Erfahrungswelt Swingerclub – Einzelaspekte / heute: Erregung und Orgasmus

Hier geht es um die Frage, ob im Club Höhepunkte erlebt werden, wie wichtig, wie einfach oder schwierig sie sind, und welche Qualität sie gegebenenfalls haben. Die Frauen erzählen allerdings unterschiedlich ausführlich, manche nur am Rande darüber.

Früher hat Tine nie einen Orgasmus. Und heute hat sie mit Männern „nicht all zu viele“. Sie versucht zwar immer einen zu erreichen, wünscht sich aber, dass es ganz einfach mal passiert. Trotzdem ist das nicht ihr primäres Ziel. Ein Clubbesuch ohne Orgasmus ist „auch in Ordnung“. Ihr Nachbar redet ihr ein, dass er immer mitzählt und immer genau weiß, wenn sie zum Höhepunkt kommt. Er erklärt ihr, dass es auch ganz stille, mehr ziehende Höhepunkte gäbe, die nicht unbedingt vom Genitalbereich ausgingen. Sie ist versucht, ihm zu glauben, bleibt aber skeptisch. Regelmäßige und sehr schnelle Höhepunkte erreicht sie durch tägliche Masturbation. Die Momente im sexuellen Kontakt, bei denen es lediglich zu einem „Ziehen von unten nach oben“ kommt, fühlen sich trotzdem „wunderbar“ an. Wenn es aber „ganz heftig“ ist, kommen ihr die Tränen. Sie erlebt Momente, nach denen sie hinterher „so richtig fertig und leer“ ist, obwohl „nichts Großartiges“ passiert ist. Es zieht, zittert, vibriert und eine innerliche Wärme ist da, aber nicht so, dass Entspannung eintritt. Trotzdem fühlt sie sich „rundum wohl“. Mit ihrem Ehemann erlebt sie das nie. Sie glaubt, weil er schon nach „zehn bis fünfzehn Minuten fertig ist.“ Sie selbst liegt anfänglich immer wie ein „Brett im Bett“, worüber er sich wiederum beklagt. Es verändert sich nichts Grundlegendes. Sie verspürt aber mittlerweile auch bei ihrem Mann „ein Ziehen im Unterleib“ und vermutet, dass das durch ihre tägliche Masturbation gewissermaßen ein Übungseffekt ist. „Ein bisschen was geben“ tut ihr der Sex mit dem Ehemann schon, doch nur wenn andere Männer ihre Brustwarzen berühren, dann ziehe ihr das „sonst wo hin“. Dass es im Club mit dem Orgasmus nicht so einfach und schnell geht, sei vermutlich durch die Fremdheit der Männer bedingt und durch ihr Bewusstsein, etwas Verbotenes zu tun. Wenn sie dazu noch denkt, dass „die“ sich „so viel Mühe“ geben und es jetzt unbedingt zum Gipfelerlebnis kommen müsste, passiert erst recht nichts mehr.

Anna kommt im Club kaum zum Höhepunkt. Orgasmen sind auch nicht ihr Ziel. Sie versucht sie eher zu vermeiden, weil sie das Verfolgen eines Höhepunktes mehr unter Stress setzt, als dass es ihr hilft. Sie hat mit Männern grundsätzlich eher selten einen Orgasmus. Sie registriert vielmehr, dass sich etwas gut anfühlt und kann das auch genießen, vor allem wenn ihre Vagina beim Sex weich und weit wird und dadurch „Kontakt und Animalität ausdrückt“. Orgasmen hat sie überwiegend alleine. Zusammen mit einem Mann setzt das eine gewisse Vertrautheit voraus, die in Clubs eher nicht gegeben ist. Einen schönen Orgasmus könne sie sich auch selber verschaffen. Wonach sie als Singlefrau mehr sucht ist Körperkontakt und Küssen. Einen Körper riechen und küssen können ist für sie ein wichtiges Auswahlkriterium. Anna ist allerdings verblüfft, dass sie dort auch mit Männern Verkehr haben kann, die sie nicht küssen würde. Sex sei dann aber „nicht SO gut“.

