Erfahrungswelt Swingerclub – Einzelaspekte / heute: Vom Sexspiel zu dritt bis zum Gangbang

Hier geht es um die Frage, ob die Frauen, wenn sie Gelegenheit dazu haben, Sex mit mehreren Männern anstreben.

Tine hat Sex „gern etwas öfter und mehr und länger“, denn bei ihrem Ehemann „ist es immer relativ schnell erledigt, die ganze Sache“. Sex mit zwei Männern ergibt sch gelegentlich und sie findet das sehr schön. Manchmal ergibt sich im Laufe eines Abends auch noch Sex mit weiteren Männern. Sie berichtet aber nichts über regelmäßige Erlebnisse mit wesentlich mehr Männern, erwähnt nur kurz, dass sie auf Wunsch ihres Nachbarn ganz am Anfang ihres Swingerlebens in einem ziemlich heruntergekommenen Club mit mehreren Männern nacheinander Verkehr hat. Sie hat „eigentlich immer alles getan, was er gesagt hat“, weil da „schon ziemlich viel Abhängigkeit von dem Mann“ ist. Ihr Nachbar will damals gerne eine „gebrauchte Frau“ haben. Sie erfüllt ihm diesen Wunsch, findet es selbst aber nicht schön. Ganz gern hat sie dagegen Sex mit einem Paar. Im Club kommt das seltener zustande. Die Dreierkonstellation mit der Frau des Nachbarn ist allerdings eine eingefädelte Sache und entspringt keiner erotischen Anziehung.


Anna erlebt unterschiedliche Harmonien zu Dritt. Sie findet, dass die Idee eines Swingerclubs ist, dass man mal schaut, ob sich vielleicht „mal was zu Dritt“ entwickelt. Sie mag Sex gern mit zwei Männern, findet allerdings, dass es schwierig wird, wenn die Männer sich nicht kennen und miteinander in Konkurrenz sind. Aber manchmal entwickelt sich etwas Positives mit dem einen Mann, ein zweiter kommt hinzu, und dann „fließt es einfach und fühlt sich gut an“. Bei anderen merkt sie wiederum: „Nein, so geht es nicht!“ Es macht sie auch an, „mit drei Männern hintereinander“ Sex zu haben. Alle fühlen sich ganz unterschiedlich an, und das macht sie „ganz heiß“.

Lilly hat nur ausnahmsweise Sex mit nur einem Mann. Im Club begibt sie sich gern in einen einladenden Raum, der für alle Gäste offen ist. Der erste Mann, den sie erhört, ist meistens ein Mann, der sie ausgiebig oral verwöhnt, streichelt oder massiert. Sie nennt das „Warm-Up“. Andere kommen dazu. Da sind auch Männer dabei, die sie ganz gern mag, die aber in sexueller Hinsicht „na ja, befriedigend, Note 3 minus“ sind. Oft sind diese „schnell fertig“, als Einstig aber akzeptabel. Man kennt sich und hat so seine Verabredungen. Das geht alles sehr entspannt zu, ähnlich wie bei einer Tanzveranstaltung.

Sie entwickelt sehr schnell die Haltung „Ich-lasse-mich-fallen-und-genieße-einfach-nur“, und erlaubt sich das auch. Ihr ist dann nicht mehr wichtig, von wem welche Hand wo ist. Für sie ist es einfach „ein Gesamtgenuss“. Sie legt es darauf an, „stundenlang mit mehreren Männern“ Sex zu haben „und das kann ja biologisch auch nur ein sehr junger Mann“. Wenn man ältere Männer nehme, müsse man dann auch mehrere haben, meint sie lachend. Ihr Problem ist eher, dass sie nie richtig „fertig“ wird.


Coras erstes Erlebnis mit zwei Männern ist so schön, dass sie davon mehr will. Inzwischen hat sie regelmäßig Sex mit mehreren Männern, auch nacheinander. Mehrere Sexpartner gleichzeitig empfindet sie immer wieder als diffizile Angelegenheit, denn es gibt Männer, die ein Problem damit haben, wenn andere Männer dabei sind. Sie seien dann so empfindlich, „bei denen passiert überhaupt nichts mehr“. Wenn sie das mitbekommt, versucht sie die Situation so zu steuern, dass wieder Entspannung einkehrt. Cora vermittelt im Gespräch den Eindruck, dass sie meist mitten im „Gewühl“ ist, bezeichnet solche Erlebnisse allerdings nicht explizit als Gangb*ng.

