Erfahrungswelt Swingerclub – Einzelaspekte / heute: Mitwisser

Hier geht es um einen kleinen eher bescheidenen Eindruck vom sozialen Umfeld und die Eingebundenheit darin und um den Umgang mit Erfahrungen, die üblicherweise vor Mitmenschen eher verborgen werden.

Tines Ehemann hat immer noch keine Ahnung, denn sie chattet und telefoniert nur im Büro. Ihre Bekanntschaften im Chat und am Telefon wissen von ihrem Swingerleben, denn das ist häufiger Gesprächsthema. Die Arbeitskollegin weiß inzwischen auch einiges über ihr Doppelleben. Tine weiht sie ein, weil sie denkt, dass die eher ängstliche und etwas prüde Frau von Berichten aus dem Swingerleben profitieren könnte. Darüber hinaus teilt sie ihr Geheimnis zwangsläufig mit dem Nachbarehepaar. Eine ‚beste Freundin’ scheint Tine zu fehlen.

Anna sagt: „Das geht niemand was an“. Sie erzählt es aber schon mal in ihrem Bekanntenkreis. Ein paar Freundinnen wissen inzwischen Bescheid. Eine spielt zögerlich selbst mit dem Gedanken, denn sie findet das prinzipiell gut und bewundert Anna dafür. Eine andere fragt auch mal nach. Aber viele wollen nicht so recht etwas davon wissen. Für die meisten ist „das“ ohne Liebe gar nicht möglich. Anna konnte bisher also auch niemanden dazu inspirieren, es einmal selbst auszuprobieren. Bei den Tantra-Treffen entwickeln sich eher Gespräche in diese Richtung. Da erzählt sie es auch eher mal einem Mann. Außerhalb diese Kreises jedoch nicht. Im Club hat sie bisher noch nie jemanden getroffen, den sie aus ihrem Alltag kennt. Es wäre ihr äußerst unangenehm, dass jemand denken könnte: „Die hat es wohl nötig!“ Das Allerschlimmste wäre aber, dort einen ihrer Auszubildenden anzutreffen.

Lilly hat von Anfang an ihre Begleiterinnen als konspirative Mitwisserinnen. Zu Beginn spricht sie darüber hinaus mit niemandem über Ihre Clubbesuche. Später lässt sie es ganz dezent in manche Gespräche mit Freundinnen einfließen. Sie hat auch sehr „moralische Freundinnen“, die so etwas nicht gut finden würden. Mittlerweile wissen es aber alle.

Wenn es sich ergibt, sagt Cora etwas, wenn nicht, dann nicht. Sie erzählt beispielsweise ihren Eltern nicht von sich aus, dass sie in einen Swingerclub geht. Aber wenn sie nachfragen würden, was für ein Club das ist, würde sie es durchaus beschreiben. Eine ihrer Schwestern findet bereits ihre Internetseite anstößig. Die andere Schwester sagt: „Ich müsste eigentlich mal mitkommen“. Cora versteckt sich nicht und steht dazu, muss es aber „auch nicht an die große Glocke hängen“. Ihre Kinder erfahren entwicklungsangepasst zunehmend detaillierter von ihrem Swingerleben und wissen inzwischen, „was da passiert“. Sie erzählt es lieber selber, als dass es ihnen irgendwie unkontrolliert zugetragen wird. Es ist Cora ganz wichtig, dass sie darüber auch vermittelt, dass man tun soll, was man selbst für richtig hält, und dass sie keine Geheimnisse vor ihnen hat und sie nicht ausgeschlossen sind. Sie sollen auch erfahren, dass Sex etwas Positives ist.

Iris macht aus ihrer Neuentdeckung kein Geheimnis. Jedem, der etwas darüber erfahren möchte, gibt sie bereitwillig Auskunft. Auch ihre Tochter ist über Swingerclub-Besuche im Bilde. Ihre Klienten erfahren bei Bedarf ebenfalls von dieser Möglichkeit, zu lustvollen Erfahrungen zu kommen.

Dass sich Regina mit dem Gedanken trägt, einmal alleine einen Swingerclub zu besuchen, wissen auf jeden Fall mindestens zwei ihrer Freundinnen. Der Partner ist darüber erst vage im Bilde, denn sie will ihm seinen Wunsch, ihm vorher über ihre Absichten Bescheid zu sagen, nicht so gerne erfüllen.