Lilly kennt das Phänomen multipler Orgasmen aus eigener Erfahrung. Sie ist im Club relativ schnell erregt und sehr weggetreten, weswegen sie auch einen Beschützer braucht. Trotz ausgiebiger manchmal stundenlanger Stimulierung und fortschreitender Erregung wird sie dennoch oft nicht „richtig fertig“, muss aber gelegentlich aufhören oder zumindest eine Pause einlegen, weil sie einfach durstig ist oder sich frisch machen möchte. Je mehr Sex sie hat, und je besser der Sex ist, umso erregter wird sie. „Fertig-Sein“ ist dann trotzdem nicht die maximale Erfüllung, sondern eher Erschöpfung. Wenn sie bessere Muskeln hätte, würde sie wohl nie fertig werden, glaubt sie.

Ein Orgasmus, sagt Cora, „ist so eine Sache“. Manchmal will sie einen, manchmal nicht. Sie sei „sehr empathisch“ und könne alleine durch das Zuschauen gerade bei mehreren Teilnehmern einen Orgasmus „übernehmen“. Manchmal reicht es ihr auch, wenn sie einen „geteilten“ Orgasmus erlebt. Der sei manchmal sogar schöner. Die „Krönung“ für Cora sind jene Begegnungen, bei denen sich Männer auf dieses Gefühl wirklich einlassen, gleichzeitig wahrnehmen, wo sie steht und dann mit ihr „zusammen auch ankommen“. Das ist sehr abhängig von den Umständen, der Tagesform, von ihr selbst und von ihrem Gegenüber.

Iris hat bisher wenige, aber immer sehr lustvolle Begegnungen. Einmal erlebt sie „Regenbogenorgasmen ohne Ende“, so dass sie zu ihrem ausdauernden Liebhaben sagen muss: „Ich kann nicht mehr!“ Sie ist überrascht, dass sie das so gut annehmen kann, ohne das alte Gefühl, etwas zurückgeben zu müssen.

(Eine ähnliche Erfahrung macht Regina anfänglich mit dem Callboy. Sie findet es entspannend, dass durch die klare Geschäftsbeziehung ein Leistungsdruck auf ihrer Seite ausbleibt.)

Sandy geht immer „mit Orgasmus nach Hause“. Meist erlebt sie mehrere im Laufe eines Abends, denn gerade ihre regelmäßigen Liebhaber sind sehr versiert und wissen genau, was sie gern mag. Da sie „wirklich gute Orgasmen präsentieren“ könne, sei es für die Männer ebenfalls sehr befriedigend. Die Klitoris stimuliert sie dabei oft selbst, denn „ohne das ist ein Höhepunkt schwierig“. Sandy ist beim Orgasmus immer sehr laut und ejakuliert gelegentlich. Das passiert ihr das erste Mal bei einer Frau, wobei sie denkt, sie sei inkontinent. Wenn Sandy mal nicht gleich einen Höhepunkt hat, lässt sie sich schon mal von einem erregten Mann mitreißen und spielt ihm zuliebe einen Orgasmus. Sie ist eine Frau, die ihren Sexpartnern genau sagt, „was sie braucht“, denn sie muss „schon ein bisschen mehr haben“, damit es auch klappt. Männer seien ihr dafür sogar dankbar. Früher sagt sie nie etwas zu ihren Partnern. Da ist sie noch zu schüchtern.

Sex und Orgasmen sind für Natalia „das beste Mittel“, um „fit zu sein“, genauso wie Lachen und Geselligkeit. Bei Ben kommt Natalia immer zum Höhepunkt; schon bei der ersten Massage. Inzwischen erreicht sie auch bei anderen Männern Orgasmen, denn die Männer im Club geben sich „SEHR viel Mühe“. Da sei die Frau an erster Stelle. Die „End-Befriedigung“ forciert sie aber, indem sie mithilft. Ihrer Erfahrung nach gibt es keine Frauen, bei denen es in der Missionarsstellung so einfach klappt. In ihrem Leben spielt sie nur ein einziges Mal einen Orgasmus vor, damit „endlich Schluss“ ist. Das lehnt sie normalerweise aus Prinzip ab.