Iris hat selbst so gut wie keine Erfahrung mit mehreren Männern. Sie hat sich Sex mit mehreren aber zumindest angesehen und findet, dass es einen gewissen Reiz hat. Für sie gibt es jedoch „Kopfkino und Realität“, zwei ganz verschiedene Ebenen. Ihre Fantasien will sie nicht unbedingt in der Realität ausleben, befürchtet sogar, dass ihr dabei „alles vergehen“ würde. Sie glaubt, dass sich Menschen, die Gangb*ngs anstreben, nur über die Bestätigung von außen erleben. Das habe für sie nichts mehr mit Liebe zu tun, sei eher ein „gegenseitiges Benutzen“. Einmal ergibt sich eine Art Vorspiel im Whirlpool, als zwei Männer ihr die Füße massieren. Als daraus mehr werden soll, verlässt der zweite Mann etwas gestresst den Raum.


Regina hat Vorstellungen von Sexspielen zu Dritt – mit Mann oder Frau, am liebsten mit ihrem Partner und einem weiteren Mann oder mit zwei anderen Männern, die ihr gefallen. Frauen findet sie auch attraktiv, und ist daran interessiert, auch Erfahrungen auf diesem Gebiet zu sammeln. Sie vermutet, dass es einfacher wäre, Erlebnisse mit einer Frau in ihre Beziehung zu integrieren und befürchtet Rivalität zwischen den Männern. Ein weiteres Motiv ist, dass sie ein unangenehmes Erlebnis von früher noch einmal „anschauen“ möchte. Ihr damaliger Partner holt ihre beste Freundin mit ins Bett. Regina kann sich nicht wirklich wehren, weil sie noch nicht selbstbewusst genug ist. So eine Situation möchte sie sich gern noch mal aus der heutigen Perspektive anschauen, wobei sie glaubt, dass dafür ein Swingerclub nicht der richtige Rahmen ist.

Sandy hat schon vor ihrem Swingerleben die Fantasie entwickelt, mit mehr als einem Mann Sex zu haben und ist bereits bei ihrem ersten Besuch von mehreren Männern umlagert. Inzwischen sind mehrere Männer gleichzeitig oder hintereinander ihre Vorliebe und die Clubbetreiber wissen, dass sie an einem Abend mit ihr mehr Männer als üblich einlassen können.

Gangb*ng ist in den Clubs, in denen sie verkehrt, regelmäßig als Motto ausgeschrieben. Sie nimmt aber auch an privaten teil, wenn sie den Organisator gut kennt. Seit drei Jahren hat sie einen Bekannten – auch über eine Erotik-Hotline – mit dem sie viel über Sex redet, aber keinen sexuellen Kontakt pflegt. Dieser ist ab und zu Gastgeber privater Gangb*ngs, ohne selbst daran teilzunehmen. Der letzte an dem Sandy teilnimmt hat das Motto „Kegelabend“. Sie ist stolz auf ihren bisherigen Rekord von 15 Männern. Danach ist sie körperlich einfach „fertig“. Ihr gefällt dabei, dass sie den Männern sagen kann, was sie „machen dürfen und müssen“. Schön ist für sie außerdem, als „Objekt begehrt zu werden“, und sich „von einem Mann nach dem anderen nehmen zu lassen“.

„Einen Dreier kann man bei jedem Swingerabend haben“,
sagt sie, „aber Gangb*ng kann nicht jeder.“ Es gäbe daher eingespielte Gangb*ng-Gruppen, die recht standhaft seien. Manchen gefiele es auch, „einer Frau den Rest zu geben“.

Natalias Erfahrung mit zwei Männern gleichzeitig ist „total schön“. Sie genießt es vor allem deshalb, weil „man da keinerlei Erwartung an dich hat, irgendetwas für einen der beiden zu tun“, außer sich einfach verwöhnen zu lassen.

