Erfahrungswelt Swingerclub – Einzelaspekte / heute: Sehen und gesehen werden

Hier wird der Frage nachgegangen, ob Frauen wegen eventueller Zeigelust oder / und Sehlust Clubbesuche bevorzugen.

Tine macht es manchmal an, wenn sie spürt, dass andere ihr zusehen. Genauso gern schaut sie auch anderen zu. Das erregt sie nicht direkt. Es stimuliert sie aber, wenn da beispielsweise „jemand am Schreien ist“. Es gehört ihrer Ansicht nach auch dazu, „dass man sich da den Anreiz holt“. Abschließbare Zimmer benutzt sie nur bestimmten Männern zuliebe und betrachtet sie als deren Schutz. Sie hat den Eindruck, dass manche Männer dem Gesehen-Werden vorbeugen wollen.

Anna erzählt, dass sie immer mal wieder versucht, in sehr offenen Räumen neue Erfahrungen zu machen. Wenn sie erregt ist, verändert das noch mal die Situation und macht mehr möglich. Sie braucht aber meist erst einmal Zeit und Raum, um vertraut zu werden und zu sehen, wie sie sich im Kontakt mit einem Mann fühlt. Wenn zu schnell eine dritte Person hinzukommt, kann es sein, dass sie sich „beglotzt“ fühlt. Sie verlässt dann den offenen Raum meist wieder. Zu der Möglichkeit, bei anderen zuzusehen spricht sie sich nicht ausdrücklich aus, erwähnt aber, dass ihr Sex mit mehreren schon Spaß macht. Es erregt sie auch, als sie einmal einer Frau zusieht, wie sie einen Mann oral befriedigt.


Lilly sucht so gut wie nie die Abgeschiedenheit, erwähnt allerdings nicht explizit, ob und wie wichtig ihr das ‚Sehen und gesehen werden’ ist. Einmal entdeckt sie jedoch sich selbst im Spiegel und ist „völlig fertig“, wie schön sie wird, wenn sie richtig erregt ist. Seither geht sie nach Möglichkeit immer in den Raum mit den Spiegeln. Dort hat sie quasi Sex mit sich selbst. Da öffnet sie dann die Augen nur um sich zu sehen. Vor dieser Entdeckung hatte sie wegen ihres Bauches eher Hemmungen, doch jetzt nicht mehr. Sich im Spiegel zu sehen, wie sie mit einem Gesichtsausdruck „raubtierhafter Geilheit“ immer schöner und schöner wird, fasziniert sie. Sie mag es inzwischen auch deshalb, weil sie so sehen kann, wer hinter ihr ist. Das dient allerdings nur Kontrollzwecken.

Cora hat mit Zusehen lassen kein Problem, wenn die Männer damit kein Problem haben. Sie ist – egal, ob jemand zuguckt oder nicht – konzentriert bei denen, mit denen sie gerade in Kontakt ist, oder sie ist ganz und gar bei sich. Wenn sie allerdings weiß, dass jemand beispielsweise „unheimlich auf Brüste steht“, dann bezieht sie das mit ein und heizt denjenigen an, bis er auch mitmacht.

Iris äußert sich nur zum Aspekt ‚Zusehen’. Sie findet das manchmal „witzig“ und tut es um die Schwingungen und „Lustkurven“ der anderen aufzunehmen. Außerdem hat es für sie einen gewissen Reiz, zu sehen, dass jemand ästhetisch schön gebaut ist.

Der Gedanke, irgendwo zuzusehen, wenn andere Leute Sex haben, schreckt Regina nicht, denn durch ihre Erfahrungen in Tantragruppen ist ihr das nicht fremd. Sie kann sich durchaus vorstellen, dass sie es sogar sehr attraktiv finden würde, wenn ihr andere beim erotischen Spiel zuschauen, allerdings nur „mit Niveau und Wertschätzung!“ Einmal ist sie mit ihrer Freundin in einer frivolen Insider-Kneipe, in der, ihrem Gefühl nach, die Hälfte der Gäste „Spanner“ sind, die sich „selber nicht trauen“. Sie würde sich solchen Menschen ungern als Objekt zur Verfügung stellen, weil sie „so eine gewisse Geringschätzung spürt“. Selber möchte sie gerne andere dabei studieren, wie sie sich beim Sex verhalten – ob sie sich zeigen können, authentisch ihre Lust leben oder spielen. Wenn ja, ob diese Maskerade lustvoll oder schmerzhaft ist, und so weiter. Sie ist einfach neugierig und möchte ein „kleines Defizit von früher“ ausfüllen, sich aber nicht, an deren Sexualität „aufgeilen“.

