die Sauna!“ Dann kannst du sicher sein, dass sich der eine oder andere findet, der auch mitkommt. Dann finden plötzlich Gespräche statt, die man oben [am Tresen] nicht hatte. … Oder aber ich sage zu einem: „Komm, wir wollen mal sehen, was oben los ist!“ Aber ich gehe nicht direkt hin und sage: „Ich gehe jetzt mit dir nach oben!“ …

Mehr als EIN Mann

Es gibt Männer, die überhaupt kein Problem damit haben, wenn andere Männer dabei sind, … dass der eine mich vögelt, den anderen darf ich dann blasen oder den Schwanz in die Hand nehmen oder sonst was. … Es gibt aber auch Männer, die sind so empfindlich, bei denen passiert überhaupt nichts mehr, wenn drei Männer dabei zugucken. Das kriege ich aber ganz schnell mit. Dann kann ich die Situation steuern. …

Sehen und gesehen werden

Ich habe grundsätzlich mit Zugucken kein Problem, wenn die Männer damit kein Problem haben – ein wichtiger Punkt! … Die haben dann wirklich manchmal so eine Blockade im Kopf, dass sie sich nicht lösen. Ich bin – egal, ob jemand zuguckt oder nicht – bei denen, mit denen ich da etwas tue. Oder ich bin ganz und gar bei mir. Aber ich bin nicht bei den Zuschauern, gedanklich und im Fühlen. Wenn jetzt aber der, mit dem ich zusammen bin, immer guckt, was die Anderen da machen, … das bringt keinen Spaß, da kommt keine Stimmung auf. … Größtenteils blende ich sie [die Zuschauer] aus. Es sei denn, es ist jemand, den ich schon kenne, und wo ich weiß, der steht zum Beispiel unheimlich auf Brüste. Das beziehe ich schon mit ein. … Dann gucke ich ihn schon mal an und heize ihn an. Aber meistens ist der nicht lange außen vor, die kommen dann dazu. Das kommt vor, aber größtenteils blende ich sie wirklich aus. … Er [der Freund] hat auch Schwierigkeiten im Club, wenn zu viele zugucken, wenn er sich nicht sicher genug fühlt. Dann verschieben wir das eben auf zu Hause.

Mit geschlossenen Augen

Am Anfang hatte ich die Augen zu, um mich wahrzunehmen. Heute mache ich die Augen zu, weil es intensiver wird. Dann nimmst du intensiver über die Haut wahr. Das ist aber kein Ausgrenzen. Ich nehme denjenigen oder diejenige sehr wohl wahr, sehr intensiv. … Ich weiß genau, wie der aussieht. Wenn ich aktiver bin, habe ich auch die Augen auf.

Spiegel

Ich habe … ein inneres Bild von mir, das ganz anders ist als ich aussehe. Ich gucke gar nicht in die Spiegel, höchstens, um die anderen zu sehen. Mich gucke ich nicht an. So hoch ist mein Selbstwert auch nicht! … Ich habe ja ganz viel die Augen zu und genieße, … und bin ganz bei mir. … Aber in die Spiegel gucke ich nur, wenn ich anschließend da lieg, noch kuschel’, und neben mir ist noch ein Pärchen, wo man zuguckt.

Safer Sex…

…ist normalerweise selbstverständlich. Es kommt vor, aber ganz selten, dass die Männer es ohne versuchen. Aber das sind welche, die nicht zu den Swingern gehören, sondern das mit einem Puff verwechselt haben. Es kommen auch Männer, die denken, sie haben mit dem Eintritt da die Frauen mitgekauft. Die landen nirgendwo. Die sind dann meist ganz böse und kommen nicht wieder. …

Masturbierende Männer

In manchen [Clubs] ist das gang und gäbe, ganz normal. … Einmal da waren so viele Männer da – die Frauen hätten die auch bei viel Mühe gar nicht alle geschafft. … Es hat mich nicht abgestoßen, macht mich auch nicht an, ist aber wohl ein großes Kompliment, dass die das so anregend finden. … Gut ist [in solchen Clubs], mit einem hinzugehen, den man schon kennt. … Ich empfand als angenehm anfangs, dass mein Freund immer geguckt hat, was passiert, … ob es mir gut geht. … [In anderen Clubs] da kommt es eher selten vor. Da wird immer auf das Verhältnis geachtet. … Ich sage aber auch mal zu jemand: „So, nun machst du es dir mal selber!“ Aber das ist dann mehr einbezogen. …

Bedürfnisse

Wenn ich hingehe und habe das Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung und Zärtlichkeit, dann finde ich mich mit solchen zusammen, die mir genau das geben. Es gibt aber auch Tage, an denen ich nicht so die Lust auf Sex habe. … Dann kann ich selbst zwar aktiv sein, aber für mich gar nichts fordern. … Das kommt vor, aber auch, dass ich wirklich nur vögeln, nur poppen will. Dann sage ich: „Du und du und du, nacheinander!“ …

„Orgasmus ist so eine Sache“…

…Manchmal will ich das, manchmal aber nicht. … Ich bin sehr empathisch, kann auch einen Orgasmus übernehmen, wenn ich zuschaue oder wir mit mehreren sind, auch allein mit jemand. … Manchmal reicht es auch, wenn ich einen geteilten Orgasmus erlebe; ist manchmal sogar schöner, als wenn ich selber einen habe. … Die besten Begegnungen sind die, wo die Männer sich auf dieses Gefühl wirklich einlassen können, … aber auch gleichzeitig mich wahrnehmen, wo ich stehe. Das ist wirklich die Krönung! … Wenn man zusammen auch ankommt, ist das das Beste. Ist aber immer abhängig von den Umständen, der Tagesform, von mir selbst, von meinem Gegenüber.

„Wenn man erst mal angefangen hat“…

…und dabei ist, und weiß, wie sicher man sich fühlt, geht man auch nicht unbedingt nur in EINEN Club. Jeder Club hat eine besondere Atmosphäre. Jeder hat besondere Menschen, die da hinkommen. Man trifft nicht immer in allen Clubs die gleichen Leute – kommt aber vor. Manche wechseln und gehen sehr oft. Wir sind damals 3-4 Mal im Jahr losgegangen. Momentan gehe ich zweimal die Woche. Das hängt davon ab, wie man sich fühlt, was man sonst noch um die Ohren hat, welche Leute man da trifft. … Im „WPH“ [Club] gibt es einen Abend für Leute über vierzig, wo es einfach lustig ist. Das ist, als geht man dahin und hat eine Party mit Tanzen, Spaß haben, Lachen. … Da ist ein fester Kern. … Das gefällt mir so gut, und meinem Freund auch.

Sex und Liebe

„Für mich ist es auch ein Gefühl, ein Ausdruck von Liebe!“

Viele gehen in den Swingerclub und sagen, sie trennen Sex von Liebe. Ich gehe in den Club und für mich ist es auch ein Gefühl, ein Ausdruck von Liebe! Das begrenzt sich auf den Zeitraum, aber nicht auf die Intensität. Das ist ohne Erwartung, aber mit dem Gefühl, dass ich jemand angucke und sage: „Schön!“ So ein inneres Umarmen! … Das habe ich meinem Freund gegenüber, als auch dem gegenüber, dem ich im Club begegne. Das entwickelt sich einfach. Ich kann aber auch im Park sitzen und Kinder beobachten, und habe dieses Gefühl genauso. So ein weites Gefühl. … Das unterscheidet sich nicht. Ich würde es sogar traurig finden, … dann wäre es nämlich Alltag, abgestumpft.

„Jemand angucken, wahrnehmen, akzeptieren, die Schönheit sehen“…

…Dieses Gefühl habe ich im Club auch – nicht zu jedem. Aber wenn ich mit jemand Sex habe, entwickelt sich dieses Gefühl immer automatisch. Ich bin da nicht unbeteiligt. Ich möchte mich dann teilen, wenn ich das fühle, nicht sagen, es geht nicht, weil ich einen Freund habe. Ich kann auch wieder loslassen. Auch wenn ich den nicht wieder sehe, war der Sex wirklich Genuss pur – mehr im Jetzt als in der Zukunft oder Vergangenheit! Es gibt Männer, da freue ich mich tierisch, wenn ich die dann wieder sehe, und welche, mit denen man mal die Handynummern austauscht, dass man sich mal außerhalb trifft. … Zu alleinstehenden Männern fahre ich auch hin. …

„Manchmal beginnt etwas auf sexueller Ebene und endet ganz woanders“…

…Ich glaube, es geht nicht um mich, sondern um den, der eine Begegnung will. … Ich habe einen getroffen im Club. … Wir haben gesessen, geredet die ganze Zeit. … Wir haben uns in die Augen geschaut, und da war ein Austausch über die Augen da. Ich weiß nicht, was wirklich stattgefunden hat. Und danach habe ich ihn nie wieder gesehen. Das ging da um etwas Anderes. Nicht um Liebe, nicht um Sex, um etwas Anderes! … Es gibt ein Stück Erweiterung.