Mehr als zwei Männer gleichzeitig hat sie sich noch nicht zugetraut, obwohl sie es ganz gern mal ausprobieren möchte, denn Fantasien in diese Richtung hat sie schon lange. Ob ihr die Umsetzung dann auch wirklich gefallen würde, bezweifelt sie allerdings etwas. Sie hat zwar gehört, dass Sex mit mehreren Männern eine ganz andere Qualität haben soll, befürchtet inzwischen jedoch, dass Quantität das sexuelle Erleben mehr „zu einer Sache“ machen würde. Ihr ist nach wie vor ganz wichtig, dass „eine kleine süße Verliebtheit für den Moment mit körperlichem Prickeln und ein nettes Gespräch“ Ausgangspunkte für einen intimen Kontakt sind. Im Club sieht sie einige Mal fast angewidert, wie so manche Solodame die Männer „reihenweise abräumt“. Weil sie „Wärme statt Mechanik“ bevorzugt, sieht sie ein eigenes konkretes Engagement in dieser Richtung eher kritisch. Trotzdem ist der Wunsch nicht ganz weg. Angebote hat sie genügend. Aber da ist auch noch ihr Schamgefühl.


ERGEBNISSE

Tine mag es, wenn Sex sich zu dritt sowohl mit einem Mann als auch mit einer Frau ergibt. Wichtig ist ihr dabei Zärtlichkeit. Sie macht ihrem Nachbarn zuliebe eine einmalige schlechte Erfahrung mit einem Gangb*ng.

Bei Anna muss alles stimmen. Da sie sehr wählerisch und sensibel ist, ist das Zustandekommen einer Dreierkonstellation nicht immer reibungslos. Sie hat aber ganz gerne mehr als einen Mann, wenn nicht gleichzeitig, so doch im Laufe eines Abends.

Lilly sucht die Fülle. Sie scheint ein Paradebeispiel für SHERFEYs weiter oben beschriebene Theorie der Unersättlichkeit zu sein (1974).

Cora berichtet keine besonderen Vorlieben und kann sich über mehr oder weniger Männer freuen. Sie ist aber regelmäßig mit mehr als einem Mann beschäftigt.

Iris hat nur ausgesuchte, exklusive Begegnungen im Club und trennt ganz bewusst die Ebenen Fantasie und Realität. Ihr Urteil über Gangb*ng-Teilnehmer ist weniger schmeichelhaft. Auch Cora löst bei ihr mit ihrem Männerkonsum regelmäßiges Befremden aus.

Sandy nimmt recht häufig an ausgeschriebenen Privat- und Club-Gangb*ngs teil. Sie lebt ihre Fantasien aus und genießt es, abwechselnd die Männer zu dirigieren und sich dominieren zu lassen. Sie ist stolz auf ihren Rekord, und ich habe den Eindruck gewonnen, dass dabei die körperliche Stimulierung etwas hinter der erregenden Szene zurücksteht. Ob sie wie beim „SHERFEY-Syndrom“ postuliert, angesichts eines Höchstmaßes an sexueller Sättigung sexuell ungesättigt bleibt, wurde leider nicht gefragt, aber auch nicht berichtet.

Natalia hat wie Tine und Anna gerne das Verwöhnerlebnis durch zwei Männer gleichzeitig. Hinsichtlich der Umsetzung ihrer Fantasie, mit mehr als zwei Männern Sex zu haben, ist sie noch sehr ambivalent. Ihr kritisches Urteil über Frauen, die sehr viele Sexkontakte am Abend haben, trifft sie quasi selbst.

Mit Ausnahme von Iris haben alle Frauen Erfahrungen mit mindestens zwei Sexualpartnern gleichzeitig und berichten von sehr positiven Erlebnissen.

Es geht weiter mit dem Thema ‚Erregung und Orgasmus‘

Für neue Leser:
Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit. Genauer gesagt, lasen Sie einen Teil dieses Kapitels.