ERGEBNISSE

Für Tine ist ein Orgasmus nicht das primäre Ziel. Sie strebt zwar danach, vor allem danach, dass es einfach passiert. Sie kann aber auch mit dem zufrieden sein, was sie tatsächlich erlebt. Das ist ganz unterschiedlich und reicht von einem leichten Ziehen bis hin zu Tränen und Erschöpfung. Jedenfalls ist es mehr, als sie zusammen mit ihrem Mann erlebt.

Anna hat nicht als Ziel, Orgasmen zu erleben und vermeidet sie eher. Sie genießt das Animalische des Aktes an sich. Ohne die Beteiligung eines Mannes erreicht sie ihren Orgasmus einfacher.

Lilly scheint, wie oben schon erwähnt, MARY JANE SHERFEYs Theorie (1974) zu bestätigen. Sie bleibt angesichts eines Höchstmaßes an sexueller Sättigung sexuell ungesättigt. Das Ende der sexuellen Betätigung wird durch ihre Muskelkraft bestimmt.

Cora spricht vor allem von empathischen, übernommenen und geteilten Orgasmen. Ein realer Orgasmus ist ihr nicht immer wichtig. Manchmal erlebt sie gemeinsame Höhepunkte.

Auch Iris berichtet von einem „SHERFEY-Orgasmus“. Das Eindrucksvollste bei diesem Erleben ist für sie vor allem, dass sie die einseitige Stimulierung so gut annehmen kann.

Sandy erlebt zwar keine multiplen Orgasmen, aber in der Regel mehrere an einem Abend. Das unterstützt sie selbst durch Klitorisstimulation. Gelegentlich stimmt sie mit ein, wenn der Mann einen mitreißenden Höhepunkt erlebt, ohne selbst so weit zu sein. Vielleicht ist das Coras „geteilten“ oder „empathischen“ Orgasmen ähnlich.

Natalia kommt regelmäßig zum Höhepunkt. Ihre Liebhaber geben sich viel Mühe, und sie weiß, wie sie das unterstützen kann.

Weiter geht’s mit dem Thema ‚Sex und Liebe‘.

Für neue Leser:
Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit. Genauer gesagt, lasen Sie einen Teil dieses Kapitels.

3 Kommentare zu „Erfahrungswelt Swingerclub – Einzelaspekte / heute: Erregung und Orgasmus

  1. Nun hier ist alles dabei. Erstaunlich auch die Frauen, welche einen Orgasmus eher vermeiden wollen. Aber die Erklärung ist plausible. Viele Männer gehen ja auch in Puffs, ohne zum Orgasmus zu kommen, sie holen sich nur den Appetit. Und die Theorie von der Unersättlichkeit stimmt auch nur in einigen Fällen. Was völlig fehlt, ist anscheinend der gespielte Orgasmus, uns seit „Harry und Sally“ allen bekannt, in den Ehebetten gang und gebe.
    Für einen Mann ist der multiple Orgasmus einer Frau übrigens auch etwas sehr beglückendes, man muss nur etwas auf dem Surfbrett jonglieren wie beim Wellenreiten auf der Krone, kann in aller Ruhe machen und zuschauen oder sich was ausdenken, was weiß ich, eine Rechenaufgabe oder einen Geschichte oder so was, grins…
    Dabei macht man aber auch die Entdeckung, dass diese angebliche Unersättlichkeit rein von der Muskelkraft gar nicht möglich ist, irgendwann ermattet die Frau und schläft. Dann kann der Mann leise aufstehen und seine Rechenaufgabe lösen oder seine Geschichte schreiben.

    Bis morgen, täglich grüßt der Kommentator

    😉 Mukono

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