Mitwisser

„Wenn sie nachfragen, was für ein Club das ist, erzähle ich das“

Ich gehe nicht los und erzähle Mama und Papa: „Ich gehe in einen Swingerclub.“ Aber wenn sie nachfragen, was für ein Club das ist, erzähle ich das. Die fragen aber nicht nach. Meine Schwester kriegt ein Hörnchen, wenn sie nur meine Internetseite sieht. … Meine andere Schwester sagt: „Ich müsste eigentlich mal mitkommen!“ … Ich verstecke mich damit nicht, habe ich nicht nötig. Ich stehe dazu, dass ich das mache, aber muss das auch nicht an die große Glocke hängen.

„Meine Kinder wissen das, die wissen auch, was da passiert“…

…Denen habe ich das erzählt, weil sie das nicht von einer anderen Schiene zu hören bekommen sollen, wo es ganz anders dargestellt wird. Das ist das Wichtigste. Wenn es sich also ergibt, sage ich das, und wenn nicht, dann nicht. Das ist gewachsen. … Irgendwann sagten wir: „Wir fahren in einen Club.“ … So fing das an. Und irgendwann habe ich dann immer weiter erzählt, immer detaillierter, keine pornografischen Geschichten, aber so, dass klar wird, was da stattfindet, dass sie das Gefühl haben, dass es mir ganz wichtig ist, und dass es wichtig ist, dass man tut, was man selbst für richtig hält, und dass ich auch keine Geheimnisse vor ihnen habe, dass sie nicht ausgeschlossen sind, und – dass Sex wirklich was Positives ist! …


Ehe


„Kein Interesse an Sex“

Ich war vorher 9 Jahre verheiratet, war treu, wäre niemals auf die Idee gekommen, etwas außerhalb der Ehe zu tun. Ich war eigentlich froh, wenn der mich in Ruhe gelassen hat. Ich war energetisch ganz unten, und dann hat man auch kein Interesse an Sex. Dann ist man nur dran interessiert, den nächsten Tag zu überleben, in irgendeiner Form. … Es war nicht so, dass es gar nicht mehr stattfand, aber ich hatte da keine Lust mehr zu. Es war keine Freude mehr, nichts mehr, was mich aufgebaut hatte. … Das [mit der Lust] hörte fast schlagartig auf, als ich meinen Mann kennen lernte. … Ich habe da auch nicht drüber nachgedacht, es war einfach so. Er hatte wohl auch die Erwartungshaltung. Ich hätte da überhaupt nichts gegen tun wollen.

Verheiratet bis zur Unkenntlichkeit

In meiner Ehe habe ich immer versucht, ihm alles recht zu machen, ihm alles zu geben, damit er sich gut fühlt. Er fühlte sich aber nie gut. Und immer wieder habe ich einen oben drauf gesetzt, bis ich nicht mehr vorhanden war, sondern ein Wesen, das funktionierte, wo ich mich selbst wirklich aufgegeben habe. Es war eine Phase, da war ich tot. Dann kamen die Kinder – das wollte ich gern. Meine Kinder sind auch nur 13 Monate auseinander. Dann wurde es schwierig – zwei Kinder, die ich umsorgen wollte UND einen Mann! … Das hatte dann nicht mehr hingehauen. Dann habe ich angefangen, mich um mich selbst zu kümmern, habe viel gelesen. Jetzt weiß ich, ich werde mich gut fühlen, wenn ich das will, schlecht, wenn nicht. …

Die Trennung
Cora ergreift die Initiative

„Entweder meine Kinder und ich oder keiner von uns“…

…Das war das Gefühl – jetzt Verantwortung für die Kinder übernehmen! … Ich habe zwei Jahre gebraucht, um mich zu trennen. Habe nach einem halben Jahr Trennung es noch mal mit ihm versucht, aber es klappte nicht. … Da war ein Verantwortungsgefühl ihm gegenüber. … Es hat mich massiv unter Druck gesetzt. … Ich lebte dafür, dass es ihm gut geht, und es ging ihm nicht gut. Also war ich nicht gut genug. Ich habe es damals auch nur geschafft, weil ich einen guten Chef und eine Freundin hatte, die mich aufgefangen und unterstützt haben, dass ich meinen Selbstwert wieder aufbauen konnte. Allein hätte ich das nicht gepackt. …

Ein Rückblick

Aber auf einer höheren, göttlichen Ebene habe ich mir das so ausgesucht. Davon bin ich ganz fest überzeugt. Das war schon gut so. Ich habe diesen Weg schon gehen wollen. … Das hat mich stark gemacht, hat mich auch noch einfühlsamer gemacht und mich noch mehr dazu gebracht, noch mehr auf meine intuitive Seite zu gehen, auf die Gefühlsseite, und nicht mehr alles so mit dem Kopf zu machen, obwohl ich den auch gut benutzen kann. Der soll aber nicht mein Leben lenken. Früher habe ich das mit dem Verstand gemacht und heute eher mit dem Gefühl. …

„Nie wieder ein Kerl! … Aber Sex wollte ich schon!“

Nach der Trennung sagte ich: „Jetzt nie wieder ein Kerl!“ … Aber Sex wollte ich schon! Und dann musste ich eben einen Weg finden, jemand kennen zu lernen. Das habe ich dann ja übers Internet gemacht. Der Freund, mit dem ich da zuerst los war, der war verheiratet. Das war völlig unproblematisch. Ich konnte da total gut mit umgehen. Ich suchte ja niemand für mich, sondern einen, mit dem ich mich mal austauschen konnte. Ich habe ihm seine spirituellen Grenzen erweitert und er mir meine sexuellen Grenzen – ein Geben und Nehmen, völlig in Ordnung, für seine Frau weniger, glaube ich. … Nachher war ich wirklich heilfroh, dass er mir das [Swingen] gezeigt hat.

Biografisches

„Berührung ist für mich so was von wichtig“…

…egal, ob sexuelle Berührung oder nicht. Ich habe schon als Kind gern auf jedermanns Schoß gesessen, bin gern an der Hand gegangen, einfach, um dieses Gefühl von Berührung und Nähe zu haben. Sexualität kam dann für mich selbstverständlich dazu. Ich habe auch als Jugendliche mehrere Freunde nebeneinander gehabt und fand da gar nichts bei. …

Aufklärung

Ich habe meiner Cousine ihr Buch geklaut: ‚Wo kommen die kleinen Mädchen und Buben her’. Ich war so zehn, elf. Ich habe mich lange gefragt, wie das funktionieren soll. Das Theoretische war mir schon klar, aber wie der Samen in die Frau kommt, das ist nirgends geschrieben. … Aber mit dreizehn hatte ich einen Freund, mit dem ich das erste Mal geschlafen habe.

Defloration

Er war zwei Jahre älter. Er hat mich gefragt, ob wir das machen wollen. Und da habe ich einfach nichts gesagt. Und dann habe ich zu Hause drüber nachgedacht und dachte: Warum nicht!? Das fühlte sich gut an, als er gefragt hat. Und dann haben wir uns ein Gartenhäuschen genommen. … Ich habe dann meine [drei Jahre ältere] Schwester gefragt, was ich beachten muss, dass ich kein Kind kriege. Für die war ich zu jung, aber wenn ich dazu Lust hätte – … War nicht so ein prickelndes Erlebnis, erinnere nicht viel, nur, dass ich dachte: Und das war’s?! Die Spannung vorher war eigentlich viel besser als das Erlebnis. Aber irgendwann kriegte ich mit, es geht auch anders. War eben ein Prozess. Und am Ende meiner Ehe fragte ich mich, wie ich das vergessen konnte. Das war ja wirklich völlig ausgeblendet.