16 Kommentare zu „Erfahrungswelt Swingerclub – Einzelaspekte / heute: Vom Sexspiel zu dritt bis zum Gangbang

  1. Ich finde es sehr gut, Eugene, dass Du dieses Dein Thema wieder aufgreifst 🙂

    Obwohl ich Deine Arbeit bereits ganz gelesen habe, ist es doch wieder ein Erlebnis, diese Einzelelemente in ihrer durch den Blog isolierten Herausstellung noch einmal intensiver aufnehmen zu können.

    Und es wäre eine eigentlich nicht entschuldbare Verschwendung, diese herausragende Arbeit der größeren Öffentlichkeit vorzuenthalten – zu viel kann daraus gelernt werden.

    Danke Dir, Eugene 🙂

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    1. Danke Dir – für das Kompliment! You made my day!

      LG von Eugene

      btw: Das mit „Deinem Thema“ könnte man missverstehen. Um solchen Missverständnissen vorzubeugen: Es war mein Diplomarbeitsthema, ist aber nicht MEIN Thema! Denn ich bin ja keine Swingerin.

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  2. Während ich hier von von Abschnitt zu Abschnitt eine immer größere Abneigung gegen diesen „Kleinbürgermief“ der Swingerclubs entwickelte, bin ich jetzt etwas versöhnt. So weit ich das überschaut habe, erlebten alle Frauen zumindest Sex mit zwei Männern, einige sogar ein Gangbang, grins, das ist eine Wölfin mit einem ganzen Rudel Wölfe.
    Wenn das die animalische Lust der Frauen ist, bitte sehr, die Männer stehen dann in der Reihe an… Ob sie danach alle ein Bier trinken gehen, die Männer unter sich?
    Auf jeden Fall ist die Angelegenheit ja eigentlich nur in einem Swingerclub denkbar und – es ist okay, wenn es Spaß macht, oder.
    Eine Frage, die hier nur am Rand wie selbstverständlich behandelt wird, der Sex findet an angeblich immer nur mit Kondomen statt. Ich sah aber mal einen Bericht, da erzählte ein Swinger, „ja, ja, das erzählen sie immer, in Wirklichkeit benutzt kaum jemand ein Kondom.“
    Als junger Mann war ich beim Zirkus und meine Freund, ein anderer Elektriker war ein gebürtiger Tscheche. Einmal gab es bei den Stallleuten einen Gangbang, natürlich viel atmosphärischer, im Stroh bei den Pferden. Es waren, glaube ich, zwölf Stallarbeiter und dieses eine Mädchen. In der nächsten Stadt wussten sie es, alle zwölf hatten einen Tripper (Gonorrhoe). Mein Freund ging mit diesen Zwölfen dann von Stadt zu Stadt immer zum ortsansässigen Doktor. Da standen sie wieder wie beim Gangbang und holte sich die Spritze ab. Grins, aus irgend einem Zufall war ich nicht dabei. Nee, nee, im Ernst, es wäre nicht mein Ding und war es auch nie.

    Morgen geht’s weiter

    Liebe Grüße

    Der Tageskommentator 😉

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    1. Lieber Tageskommentator Die Männer, die an einem Gangbang teilnehmen, würden mich als Interviewpartner echt interessieren. Anscheinend gibt es da bei einigen Clubbesuchern ganz unterschiedliche Bedürfnisse mit zwei Extrempolen: Einen eher häufiger vorkommenden Typ Mann, der sich durch Mitspieler leicht gestört fühlt und einen Typ Mann, der Männeransammlungen geradezu sucht. Robin Baker (Krieg der Spermien – Mini-Exkurs im Kapitel Unersättlichkeit* und im Kapitel Swingen unter: Gibt es das „SHERFEY-Syndrom“?**) hat für dieses Phänomen vielleicht eine Erklärung.

      Zu den Kondomen: In sog. guten Clubs seien sie sogar für (Ehe-)Paare Pflicht. Es soll aber auch ganz heruntergekommene miese Clubs geben, in denen jede Etikette fehlt.

      Haben Sie eigentlich ergründen können, was Ihre Kollegen damals daran so reizvoll fanden?