Einige Freundinnen von Sandy wissen über ihr Swingerleben Bescheid. Für sie würde das zwar nicht infrage kommen, denn die meisten sind verheiratet, aber sie fragen schon mal nach, „wie es im Club so war“. Ihre Familie soll es „auf keinen Fall“ wissen. Das will sie auch nicht, denn ihre Mutter würde sicher „im Quarree springen“. Obwohl sie als Swingerin einen Fernsehauftritt hatte, geht sie davon aus, dass niemand etwas weiß, auch ihre Arbeitskollegen nicht. Das soll auch so bleiben. Beim Filmen dachte sie noch, sie habe in ihrer unkündbaren Stellung auch nichts zu verlieren. Heute sieht sie das etwas anders.

Natalia „will nicht lügen“. Mit ihrem Bruder, der Arzt ist, redet sie darüber. Und dieser „findet das voll in Ordnung“. Ihr Vater würde sie wohl enterben, wenn er es erführe. „Eine Handvoll“ ihrer Freunde und Bekannten weiß es inzwischen auch, und manche gehen mittlerweile selbst „schon mal irgendwo hin“. Drei Freundinnen wissen genau Bescheid, und ihre ehemalige Schwägerin will sogar einmal mitkommen. Ihrem Sohn sagt sie nur, sie treffe sich in einem Single-Club. Das sei wenigstens eine Halbwahrheit und nahe an der Wahrheit dran. Aber er würde zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verstehen, warum seine Mutter in einen Swingerclub geht. Im Labor weiß es niemand, aber ihrer Nachbarin gesteht sie freimütig den Grund ihrer guten Laune.

Obwohl Natalia inzwischen aus ihrem Freundeskreis Anfragen zwecks gemeinsamen Clubbesuchs hat, geht sie konsequent alleine dort hin. Ihr ist zwar klar, dass man im Club dann auch getrennte Wege gehen kann, sie will aber niemanden „an der Backe haben“ und vollkommen unbelastet und frei agieren können.

ERGEBNISSE

Bis auf Tine, die außerhalb des Swingerclubs keine wichtigen Frauenfreundschaften erwähnt, ziehen alle Gesprächspartnerinnen zumindest eine Freundin ins Vertrauen. Tine wiederum ist die Einzige, die eine Arbeitskollegin einweiht.

Am großzügigsten ist Cora, die sogar ihre Eltern informieren würde, wenn diese etwas darüber wissen wollten.

Auch für Iris sind die entdeckten Swingerfreuden kein Geheimnis – im Gegenteil.

Natalia ist ebenfalls sehr großzügig, hat aber ganz klare Grenzen.

Anna teilt sich nur vereinzelt Freundinnen und in ihrer Tantragruppe mit.

Sandy schließt Verwandte und Arbeitskollegen als Mitwisser aus, wurde aber ohne Maske in einer Reportage gezeigt.

Lilly macht aus ihren monatlichen Besuchen kein Geheimnis mehr. Sie meint sogar, inzwischen wissen es alle. Ob dieser große Kreis von Eingeweihten auch die Eltern einschließt, ist allerdings nicht klar.

Weiter geht es mit dem Thema ‚Persönliche Bedeutung der Einrichtung Swingerclub‘.

Für neue Leser:
Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit. Genauer gesagt, lasen Sie einen Teil dieses Kapitels.

2 Kommentare zu „Erfahrungswelt Swingerclub – Einzelaspekte / heute: Mitwisser

  1. Ja, wie immer Meine Hochachtung für Cora, grins, und meine Abneigung gegen Iris. Insgesamt kann man wohl sagen, der Swingerclub ist ein Tummelplatz für Kleinbürger und da gehört die Heimlichtuerei dazu. Ich stamme ja auch aus dem Kleinbürgermilieu, grins, aber die Betriebsräte bei VW auch. Da schlägt dann das Gericht zu.
    Es ist aber immer eine Befreiung, wenn man nach dem Motto „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“ handelt. Cora macht es vor. Aus ihren Worten weht ein freier Geist. Iris dagegen macht sich nur interessant.
    Wie Sie sehen, werde ich meine Vorurteile nicht los.
    Der Tag Unterbrechung, liebe Eugene, hat uns auch nichts gebracht. Wir bleiben anscheinend allein in den Katakomben. Sei ’s drum. Montag geht’s weiter

    Ein schönes Wochenende wünscht

    Mukono 🙂

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