Masturbation

Das habe ich schon als Kind angefangen. Erste oder zweite Klasse, da gab es jemand, für den ich total geschwärmt habe. … Irgendwann habe ich angefangen, mich selbst zu streicheln. Habe gemerkt, das fühlt sich gut an. Aber das habe ich versteckt als Kind. … Das hat keiner mitgekriegt, außer meine Schwester, mit der ich mich drüber unterhalten habe. … Es war nicht erwünscht, darüber zu reden. …. Ich gehörte nicht dazu, und eigentlich war ich sowieso ganz anders als alle anderen, auch mit der Sexualität. … Ich wusste ja nicht, dass andere das auch machen. Und irgendwann habe ich einen Artikel oder ein Buch gelesen, dass Masturbation zu Krankheiten führt, wo ich gesagt habe: „Das stimmt nicht!“ (lacht) Als Kind hatte ich wohl auch noch mehr Zugang zu dem, was sich richtig anfühlt und was nicht. …

Zu Hause

Wenn ich meine Eltern so angucke, denke ich, dass mein Vater einen freieren Umgang hatte mit Sexualität und meine Mutter eigentlich denkt: Oh Gott, ich bin eine Frau, ich Arme! Und das bezieht sie auf alles, auch auf die Sexualität. … Mein Vater war Lebensmittelkaufmann. Meine Mutter war gelernte Buchhalterin, hat aber im Geschäft mitgearbeitet. Wir waren drei Mädels und ein Hund zu Hause. Und meine Oma war am Wochenende da, … und später nur noch unter der Woche. … Meine Oma hat immer bei mir mit im Zimmer geschlafen, weil ich das größte Zimmer hatte. … Meine Schwestern hatten für sich allein jeweils ein kleineres Zimmer. Das hatte seine Vor- und Nachteile. Ich habe jede Nacht mit ihr zusammen geschlafen. … Schlimm war das für die Selbstbefriedigung – konnte ich ja nur machen, wenn Oma nicht da war. Ich lag da manches Mal und dachte daran. … Später hatte ich dann das riesige Zimmer für mich allein. … Als ich zwölf, dreizehn war, ist sie nach einem Schlaganfall gar nicht mehr gekommen, … und wir haben sie nur besucht. …

Kindlicher Weltschmerz

Cora erzählt, dass sie als Kind viel gelitten hat und wie sie sich das heute erklärt.

Ich habe geheult, unvorstellbar! … Meine Mutter hat immer gesagt: „Ach, Cora hat mal wieder Weltschmerz!“ Sie hat mir eine ‚Spalt’ [Schmerztablette] gegeben, und für sie war es erledigt. … Vielleicht habe ich den Schmerz um mich herum – von meinen Eltern und Schwestern und Oma – aufgenommen und ausgedrückt. … Meine Mutter ist eine Migräne-Patientin, immer gewesen. Es gibt kein Leben, wo Schmerz keine Rolle spielt – nicht nur körperlich, auch psychisch. Ich konnte nicht ausdrücken, dass es nicht meins ist, habe dann einfach geheult, um es auszubalancieren und wieder bei mir selbst anzukommen.

„Ich bin in einer falschen Familie“
Ich habe als Kind sehr viele Stimmen in meinem Kopf gehört, dass ich dachte: Welche Stimme ist eigentlich meine?! … Was ich nie einem mitgeteilt habe, immer mit mir selbst abgemacht habe und auch immer dachte: Ich bin in einer falschen Familie. … Ich war immer ganz lieb. Ich brauchte eine Lebensberechtigung. Wenn ich nicht lieb wäre, bräuchte ich auch nicht leben, habe ich raus gefunden. …


Der Wandel

„Ich habe irgendwann beschlossen das Leiden aufzugeben“…

…Ich habe mir das so ausgesucht. Es sind nicht mehr Leiden, es sind Erfahrungen, die ich gemacht habe. Mein Leben ist heute auch nicht rund, aber ich mache Erfahrungen, und morgen mache ich es wieder anders. … Aber insgesamt bin ich heute viel besser dran mit mir selber als noch vor zehn Jahren.

Krise und Schlüsselerlebnis

Mein Mann hatte eine ganz furchtbare Krise, hatte unerklärliche Gedächtnisverluste. Ich hatte dann eine Begegnung mit einer Physiotherapeutin. Die hat mir Reiki gegeben, die Hand aufgelegt und sonst nichts gemacht. Und ich habe geheult wie ein Schlosshund, konnte alles loslassen. Die hatte mir zwei Bücher empfohlen: ‚Mit Engeln beten’ und ‚Gesundheit für Körper, Geist, Seele’. Und hier las ich ein Kapitel und habe mich anders entschieden: Das ist es! Bis heute ist es ein langer Weg gewesen, aber der Schlüssel war in dem einen Kapitel: Alles, was in deinem Leben passiert, hast du dir selbst so ausgesucht! Wenn ich mir das selbst so aussuchte, und nicht das Opfer der Welt bin – wie ich es vorher immer spielte – dann kann ich ja auch alles anders machen, brauche nicht mehr drauf warten, bis die anderen was für mich machen. ICH kann was machen! Und das habe ich gemacht. Und bin immer noch dabei, … noch nicht am Ende. Heute sage ich: „Ich bin Ich. So wie ich bin, bin ich gut. So habe ich mich gedacht, sonst wäre ich nicht so. Du bist genauso gut, nicht besser, nicht schlechter. …. Du BIST!“ … Das Schlüsselerlebnis war der Schnitt mit meinem Mann. … [Ich entwickelte mich] von einem leidvollen Menschen hin zu einem Menschen, der die Verantwortung nur für sich selbst annimmt, nicht mal für meine Kinder. …

Diplomarbeit-Cora (pdf)

Weiter geht’s mit Iris.


Worum geht’s hier eigentlich?

Für neue Leser:
Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit.

Meine fünfte Gesprächspartnerin Iris

Heute stelle ich Ihnen kurz meine Gesprächspartnerin Iris vor, die ich so gefunden habe.

Das fünfte Gespräch führte ich mit Iris, einer sehr selbstbewussten, impulsiven und kontaktfreudigen Frau Ende vierzig. Mit ihrer 16-jährigen Tochter lebt sie in einem kleinen Dorf in Niedersachsen. Sie hat zwei Office-Berufe erlernt. Außerdem hat sie sich im Bereich Public Relations weitergebildet. Aktuell startet sie in ihre Selbständigkeit. Seit einiger Zeit arbeitet sie schon als psychologische Beraterin mit dem Schwerpunkt Bewerbungsberatung. Nebenbei verdient sie etwas Geld mit dem Schreiben von Werbetexten und Artikeln. Zum Swing*n kam Iris vor etwa einem Jahr über ihre neue Internetbekanntschaft – Cora. Wie diese geht sie inzwischen häufiger meist in den kleinen familiären Club, in dem sie zusammen intuitive Massagen anbieten. Da auch sie sich gerne über ihre Erfahrungen austauscht, war sie leicht für ein Gespräch zu gewinnen. Allerdings scheute sie den Weg in die fünfte Etage, da sie seit einem schweren Autounfall eine diffuse Restangst vor dem Fallen behalten hat. Das Gespräch fand also an einem sonnigen Nachmittag bei Iris zu Hause statt. Die Begrüßung war herzlich und ließ auf Unkompliziertheit schließen. Unsere Unterhaltung war dann auch sehr lebendig. Dabei war die Tochter zwar nicht sichtbar, jedoch in Hörweite im angrenzenden Raum. Trotzdem teilte Iris ihre Erfahrungen großzügig mit, denn sie hat vor ihr keine Geheimnisse.

Bei dem Gespräch fehlte die erste halbe Stunde, da der Rekorder nicht richtig mit der Stromquelle verbunden war, sodass dieser Teil aus dem Gedächtnis rekonstruiert werden musste.


Das verdichtete Gespräch mit Iris


Vorgeschichte

In Iris’ Vorgeschichte gibt es manches Schlüsselerlebnis beziehungsweise ein paar Episoden, die sie als wegweisend für ihre jetzige Haltung sieht.