      Beim Gedanken an so ein Gangbang-Szenario muss übrigens ich ein zumindest leichtes Schütteln unterdrücken. 🙂

      Herzlichen Dank und liebe Grüße

      Eugene

      *
      Primatenforschung
      Die These einer universellen und physisch bedingten Unfähigkeit der Frau, selbst bei intensiven und wiederholten orgastischen Erlebnissen gänzliche sexuelle Befriedigung, beziehungsweise Sättigung zu erlangen, erhärtete SHERFEY durch Beobachtungen aus der Primatenforschung. Primaten stellen für sie enge Verwandte des Menschen ohne kulturelle Restriktionen dar. (S.181) Weibliche Schimpansen täten fast alles, um in der Woche höchster Brunst möglichst viele Paarungen zu erreichen. Manchmal seien sie am Ende dieser Perioden völlig erschöpft und mit Wunden bedeckt, die ihnen verausgabte, abweisende Männchen zugefügt haben. „Ich möchte meinen, dass, hielte die Zivilisation sie nicht zurück, ein nicht unähnliches Verhalten von der Frau zu erwarten wäre.“ (S.182) Das Verhalten der Primatenweibchen macht insofern Sinn, dass sie nach dieser Paarungszeit ziemlich sicher Nachwuchs bekommen. Wie uns Evolutionsbiologe ROBIN BAKER in seinem Buch ‚Krieg der Spermien’ (1999) wissen lässt, hat sich dabei außerdem intravaginal das überlegene Sperma durchgesetzt.

      Krieg der Spermien
      BAKER suchte nicht bei den Primaten, sondern beim Menschen nach Hinweisen und ist davon überzeugt, dass auch das Menschenweib eine ähnliche Sexualstrategie verfolgt. Umfragen zufolge sei eines von zehn britischen Kindern nicht von dem Mann gezeugt, der glaubt, der leibliche Vater zu sein. Im Südosten Englands fanden Ärzte sogar 30% solcher „Kuckuckskinder“. In einer US-amerikanischen Studie entdeckten Forscher, dass eines von 70 weißen und eines von 10 schwarzen Kindern mit dem Vater nicht genetisch verwandt war. (BAKER, 1999, S.192) Solche Daten sind allerdings von sozialen Schichten, Ländern und Untersuchungsmethoden abhängig und bisher noch nicht unabhängig überprüft worden. Aber auch seriöse Fachblätter wie die ‚Zeitschrift für das gesamte Familien-Recht’ operieren mit Schätzungen, nach denen „etwa 10 Prozent der Kinder in Deutschland sogenannte Kuckuckskinder“ sind. (zit. n. BÖLSCHE, 2004, Spiegel-online)

      BAKER schließt daraus, dass das menschliche Sexualverhalten auf einen „Krieg der Spermien“ im Körper der Frauen optimiert sei. Denn wenn diese mit mehreren Männern Sex haben, so fand er heraus, dann haben sie diesen fast immer innerhalb der Lebensdauer der männlichen Spermien, sodass diese mittels Killer- und Blockiererspermien gegeneinander konkurrieren können. (S.236)

      Eine der wichtigsten Waffen bei dieser Strategie zur Auswahl fremder Gene, erklärt BAKER, sei der Verlust der Brunst. SHERFEY nannte das den „stillen Eisprung“. (S.11) Indem die Frauen den Zeitpunkt des Eisprungs verstecken können, erschwerten sie den Männern, sie in ihrer fruchtbarsten Phase zu bewachen. So hätten sie mehr Freiheit, meint er, sich durch einen Seitensprung Gene zu „besorgen“ und die „Ressourcen verschiedener Männer zu nutzen, indem sie die Vaterschaft verschleiern.“ (BAKER, 1999, zit. n. BREDOW, Spiegel 5/1999)