Sandy ist nur ganz selten im Stopp-Zimmer, denn sie möchte gerne, dass die anderen bei ihr zusehen. Selber zusehen findet sie auch sehr anregend. Das dauert jedoch nie lange, weil sie selbst sofort aktiv teilnimmt.

Für Natalia ist es „irgendwie ein tolles Gefühl“, „beguckt“ zu werden und begehrt zu sein – auch von Leuten, die nur mal so vorbeischauen. Sie trägt immer „schöne hübsche Dinge“ und kommt damit auch gut an. Alle fänden das immer „ganz süß“. Aber das Zuschauen sucht sie nicht. Es erotisiert sie überhaupt nicht. Natalia fühlt sich sogar sehr „abgetörnt“. Als es zum Beispiel an einem Themen-Abend mit Sexspielzeug schon im Barraum zu sexuellen Handlungen kommt, verlässt sie sehr bald den Club. Wenn andere ihr zuschauen, stört sie das nicht, solange sie dabei nicht angefasst wird.

ERGEBNISSE

Sandy scheint auf den ersten Blick eine etwas stärkere Neigung zum Sich-Zeigen zu haben. Andererseits ist die Tatsache, dass sie sich nie lange zurückhalten kann, wenn sie anderen zusieht vielleicht ein Indiz dafür, wie sehr ihr auch das gefällt.

Bei Cora kann es vorkommen, dass sie sich gieriger Blicke sehr bewusst ist und dann mit diesem Element spielt. Sonst ist ihr das eine wie das andere recht.

Natalia, Tine, Cora und Anna stört es nicht, wenn andere zusehen, vielmehr fühlen sie sich dadurch mehr oder weniger bestätigt.

Voyeuristische und exhibitionistische Nuancen sind dabei bei Tine und wahrscheinlich bei Anna ziemlich ausgeglichen. Es gehört irgendwie dazu, ist ästhetisch oder stimuliert.

Iris hat sich nur zu einer leichten Neigung geäußert, anderen gerne zuzuschauen.

Natalia kann dagegen am Zusehen überhaupt nichts finden. Es „törnt“ sie sogar ab.

Eine Besonderheit zeigt sich bei Lilly. Sie hat den Blick in den Spiegel entdeckt und ist seither vielleicht etwas unabhängiger von dem bestätigenden Blick eines Anderen.

Weiter geht’s mit dem Thema ‚Grenzen Schutz und Kontrolle‘

Für neue Leser:
Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit. Genauer gesagt, lasen Sie einen Teil dieses Kapitels.

3 Kommentare zu „Erfahrungswelt Swingerclub – Einzelaspekte / heute: Sehen und gesehen werden

  1. Das ist schon seltsam Ich habe das mal als Kind erlebt, wie in einem Park plötzlich ein Mann aus dem Gebüsch kommt und uns, meiner Freundin und mir, sein Glied zeigte. Wir bekamen ja einen fürchterlichen Schreck. Später hörte ich dann auch, dass diese „Flitzer“ in der Regel ungefährlich sind. Noch nie hörte ich von einer „Flitzerin“.
    Hier im Swingerclub scheint diese Neigung vor allem aber bei Frauen ausgeprägt zu sein, während die Männer eher verschämt sind. Vielleicht hat das mit der Konkurrenz der Männer untereinander zu tun. Grins, die Länge und die Stehfestigkeit…
    Die Männer sollen ja angeblich auch die „Augenmenschen“ sein, während früher die Frauen immer darauf bestanden, „dabei“ das Licht auszumachen. Nun, grins, hake ich das mal ab, als die Befreiung der Frau und wünsche eine schönen Sonntag,

    Montag wieder in alter Frische, der Tageskommentator, der sich in den Katakomben zwar nicht fürchtet, so allein, aber vielleicht hinterlässt mal jemand anders wenigstens eine Höhlenzeichnung 😉

    Mukono

    Liken

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