Ein provozierender Fernsehabend

Vor etlichen Jahren verfolgt sie eine angeregte Gesprächsrunde im Fernsehen. Allerdings fühlt sie sich durch die libertäre Haltung eines Fotografen sehr provoziert, so provoziert sogar, dass sie beim Sender anruft, um mit ihm zu diskutieren. Daraus wird ein mehrstündiges Gespräch über Liebe, Sex, Besitzansprüche und Beziehung. Sie verabreden sich. Die Treffen wiederholen sich über einen Zeitraum, in dem Iris ihre neuen Einsichten über die diskutierten Themen wohl oder übel vertiefen muss, denn für eine „normale Beziehung“ ist dieser Mann nicht zu „haben“. Heute betrachtet sie diese Zeit dankbar als wichtigen Abschnitt, in dem sie viel gelernt hat.

„Das war eine schöne Liaison“

In einem späteren Lebensabschnitt landet Iris eines Tages auf verschlungenen Pfaden in einem einschlägigen Lokal, in dem sie einen Zuhälter kennen lernt.

  • Plötzlich dreht sich der Mann, der offensichtlich auch Zuhälter ist, zu mir um und nimmt mich in den Arm und küsst mich. … Ich gucke den an, … und er sagt zu mir: „Keine Angst, wir beide unterhalten uns mal!“ … Dann hatte ich zwei Jahre lang einen Frankfurter Zuhälter als Freund, der andere Frauen anschaffen ließ, dafür, dass ich dann mit dem Taxi von Billstedt auf den Kiez fahren konnte, um da bei ihm zu sitzen und ihn zu unterhalten. Und wenn er dann mal von seinen ganzen Schichten frei hatte, nahm er sich die Türschlüssel unter meiner Fußmatte weg und fühlte sich total wohl. Der genoss die konservative Umgebung. … Das war eine schöne Liaison.

„Ein Macho ist auch nur ein Mensch“

  • Von dem habe ich ein Stück Weiblichkeit erfahren. Ich steh’ auf Machos, mein Leben lang schon. … Ein Macho ist auch nur ein Mensch! … Ich habe gesehen, wo er Mensch ist, wo er bedürftig ist, wo er verletzlich ist, wo er aufmacht, zumacht, warum er das tut. … Ich brauchte mich nur reinzufühlen und plötzlich hatte das, was andere als bedrohlich empfinden, für mich was ganz Besonderes. Irgendwann ist er zurückgegangen nach Frankfurt. Das bedaure ich heute noch.


„Ich kann sie alle heilen, wenn ich mir ganz viel Mühe gebe“

Iris erzählt, wie sie Anfang dreißig den Mann, der später der Vater ihrer Tochter wird, kennen lernt. Er ist Mitte vierzig und hat bereits einen erwachsenen Sohn.

  • Irgendwann haben wir so eine Art Zweckgemeinschaft gebildet und haben uns zusammengetan. … Ich hatte den Eindruck, dass er sich öffnete, und dass er Gefühle investierte, was für ihn sehr schwierig war. … Jemand, der alle anderen infrage stellte, nur sich selbst gut fand, jemand, der zehn Jahre [nach einem Disput mit dem Sohn, der noch ein Kind war] nicht mit ihm sprach! Es war schon sehr deutlich, wie verletzt der war. Ich habe damals immer noch das Modell verfolgt: Ich kann sie alle heilen, wenn ich mir ganz viel Mühe gebe. …

„Und irgendwann war ich schwanger“…
…Als der werdende Vater jedoch eine Abtreibung will, packt sie ihre Sachen.

  • Ich will dieses Kind haben! … Für mich ist es ein Geschenk! Dann habe ich mich zu Hause eingerichtet, mich vorbereitet auf dieses Kind, mich gefreut. … Er hat sie 2-3 Mal gesehen. … Irgendwann hat er sich immer mehr zurückgezogen. … Er hatte mir immer sehr vorgeworfen, ihn überfallen und überfordert zu haben. … Als Sophie in mein Leben kam, da gab es den absoluten Bruch. … Ich war vorher erfolgreich und ehrgeizig und kopfgesteuert. Aber was Gefühle angeht – ich stellte sie infrage. … Sophies Dasein brachte ein Chaos in mein Leben, in dem ich nur sortieren konnte und ganz viele Schubladen von Anfang an weglassen musste. Das habe ich gemacht und bin auch meinem Weg zu mir gegangen. … Ich habe mich nicht EIN Mal verlaufen. … Ich bin einfach gegangen und wusste genau: Egal, wo ich hingehe – ich bin nicht alleine. …

„Aber du drehst am Rad, wenn du nur noch mit deinem Kind da sitzt“
Nach der Geburt ihrer Tochter bleibt sie fast zwei Jahre zu Hause, bevor sie wieder stundenweise arbeitet, denn ganz ohne Mann und Familie ist sie allein die Ernährerin.

  • Ich habe gearbeitet, meine Tochter versorgt, noch ein Abendstudium gemacht, sechs Semester. … Ich wollte wissen, ob mein Kopf dazu in der Lage ist. Aber du drehst am Rad, wenn du nur noch mit deinem Kind da sitzt. Da habe ich eine Psychologin kennen gelernt, … eine Alleinerziehende der ersten Stunde, … die über sechzig war. … Die hat mich vollkommen fasziniert. …

„Durch die Gespräche mit ihr habe ich mir erlaubt, mich zu öffnen“…

  • …wie ich es mir früher nie erlaubt hätte. Eigentlich hat sie mich begleitet, und ich habe es selbst gemacht. … Dann war das zu Ende. Ich habe aber was Neues gesucht. Das reichte mir noch nicht.

„Dann bin ich im Internet einem Mann begegnet“…

  • …Das passiert mir inzwischen sehr oft. … Der faszinierte mich, obwohl wir uns nicht gesehen hatten. … Wir haben gemailt und gechattet. … Der hat in einer Weise geflirtet und in einer Weise geschrieben … und Worte benutzt – absolut erotisch! Es hat Spaß gemacht, viel Freude. …

„Dann haben wir uns gesehen“…
Iris fährt in sein Seminarzentrum, um ihn zu besuchen.

  • …Das war aber eine platonische Begegnung. Du konntest sehen, wie er vor mir, dem Urweib, zurückzuckte und sich zu Tode erschrak. … Ich war im ersten Moment verletzt, wirklich bös’ auch auf ihn. Aber ich merkte dann, das war offensichtlich SEIN Thema. … Und das hat mich sehr geradeaus gehen lassen und ihm wohl auch gestattet, auch weiter mit mir umzugehen. …

„Das war ein absolutes Schlüsselerlebnis“
Nach diesem Treffen folgt Iris, vor ungefähr drei Jahren, seiner Einladung zu dem zehntägigen Gruppen-Seminar „Die Heldenreise“.

  • Zehn Tage Konfrontation mit mir! Das war ein absolutes Schlüsselerlebnis, das ich jedem Menschen, der auf der Suche nach sich selbst ist, empfehlen würde. … Es war genial, ein Faszinosum – … stimmig für meine Spiritualität und für das Bewusstsein, dass ich niemandem, außer mir, Rechenschaft schuldig bin, nur für einen einzigen Menschen die Verantwortung habe und machen kann, was ich will. Schwer zu beschreiben, aber es war für mich wichtig. … Ich wollte damals nach drei Tagen abhauen, nicht, weil es mir so schlecht ging, sondern weil ich dachte, ich störe durch meine Problematik die anderen viel zu sehr. … Ich habe die ganze Nacht mit mir gekämpft, … bin am nächsten Morgen in meine Gruppe, und ein junger Mann, … der nahm mich in den Arm und sagte: „Ich hab’ dich lieb!“ Da habe ich angefangen zu heulen. (lacht) … Das hat mich damals beglückt in einer Weise, die bei weitem höher und weiter, runder und fröhlicher machte, als alles, was davor war. Und ich wollte das auch annehmen.

Kurze Zeit später macht sie im Internet ihr Forum auf (in dem es um Spiritualität und Selbsterfahrung geht), über das sie im vergangenen Jahr ihre jetzige Freundin kennen lernt, die bereits viele Erfahrungen in Swing*rclubs gesammelt hat.


Der erste Clubbesuch

‚Wa(h)re Liebe’ – „Das war alles, was ich wusste über Swing*rclubs“

  • Ich habe viel freie Zeit gehabt … und dann ‚Wa(h)re Liebe’ geguckt. … ‚Wa(h)re Liebe’ hat ja ein großes Herz für alles, was mit Sex und Erotik zu tun hat und explizit auch für Swing*rclubs. … Ich hatte durchaus auch Lust, weil ich gesehen habe, wie die Menschen sich da teils auch sehr offen begegnet sind. Das war alles, was ich wusste über Swing*rclubs.