      **
      Gibt es das „SHERFEY-Syndrom“?
      Ausgehend von den Erkenntnissen SHERFEYs, die weiter oben referiert wurden, fragt BRECHER Ende der 60er die Forscher BARTELL und SMITH, ob Frauen, wenn sie von Hemmungen befreit sind, mit Vergnügen einen Mann nach dem anderen, und einen Orgasmus nach dem anderen haben, bis sämtliche Männer oder sie selbst erschöpft sind. Er nennt das „SHERFEY-Syndrom“. Das wird, sagt SMITH, tatsächlich gelegentlich beobachtet, vor allem gegen Ende mancher Party, bildet aber eher eine Ausnahme. (BRECHER, 1971, S.265) Auch BARTELL weiß, dass dies gelegentlich beobachtet wird, findet in seinen Interviews aber nur zwei Hinweise darauf. (BARTELL, 1973, S. 253) GOULD würde den Begriff heute erweitern, indem er die Männer miteinbezieht, die es sehr erregend finden, wenn ihre Partnerinnen Sex mit anderen Männern haben und von überwältigenden Orgasmen berichten. (GOULD, 1999, S.162) BAKER konnte inzwischen nachweisen, dass sich dabei auch die Spermaqualität und –menge erhöht. GOULD würde demnach das SHERFEY-Syndrom mit dem „Sperma-Wettbewerb-Syndrom“ ergänzen. (S.174) Heute würde er wissen, dass es einen tieferen, unbewussten Beweggrund hinter Ritualen wie den früheren Fruchtbarkeitsfeiern und dem heutigen Swing*n gäbe. Sie kombinieren zwei biologische Befehle, die paradoxerweise das Geschlechtsleben der Menschen für Äonen geregelt haben: den Antrieb zur Suche nach einem langfristigen Partner für die gemeinsame Aufzucht der Kinder und den genauso starken Antrieb für genetische und sexuelle Vielfalt. (S.167)

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    2. »…der Sex findet an angeblich immer nur mit Kondomen statt. Ich sah aber mal einen Bericht, da erzählte ein Swinger, „ja, ja, das erzählen sie immer, in Wirklichkeit benutzt kaum jemand ein Kondom.“«

      »Zu den Kondomen: In sog. guten Clubs seien sie sogar für (Ehe-)Paare Pflicht. Es soll aber auch ganz heruntergekommene miese Clubs geben, in denen jede Etikette fehlt.«

      Das halte ich für ein Märchen – wieder einmal eine dieser urban legends, welche sich im unwissenden Umfeld von Swingerclubs ranken.

      Fakt ist: Kein Club zwingt irgend jemanden dazu, Kondome zu verwenden. Lediglich bei Fremdkontakten wird dazu angehalten durch entsprechende Hinweise auf SC-Homepages. Der Usus ist: Bei Geschlechtsverkehr mit fremden Männern wird eigentlich ausschließlich ein Kondom benutzt – Ausnahmen sind extrem seltene Einzelfälle unter tausenden von Kontakten. Kondome liegen daher in jedem SC zur freien Verfügung aus. Felatio mit fremden Männern wird meiner Einschätzung nach von einer leichten Mehrheit ohne Kondom praktiziert, fast nie jedoch kommt es dann zu einer Ejakulation im Mund – Ausnahmen sind eher ‚Unfälle‘. Cunnilingus wird zu hundert Prozent ohne Schutz (Folie) praktiziert und ist zugleich die Standardpraxis Nr 1 in SCs.
      Bei Paaren untereinander wird das normale (Nicht-)-Schutz-Verhalten von zuhause auch im Club prakitziert. Ich kenne da keine einzige Ausnahme und habe auch nie von einer gehört.

      Gangbangs in SCs sind i.d.R. Sonderveranstaltungen, sie kommen nur äußerst selten im normalen Tagesbetrieb spontan vor. Dabei ist Kondom obligatorisch. Es existieren zwar Gangbangveranstaltungen ohne Kondom, diese haben von der Veranstalterseite her allerdings mit Swingerclubs nichts zu tun sondern stellen eine eigene Subkultur dar und stellen i.d.R. hohe Ansprüche an vorhergehende SD-Tests.
      Bei Gangbangs in SCs gibt es die ‚Bukake‘ als sehr seltene Ausnahme von dieser Regel: Die Männer ziehen (auf ausdrücklichen Wunsch der Frau!) kurz bevor sie durch den GV kommen das Kondom ab und ‚besamen‘ die Frau durch ejakulieren auf deren Körper, ihr Gesicht und ihre Haare. Oder es kommt bei einer Bukake erst gar nicht zu einem vohergehenden GV sondern die Männer ‚erledigen‘ das per gemeinsamer Maturbation [bzw. unter Mithilfe oraler + manueller Stimulation durch die Frau] um die Frau herum gruppiert.