„Und dann kam Cora: >Ich zeig dir jetzt mal Einen!<“…

  • …Da bin ich dann also hin mit ihr, schon ein bisschen aufgeregt. Habe mir da dann den netten jungen Mann [beim Einlass] angeguckt, wie der in den kurzen Shorts, leicht behaart und gut duftend vor mir stand. Mir war da doch so ’n bisschen komisch. … Cora hat mich dann vorgestellt. … Dann hab’ ich mir das alles erst mal angesehen … Ich bin dann in die Bar, da saß ein verlorenes Männchen. Dann füllte sich der Raum aber relativ schnell mit mehr Männern. …

„Cora wurde immer lebhafter und ich immer ruhiger“…

  • …Da war aber nicht einer, wo ich gesagt hätte: „Hmm!“ – außer dem hinterm Tresen. Aber selbst den nur bedingt. … Ich dachte, du sitzt jetzt als einzige Frau hier unten, da in der Ecke ist noch eine, offensichtlich verliebt in den Kandidaten hinterm Tresen und auf mich eifersüchtig, weil er sich im Moment mehr auf mich fixiert.

„Was mache ich denn jetzt mit den ganzen anderen Kerlen?“…

  • …Dann habe ich gesehen, dass da Peitschen hingen. … Ich hab’ die genommen, lang gezogen, … mich gerade hingesetzt und gesagt: „Hat irgendjemand noch ’ne Frage?“ „Nö!“ Nach ’ner ganzen Weile kam dann: „Ja, ich schon!“ „Zu spät!“ (lacht) Der hatte Bock auf ’ne Domina. … Der dachte, er könnte mich auf diese Weise rankriegen. Aber ich hatte keinen Bock, ich wollte den nicht, überhaupt nicht! … Dann hat mich kein Mensch mehr angemacht.

„Dann bin ich ein zweites Mal allein hingefahren“…

  • …eine Woche später. Ich habe dort angerufen, ich wusste, dass der hinterm Tresen sonntags Dienst hat. Habe gesagt, ich möchte vorbeikommen. Und ich möchte mich absichern, will nicht von irgendwelchen Typen angequatscht werden. … Und er sagte: „Du kannst sowieso NEIN sagen, aber wenn es dir hilft, dann bist du eben bei mir!“ … Da waren ganz andere Leute, auch gut aussehende, aber ich hatte überhaupt keinen Impuls. …

„Wozu soll das gut sein?“

  • Und da war das Thema für mich auch erst mal durch. Das reizte mich überhaupt nicht. Weißt du, Cora machte da am ersten Tag mit drei vier Männern rum, und nicht einer war dabei, der irgendwie – ich weiß auch nicht. … Die hat wirklich einen attraktiven Mann zu Hause und kann auch andere kriegen. Ich hab’ mich gefragt: „Wozu soll das gut sein?“ … Ich habe mich später von dem etwas Dominanten hinterm Tresen ein bisschen streicheln lassen, weil ich wissen wollte, wie ich reagiere. … Das hat kein Mensch mitgekriegt, wir waren ganz alleine. Ich habe das genossen, aber ich habe es dabei belassen.


Cluberfahrungen

„Inzwischen ist es so“…

  • …Wenn da was schwingt, artikuliere ich unter Umständen ein Bedürfnis. Ich kann das aber an einer Hand abzählen, … wobei ich nur mit EINEM geschlafen habe – Nein, mit zwei, wenn ich Achim dazuzähle. Die anderen sind erotische, sexuelle, wundervolle Begegnungen, … pure Lust. … Das eine Mal war das ein Mann, den ich gern habe, der verheiratet ist, dessen Frau aber keine Libido mehr hat wegen Medikamenten. … Das zweite Mal war mit einem [Peter], der hat mich angefasst, hat genau gewusst, was ich mag.

„Das war reine Lust pur“…

  • …Von mittags bis irgendwann nachts. … Ich kenn’ mich so auch gar nicht. … Ich hatte den schon einmal abgelehnt, weil ich damals verliebt war, und ich bin keine, die sich dann aufmacht und mit Männern rummacht. Ich kann auch in einen Swing*rclub gehen, um Spaß zu haben. Ich muss nicht hingehen, um ’rumzupoppen.

„Ganz spielerisch und mühelos ausprobieren“

  • Er [Peter] hatte sich nun sehr gefreut, dass ich mich ihm zuwandte. Er hat sich sehr um mich gekümmert. … Ich habe es genossen, mich einfach fallen gelassen, mich berühren lassen. … Er konnte die Hände nicht von mir lassen, und ich wollte das auch gar nicht. … Ich habe gesagt: „Ich hab’ viel zu lange gewartet, ich bin noch lange nicht fertig!“ … Und er lacht und macht immer schön weiter, und wir haben unseren Spaß, nur Spaß! … Der hat einfach diese Sensibilität, hat sofort gespürt, was ich möchte, und hat es umgesetzt. Ich musste es nicht erklären. … Ich würde immer wieder mit dem zusammen sein. Es ist fantastisch, überhaupt nicht verpflichtend, wundervoll schwingend, sich gegenseitig beschenken, Lust leben, Freude haben. Das hat für mich mit Sex in der klassischen Weise überhaupt nichts zu tun. Und in diesem geschützten Raum, wo ich mich auch noch bewegen kann in bestimmten Bereichen, und die Orte wechseln kann, wenn ich es will. Das ist doch absolut genial! Da kann ich doch ganz spielerisch und mühelos ausprobieren, lustvoll und freudvoll und friedvoll und auch nicht friedvoll, je nachdem, was ich will.

„Der ganze Club als Spielplatz“

  • Der Andere, der mich genauso begeistert hat – mit dem habe ich wirklich GESPIELT. Wir haben den ganzen Club als Spielplatz genommen. Wir haben ihn massiert. Ich habe dann mit ihm im Bett gelegen, da war Cora noch dabei. Dann waren wir an der Bar, dann noch mal irgendwo rein, und irgendwann musste er los.

Massagetermine

  • Und dann massieren wir wieder jemanden, der ist wesentlich jünger, viel introvertierter, offenkundig aber auch tantrisch erfahren, kannte Kamasutra, war lange in Indien. Er genoss deutlich kommunikativ. … Wir verabschiedeten ihn und massierten den nächsten, der es ebenso genoss und es ebenso fröhlich kommunizierte. … Wieder unten in der Bar … guckt mich dieser Alex so an: „Du hast mich so klasse massiert, möchtest du auch mal?“ „Ja! – Lass uns in den Whirlpool gehen!“ Der Zweite kommt mit. Wir, zu dritt in den Whirlpool – einer massiert den einen, der andere den anderen Fuß. Ich wollte dann raus aus dem Wasser. Wir sind dann in den Raum. … Ich merkte, dass Alex vollkommen bei mir ist, der andere eher einen gestressten Eindruck machte. … Der ging dann auch. …

„Regenbogenorgasmen ohne Ende“

  • Und der andere [Alex], der hat, ich weiß nicht wie lange, nur meine Klitoris stimuliert. Ich habe Regenbogenorgasmen gehabt ohne Ende. Da liegt jemand neben dir, ist offensichtlich voller Lust, hat aber keinen Anspruch, null. Sagt nicht mal, sein Arm sei lahm oder so ’was, sondern ICH, ich hatte das Gefühl, ICH muss sagen, ich kann nicht mehr! … Dass ich das so gut annehmen kann, ist ein Novum. Das ist mir früher sauschwer gefallen. Ich dachte eher immer: Das steht mir nicht zu, ich muss eher für die anderen etwas tun. …

„Ein absolut sicherer Raum“

  • Der Swing*rclub an sich, wenn ich die zwischenmenschlichen Sachen da rausnehme, ist ein absolut sicherer Raum, in dem ich als Frau – meistens ohne finanziellen Einsatz – in einem sehr gepflegten Ambiente, mit unterschiedlichsten Spielmöglichkeiten, mit Wellness-Möglichkeiten, mit fantastischem Essen und Getränken, und wundervollen Gesprächen, Menschen begegne, mit denen ich, wenn ich das will, auch erotisch kommunizieren kann. … Ein Bereich, der mir erlaubt, mich auszuleben, mich auszuprobieren, all das zu tun, was ich mir wünsche und mir vorstelle, … ohne dass jemand auch nur den Ansatz machen würde, mich reglementieren zu wollen oder gar kritisieren zu wollen. Das einzige, das da passieren könnte, ist, dass jemand Nein sagt. Ist zwar noch nicht passiert, aber könnte ja. … Ich sage ja auch Nein. …

„Wenn ich das früher gewusst hätte“

  • Ich könnte auf viele Jahre verzichten, rückblickend, obwohl auch all das einen Sinn gehabt hat. Aber wenn ich das früher gewusst hätte, hätte ich nicht in einer Disco sitzen müssen oder in Bars oder sehnsuchtsvoll schmachtend zu Hause.