      Zu ‚Krieg der Spermien‘:

      »Die Forschung weiß seit einigen Jahren, dass die Evolution den Mann auch körperlich gegen die Zeugungsunsicherheit durch Gen-Shopping gerüstet hat. Wissenschaftler haben eine Arbeitsteilung bei männlichen Spermien entdeckt. Während ein Teil versucht, schnellstmöglich die Eizelle zu befruchten, blockieren andere den Zugang zum Eileiter. Über Rezeptoren ist es diesen möglich, fremde Spermien zu erkennen und die Eindringlinge anzugreifen. Drei Tage kann dieser „Krieg“ dauern, und das stärkste Spermium gewinnt – ganz im Sinne der Evolution.«

      [vgl. Robin R. Baker, 1995, „Der menschliche Samen-Wettkampf – Kopulation, Masturbation und Untreue (The Human Sperm Competition – Copulation, Masturbation and Infidelity)]

      Wozu, wenn nicht eine ausgesprochene evolutionär-biologische Neigung vieler Frauen zur Promiskuität innerhalb kürzester Zeitspannen (Minuten, Stunden, wenige Tage) zu managen wäre? 😉

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    3. Du hast natürlich Recht! KondomPFLICHT für Paare ist sicher übertrieben, aber es gibt doch Clubs, die ihre Gäste dazu explizit auffordern. Wahrscheinlich wird allein schon aus hygienischen Gründen gerne gesehen, wenn Sperma etwas leichter zu entsorgen ist, oder?
      Aber zu den heruntergekommen Clubs: Davon haben mir drei meiner Gesprächspartnerinnen unaufgefordert berichtet. Es spricht für dich, wenn du solche Etablissements nicht kennst. 🙂

      Danke für deinen Beitrag, promisc. Wir fühlten uns schon ein bisschen einsam hier unten in den Katakomben.

      LG Eugene

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    4. »aber es gibt doch Clubs, die ihre Gäste dazu explizit auffordern.«

      Ich denke nicht, dass es solche Clubs gibt. Hast Du konkrete Namen in diesem Zusammenhang erfahren?

      »Wahrscheinlich wird allein schon aus hygienischen Gründen gerne gesehen, wenn Sperma etwas leichter zu entsorgen ist, oder?«

      In jedem auch nur etwas besseren SC werden die Besucher in die Pflicht genommen, in großzügiger Menge bereitgestellte große Handtücher aus diesem Grund unterzulegen. Und Einwegtücherrollen liegen an jeder Spielwiese bereit. Wozu dann noch ein Kondom?

      ‚heruntergekomme Clubs‘ sind btw i.d.R. Synonyme für Bordelle mit professionellem weiblichen Personal, welche sich lediglich als SC tarnen. Ich befürchte, die drei Damen haben sich in diesen Fällen ‚verirrt‘ 😉 Oftmals sind das zwar ehemalige SCs, aber sie verdienen diesen Namen schon lange nicht mehr, weil der originäre Swinger dort vielleicht ein einziges Mal erwartungsvoll reinschaut – dann aber sofort wieder geht und nie wieder einkehrt. Ich denke, da gibt es glasklare Abgrenzungen, was als SC gilt und was nicht (mehr).

      Ooch, hier in Deinen Katakomben fühl ich mich recht wohl, Eugene *lach* Besuch doch meine auch mal wieder? 😉

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    5. 🙂 da gibt es ja die niedliche Geschichte von dem jungen Mann, der auch bei unpassenden Gelegenheiten eine Erektion bekam. Ich glaube, die ist von Tucholsky. Jedenfalls riet dem jungen Mann ein anderer, sich gedanklich abzulenken und eine Recheaufgabe zu lösen. Das ging eine Weile gut. Dann aber entstand eine für Psycholgen sonderbare Reaktion, immer wenn der junge Mann rechnete, bekam er eine Erektion…

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