Trotz ihrer guten Erfahrungen würde sich Iris nicht als Swing*rin bezeichnen, denn dieses Etikett passt ihrer Ansicht nicht zu der Art, wie sie diese Möglichkeit nutzt.

  • Wenn mich jemand fragt, ob ich Swing*r bin, würde ich immer NEIN sagen.

„Für mich steht Liebe da drüber“

  • Es geht mir immer um Berührung. Für mich steht Liebe da drüber. Und Liebe umfasst für mich alles das, was mit Sinnlichkeit zu tun hat: Mit dem Wahrnehmen, dem Entdecken, dem Berühren von Lebewesen. Das kann auch mein Kater sein. …

Frauen

  • Eigentlich bin ich passiv-erotisch – wenn man Fantasien hat, sie aber nicht lebt. Inzwischen habe ich es gehabt, es kennen gelernt. Ich bin mit Sicherheit nicht bisexuell. … Ich fand es witzig, dass ich darauf reagiere, aber es hat mich nicht so fasziniert, dass ich tauschen möchte. …

Zuschauen

  • Ich finde es witzig manchmal, einfach nur, um die Schwingungen der anderen aufzunehmen. Es gibt welche, die hörst du nicht, die fühlst du nur. Du merkst die Lustkurven und kriegst es mit. Es ist auch reizvoll manchmal, zu sehen, dass jemand ästhetisch schön gebaut ist. …

Gangb*ng

  • Ich habe es mir angesehen, es hat auch einen gewissen Reiz, … aber es gibt Kopfkino und Realität. … Ich glaube, die können sich nicht mehr fühlen – nur über die Bestätigung von außen. Wenn ich mir die Frauen ansehe – … das hat für mich mit Liebe nichts mehr zu tun. Das ist ein Brauchen und gegenseitiges Benutzen. Wenn ich mir dann die Männer angucke, wie sie da erwartungsfroh stehen, und wenn sie dran sind, oft auch versagen, weil sie einfach auch geschockt sind über das KALTE. … Mir reicht es schon, zu sehen, wie eine Frau fixiert ist in so einem Gestell und offensichtlich Freude daran hat, dass ihr Herr es gestattet, dass andere sie berühren, … und dass sie von allen „begehbar“ ist, … oder „bespielbar“. … Aber wenn es die Leute antörnt und es ihnen Spaß macht, sollen sie es tun. …

Kopfkino vs. Realität

  • In meinem Kopf finden Sachen statt, die könnte ich nicht mal erzählen. Will ich auch gar nicht. Aber in meiner Realität würden sie keinen Raum haben. In dem Moment, wo sie stattfinden sollten, würde mir alles vergehen. Das sind verschiedene Ebenen. Was ich oben im kopf erschaffe, findet auf einer anderen Ebene dennoch statt. Aber auf einer, wo ich das beeinflussen kann. … In dem Moment, wo ein anderer eingreift, … gibt es plötzlich Wirklichkeiten, alles, was Dualität ausmacht. Da will ich es nicht haben! … Sobald irgendjemand beteiligt ist, gibt es einen Energie-Austausch, verändert sich die Schwingung, ist es nicht mehr das, was es gewesen ist. Ich glaube, … wenn ich es mit dir teile, kriegt es schon eine Veränderung, wenn ich es beschreibe, selbst wenn wir es gar nicht verändern wollen. Also lasse ich es da, wo es ist und erzähle nach Möglichkeit nichts davon. … Ich habe auch Lust, neue zu erschaffen, ganz verrückte Sachen, und bringe Menschen [in der Vorstellung] zusammen, die in ihrem Leben nie zueinander kommen würden. …


Männer

Der Umgang mit Männern angesichts der heranwachsenden Tochter
Iris hat sich gefragt, wie sie ihre Tochter angemessen mit wechselnden Partnern und ihrem Sexualleben konfrontieren kann, und was sie ihr zumuten kann.

  • Wenn ich heute mit einem Mann liiert bin, und hier taucht ein anderer auf, und meine Tochter fragt nach, dann kriegt sie eine wahrhaftige Antwort, warum das so ist. … Ich mache das erst seit drei Jahren, dass Männer auch in mein Haus kommen dürfen. Und dass ich sie damit konfrontiere, dass ich ihr zumute, zu akzeptieren, dass ich auch eine Frau bin, mit einer … Sexualität, die sie manchmal auch aushalten muss, zum Beispiel wenn ich [erotisch] telefoniere. Das ist ihr zumutbar. Und ich frage sie auch schon mal, ob sie bei einer Freundin schlafen kann. Oder ich bitte ihn, ins Hotel zu kommen, wenn ich weiß, dass er die Kohle hat. …

Davor…

  • …habe ich mich einfach zurückgezogen, weil das, was ich erlebte, nicht das war, was ich erleben wollte. … Es ist nicht so, dass es mir keinen Spaß gemacht hätte. … Ich habe mir einfach Raum genommen für andere Dinge, … mich gefragt, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, die sich schöner, besser, interessanter anfühlen. … Ich habe nicht gehadert mit irgendeinem Menschen oder mit mir, mit meinem Schicksal. Ich habe gemerkt, das gefällt mir nicht, also lasse ich es. … Ich habe mich um unser beider [Mutter und Tochter] Leben und Fortkommen gekümmert, … habe lange Zeit überhaupt keinen Mann gehabt, habe es aber nicht vermisst. Es hat mich gar nicht interessiert; was nicht heißt, ich habe keine Kontakte zu Männern gehabt. Aber Erotik und Sexualität, die habe ich gelöst über mich und meine Hände. Und das durchaus leidenschaftlich und auch sehr lustvoll. … Ich habe meine Körperlichkeit geliebt, und ich habe sie immer geliebt. …

„Da habe ich auch viel von Männern gelernt“

  • Was alles machbar ist – da habe ich auch viel von Männern gelernt. Wenn ich mir einen Freund angucke, mit dem ich noch Kontakt habe, was der für Ideen hatte, … sehr reizvoll, sehr lustvoll, sehr anregend, machte mir großen Spaß, … angefangen vom Massieren, über Düfte, Kleidungsstücke, über Spielzeug, die Kontrolle von Muskeln oder ganzer Teile der Vagina oder dem Brustorgasmus [es werden nur die Brustwarzen stimuliert] Ich dachte, die spinnen doch alle, bis ich ihn erlebt habe. Das ist so geil … wirklich unglaublich. …

„Ich möchte meine Freiheit und er soll seine behalten“

  • Ich habe lange Jahre gewollt, dass mich EIN Mensch glücklich macht, und ich möchte das auch immer noch. Es hat sich einfach nur die Prämisse verändert. Ich möchte meine Freiheit, und er soll seine behalten. Ich muss mit ihm nicht in EINEM Haus zusammen leben, und selbst wenn, möchte ich mein Schlafzimmer behalten. Ich will schnarchen können. Ich möchte mich zurückziehen können, meinen Raum haben, der meine Schwingungen hat, in dem ich mich wirklich frei fühlen kann. … Ich will ihn einladen, und er kann mich einladen. Ich möchte, dass der sich lebt, und wenn dazu gehört, dass er swingt, dann soll er das tun. Die Einschränkung wird sein, … immer nur mit Gummi. Ich muss mich nicht Risiken aussetzen, die ich vermeiden könnte. …

Männer eher für das EINE

  • Es gibt den Jörg da im Club, der mich auch privat angerufen hat eine Weile, der mich einfach gut berührt, fantastisch, aber ich würde nie mit dem irgendwas anderes machen wollen – außer da. Der Alex, der sich wirklich gut anfühlte, und auch ein liebevoller, reizender, junger Mann ist, der wäre mir auf der Straße vermutlich gar nicht aufgefallen. Der Peter … wäre mir auch nicht auf der Straße aufgefallen. Den hätte ich auch nicht gern als Partner an meiner Seite. Wenn der im Club ist, freue ich mich, dann mache ich wieder was mit dem. Ich habe noch keinen einzigen Mann dort getroffen, wo ich das [Bedürfnis nach mehr] hätte. Aber ich möchte das in keiner Weise ausschließen, ich halte das für möglich. …

Platonische Freundschaften

  • Ich habe viele platonische Freundschaften, wo ich den Menschen lieben kann, aber meine Sexualität nicht leben kann. … Meine Sexualität leben ohne Liebe ist nicht das, was ich will. … Wenn ich mich selber lieben will, mir selber vertrauen möchte, dann kann ich nur das Ganze tun. … Ich kann dann in den Spiegel gucken. …

Erotische Kontakte zu Männern außerhalb des Clubs
Iris hat außerhalb der Clubs aktuell nähere Kontakte zu Mark und Norbert und Achim, die nicht alle voneinander wissen.

  • Ich bin doch nicht verrückt und baue mir da Probleme rein! Nein! …

Zwei davon sind dominant.

  • Mein Interesse für BDSM ist ganz neu. Das war außerhalb meiner Vorstellung, dass mich das überhaupt reizen könnte. … Achim ist ein dominanter Mann, der lebte das aber schon ganz lange nicht mehr, weil seine Frau das überhaupt nicht mag. Seine erste Frau schon. Die ist eine Devote. Also da hat er sehr viel gelernt. Und wenn er merkt, dass mir das Spaß macht, spielen wir. … Dem verdanke ich, dass bestimmte Berührungen, bestimmte Punkte an meinem Körper, Lust vermitteln können. Das Ganze ist ein Sich-Entwickeln, ein ständiger Reiz. Ich habe einen Schalter – wenn ich das nicht will, schalte ich ihn ab, und wenn ich es will, schalte ich ihn wieder an. Ein Mann aus dem Genre, der BDSM richtig betreibt, hätte damit absolut Mühe, weil ich nicht in seine Schemata passe. Nein, der behauptet, er spielt nicht, dabei tut er das auch. Aber Spiel ist für ihn … negativ besetzt, was ich nicht begreife. …


Internet und Telefon

„Ein Portal zu Menschen“

  • Das Internet ist eine absolut legitime Toreinfahrt, ein Portal zu Menschen. ich habe viele kennen gelernt, die ich liebe und ehre und schätze. … Zum Beispiel Hermann, der mir am Telefon und im Internet geholfen hat, meine Weiblichkeit wahrzunehmen, zu heilen, mit meiner Mutter klar zu kommen, die schon längst tot war – … Schlüsselmomente, in denen ich selber für mich gut gesorgt habe, für ihn auch. Das war immer ein Wechselspiel. … Das Passende und Ausgleichende war immer da, immer spielerisch, immer mühelos. …

Cybersex

  • Es ist außerordentlich reizvoll, wenn mir jemand [am Telefon oder im Chat] erzählt, ich werde dich da und da fixieren, und dann dürfen dich die und die … Wenn das jemand in der Realität machen würde, würde ich sagen: „Du bist nicht ganz dicht!“ Aber im Kopf sind diese Bilder total reizvoll. … Aber ich möchte das nicht real erleben! Ist nicht meine Welt, muss ich nicht haben!

Tele(fon)pathie

  • Männer fallen reihenweise in Ohnmacht, wenn sie mit mir telefonieren oder chatten. … Dann mache ich die völlig fertig, in dem ich ihnen sage, was sie gerade denken, … weil ich es wahrnehme. … Ich spüre 1:1 das, was sie denken. Und das geht bis zum Orgasmus. … Es gibt Männer, die das noch nie erlebt haben. (lacht) …

„Ich fand das Internet am Anfang etwas komisch“…

  • …weil das neu für mich war. Dann habe ich aber gemerkt, dass es mit denen, wo es passte, reizvoll und lustvoll war. … Oft kurze Zeit später mündete es in Telefonkontakt. … Entweder ist es einfach irgendwann vorbei, weil es so sein soll, oder es sind Kontakte, die schon vier bis fünf Jahre andauern, nicht nur in diesem Segment, sondern die darüber hinaus gewachsen sind, Freundschaften sind. …

Angemacht werden

  • Wenn es mal so ist, dass jemand mich in einer derart platten Weise zu animieren versucht, … da sage ich auch NEIN, aber in einer Art und Weise, die ihn fast immer dazu bringt, zu sagen: „Hey, du antwortest ja wenigstens, und dann auch noch so nett!“ Und ich merke ja, wie gequält die alle schon sind; weil sie in ihrer sehr simplen Weise, die auch sehr naiv und unbeholfen ist, einfach gar nicht die erreichen, die sie wollen. Und wenn ich dann einfach nur drei vier nette Worte sag’: „Du, entschuldige mal, ich möchte nicht!“ – oder mir einfach Dinge einfallen lasse, … nur, um sie nicht zu kränken … und ihnen dabei noch das Gefühl gebe, ich habe sie wahrgenommen. …

Angenommen werden

  • Früher hatte ich Mühe, mich derer zu erwehren, die mich vereinnahmen wollten. Dann gab es eine Phase, da habe ich nicht gewollt, dass mich jemand sieht. Und wenn ich wahrgenommen wurde, hat es mich erschreckt. … Außer im Beruf, das hat immer funktioniert. Heute bin ich immer wieder erstaunt über die Freude und Offenheit und Fröhlichkeit, mit der sie mich [online] annehmen. … Wenn ich drei Tage in einem Chat nicht auftauche, und alle losschreien: „Wo warst du denn so lange? Was machst du? Ich habe noch eine Frage, kann ich dich nicht mal privat anrufen?“ … Dann merke ich, dass es ein absolut guter Weg ist. …

BDSM

  • Das ist ein ganz interessantes Spektrum von Menschen, das sich da [im Netz] tummelt. … Das ganze Genre interessiert mich. … Eine Frau rief mich vorhin an, die ist „Sub“*, also sehr masochistisch. Wenn die manchmal von ihren Geschichten erzählt, dann denke ich: Boah, was geht da ab? Aber ob ich mich da einlassen würde, weiß ich nicht.

„Ein Regenbogenspektrum“

  • Also dort [im Netz] gibt’s auch ganz andere Ebenen, was Erotik angeht, wo man einfach auch lernt und sich austauscht, fasziniert hinhört und sich auch mal einfühlt. … Das ganze Leben ist ein Regenbogen-Spektrum. Ich glaube, ich werde das [alles auszuprobieren] nie schaffen – aber vielleicht komme ich ja noch mal wieder. … Aber bestimmt nicht als Kerl. Ich finde Männer haben’s gerade ganz schön schwer. (lacht) … Und ich bin froh, dass ich mein eigenes [Geschlecht] inzwischen ganz gut beherrsche. …

Erfahrungen mit der eigenen Website
Iris und ihre Freundin betreiben unter anderem eine gemeinsame Website, auf der sie ihre Massagen anbieten. Da es bei Männern oft zu Missverständnissen bezüglich des Angebots kommt, haben sie die Texte überarbeitet.

  • Es steht da jetzt auch drin, dass es wenig Sinn macht, wenn jemand glaubt, dass er von uns eine sexuelle Dienstleistung bekommt. Es fasziniert mich – wenn ich mich und Cora angucke [auf den Fotos] – die Männer können andere Frauen kriegen! Ich verstehe nicht, wo die hingucken, was die sich vorstellen. … Sie wollen ganz oft einen Dreier, egal, was man schreibt. … Die sehen nur, was sie sehen wollen. Im neuen Text ist ganz klar und präzise, was es wirklich ist. … Und dennoch gibt es Männer, die setzen sich darüber hinweg! Ich kann ausrasten oder mich fragen, wie groß muss die Bedürftigkeit sein?! Ich nehme es denen nicht übel, ich finde es eher komisch, weil es wirklich manchmal schon eigentümlich ist, was die sich zurechtschustern und immer noch ihre Wünsche artikulieren können. …

Mutter und Tochter – Online

  • Die meisten wissen auch, dass ich ein Kind zu Hause habe und fragen erst mal nach, ob ich das bin. Aber manche gehen einfach davon aus, dass ich das bin. … Meine Tochter hat dann die Order, mich zu informieren. Es gab eine Situation – den Kerl habe ich zur Sau gemacht – der Kerl hat sie angemacht, in einer Weise, die ihr nicht gefallen hat. Sonst sind da nur freundliche Leute, die mir sagen, was für eine tolle Tochter ich habe, und wie liebevoll ich mit ihr umgehe, wie reizend und gut erzogen sie ist. …

Wandel

Von der „Twiggi“ zum „Urweib“

  • Es gibt ein Schlüsselerlebnis, als ich aufhörte, zu rauchen, vor vier Jahren. Da habe ich das Problem gehabt, dass ich gute fünfzehn Kilo zugelegt hatte. Und die sitzen überall, durchgängig. … Und aus Frau Twiggi mit 75 B wurde das Urweib mit 90 D. Damit hatte ich anfänglich ein Problem, das war mir zu üppig. Das wollte ich nicht. Seitdem ich angefangen habe, es [den Wunsch, schlanker zu werden] wieder loszulassen, geht auch die Figur wieder, ohne, dass ich mich anstrengen muss, ohne dass ich kämpfe. Vorher … mochte ich weder die Dellen im Oberschenkel noch diesen Atombusen. Inzwischen gehe ich ganz anders damit um. Ich habe über dreißig Jahre geraucht, war diese schöne, schlanke Blondine, eher gazellenhaft. …

„Wer bin ich eigentlich?“

  • Wenn ich mir die vier fünf Jahre angucke, wo sich das ganze Bewusstsein in dem Kontext: Wer bin ich denn eigentlich, was bin ich, was macht mich aus? – gewandelt hat, kann ich annehmen, dass ich wirklich Weib bin und das auch gern bin und es auch auslebe, … meine Bedürfnisse auslebe.

„Ich bin der Boss“

  • Unter Bedürfnisse meine ich nicht nur Sex. Chinesisch essen zu gehen, mache ich mit der gleichen Lust, wie einen Mann mit dem Mund zu verwöhnen. Da ist für mich kein Unterschied mehr. Wenn ich nicht mehr katalogisieren will, wenn ich weg will aus dieser Begrenztheit des gesellschaftlichen Seins, dann habe ich eine Freiheit und einen Raum, der mich manchmal erschreckt, weil ich gar nicht weiß, wann der zu Ende ist. … Raum und Abenteuer ohne Ende, … ein einziger, interessanter, abenteuerlicher, reizvoller, beglückender und freudvoller Seins-Aspekt. Und die Einzige, die darüber befindet, ob ich das will oder nicht, ob ich das mache oder nicht, das bin ich. Ich bin der Boss! Und wenn ich das mal spielerisch anders haben will, mich zum Beispiel mal dominieren lassen will, dann, weil ich da Lust zu habe. …

Biografisches
Iris wird als erste Tochter unehelich geboren und nach der Eheschließung von ihrem leiblichen Vater adoptiert. Nach ihr kommen noch drei Brüder zur Welt. Beide Elternteile sind cholerisch. Die oft überforderte Mutter schlägt schon mal mit der Peitsche zu. Der Vater ignoriert sie eher und verschont sie mit Schlägen. Im Alter von dreizehn Jahren versucht der Vater, sie im Schlaf zu penetrieren.

  • „Ich hatte nie das Gefühl, dass mir wirklich schlimm was passiert ist“
    Das ist für mich alles verarbeitet. Ich habe es auch mit meinem Vater, als er schon tot war, geklärt. … Ich hatte nie das Gefühl, dass mir wirklich schlimm was passiert ist. Ich war einfach nur beleidigt und verletzt und irritiert darüber, dass dieser Mann … sich erdreistete, mich genau da nun haben zu wollen. … Ich bin nur in einem bestimmten Moment wach geworden. … Irgendwo war da eine Grenze. Und diese Grenze, die schmerzhaft war, die hat mich da wohl auch rausgeholt [aus dem Schlaf].

„Der hat alles angemacht, was Frau war“

  • In der Folge – was ich nicht verstanden habe – hat er sich nackt präsentiert, wenn andere nicht da waren oder hat durch andere Sachen versucht, deutlich zu machen, dass ich ihn wahrnehmen müsste. Ich habe erst im Nachhinein verstanden, als mein Vater verstarb und meine Großmutter sagte: „Der hat alles angemacht, was Frau war“ – mich und meine Tanten. Ich wusste das nicht. Das war eine Nach-Information. …

„Ich habe es meiner Mutter erzählt und kriegte eine geknallt“…

  • …Ich habe es eigentlich meinem Bruder erzählt, und ich kriegte DAFÜR eine geknallt. … Sie hat dann hinterfragt, und mir, aufgrund der Informationen, die ich ihr geben konnte, geglaubt. … Das hat sie massiv geschockt, was verständlich war. Sie hat sich dennoch nicht getrennt von ihm. Aber sie hat für die Therapie gesorgt und für das häufige Außer-Haus-Übernachten. Sie hat mir aber nicht geglaubt, was ich ihr erzählte über seine Präsentation. … Ich dachte, das ist ein Witz. … Er hat es dann irgendwann wieder gemacht. … Ich bin nach oben gegangen zu unserer Nachbarin, wo ich meine Mutter wusste. … Sie sollte mal mit runter kommen. …

„Dann ist sie ins Wohnzimmer und hat ihn da sitzen sehen“…

  • …Die hat es kapiert, eigentümlicherweise. Da war ich total erstaunt über das, was in meiner Mutter war. Sie hat sich dann etwas später scheiden lassen. … Aber da war das Schlimmste eh schon alles gelaufen.

„Sie hat mir da das Gefühl gegeben: Du bist da und du bist mir wichtig!“…

  • …Sie sagte nie, ich liebe dich, aber ich sah das zumindest in diesem Moment. Sie tat es für mich und ein Stück auch für sich, was ich damals nicht gesehen hatte. Ich habe nur gesehen, sie schützt mich … in meiner Identität, in meinem Sein. … Ich weiß, dass mir das fast mehr gegeben hat als das ganze Gelaber mit der Psychologin.

„Er hat sie alle gequält“…

  • …meine Mutter, mich, meine Brüder auch. Ich erinnere eine Situation – ich bekam [von der Mutter] einen Anschiss, weil ich zu gutgläubig sei. … Irgendjemand erzählt mir was, ich glaubte das und erzählte das zu Hause, … ich war absolut sicher. … Und ich habe gestritten, weil ich mir das nicht nehmen lassen wollte, auch heute nicht. Er [der Vater] hat mich vorher nie geschlagen, sich auch nie in dieser Weise in die Erziehung überhaupt eingebracht. Er hat mich missachtet. Ich war für ihn nicht vorhanden. … Er hat mir da SO eine geknallt, dass ich durch die Glastür im Wohnzimmer geflogen bin. Hat er bestimmt nicht gewollt. … Ich bin durch die nicht mehr vorhandene Scheibe wieder zurück ins Wohnzimmer und habe mich vor ihm aufgebaut … und habe mit den Fäusten auf ihn eingetrommelt. …

„Ich mache mein Ding allein!“

  • Ich weiß nicht, wo das hergekommen ist. Ich weiß aber, dass ich in dem Moment meine ganze Familie verteidigt habe. Er stand vor mir, knallrot im Gesicht, und … hat sich umgedreht und ist weggegangen. Und kurz darauf sind meiner Mutter die Augen aufgegangen und ihr Prozess ist in Gang gekommen. An dem Tag habe ich beschlossen: Ihr seid alle viel zu blöd für mich! Ich mache mein Ding allein! Das Ding ist sehr tief in mir drinnen. Das war, nachdem er sich versuchsweise an mir vergangen hat.

Schwieriges Erinnern

  • Mein Bruder und ich, wir haben beide das Problem, dass fast dreizehn Jahre unserer Kindheit weg sind. Er erinnert genauso wenig wie ich. Ich habe durch die ‚Arbeit mit dem inneren Kind’ damals mir alles wieder geholt, was sehr schmerzhaft gewesen ist. … Diese Geschichte [die körperliche Auseinandersetzung mit dem Vater] weiß ich, die muss mir keiner erzählen, diese Erinnerung kann ich mir selber wieder holen. Manches andere wurde mir erzählt, oder es kommt durch das Re-Erinnern. …

Diplomarbeit-Iris (pdf)

Weiter geht’s mit Regina.


Worum geht’s hier eigentlich?

Für neue Leser:
Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit.