In meinem Schlafzimmer küssen sich König Ludwig und Marilyn Monroe

Wenige Tage nach einem heftigen Sommergewitter war das Wunder geschehen. Völlig ineinander versunken zeigten sie sich, ohne die geringste Notiz von meiner Anwesenheit zu nehmen – König Ludwig in seiner schicken Ausgehuniform und die Monroe im hellen Nerzcape. Sie ließen sich nicht stören und hingen ungestört dauerküssend aneinander. Offensichtlich war das kein gewöhnlicher Gruß aus dem Jenseits, kein Vergesst-uns-bitte-nicht. Ich war etwas irritiert. Aber sie blieben und logieren nun als Dauergäste in meinem Schlafzimmer.

Bald nach ihrem Einzug erinnerte ich mich an eine Fernsehreportage über ein italienisches Dorf, in dem sich regelmäßig die Muttergottes an Wänden, Böden und Decken zeigte. Inzwischen hat sich der unbedeutende Flecken zu einem florierenden Wallfahrtsort gemausert und die Dorfschaft sahnt ordentlich ab. Das zündete irgendwie. War es die Aussicht auf sagenhafte Nebeneinkünfte oder auf Fernsehauftritte bei Akte X & Co, oder war hier ein wirkliches Wunder geschehen und ICH mit meiner Wohnung als geheimes Liebesnest für Promis jenseits des Jordans auserwählt? Mein Schlafgemach ist schon einladend, aber dass es sogar den Ansprüchen eines Neuschwanstein-Erbauers gerecht wird, ehrt mich.

Ich behielt das Geheimnis erst mal für mich – bis eines Tages ein vertrauenswürdiger Mann in meinem Bett lag. Stolz zeigte ich ihm mein prominentes Liebespaar und war auf einen Aufschrei des Erstaunens oder Entzückens oder was auch immer gefasst. Keine Reaktion, nein, nicht ganz. Genauer gesagt kam ein Häh(!?), dem deutlich anzuhören war, dass erheblich an meinem Geisteszustand gezweifelt wird. Ich war verunsichert und enttäuscht zugleich. Nur ICH konnte die Liebenden also sehen, nix mit Wallfahrtsort und märchenhaften Nebeneinkünften. Obwohl – der Mann (inzwischen MEIN Mann) räumt ein, dass da Räuber Hotzenplotz zu sehen sei. Na dann – kann ja vielleicht noch alles gut werden.

5 Kommentare zu „In meinem Schlafzimmer küssen sich König Ludwig und Marilyn Monroe

  1. Liebe Frau Fauscht
    .. für diesen Ausblick bedanke ich mich bei Ihnen. Wo ich kurz zuvor von Ihrer Vorliebe für Wohnungsinnenraumveränderungen erfahren durfte, zeigt mit das Verbleiben des Liebespaares an Ihrer Decke einen sehr angenehmen vermeintlichen Sinn für mehr als nur proppere Räume.
    Wie Sie sehen, beginne ich, versäumtes nachzuholen.

    Mit Grüßen aus dem Westen
    StonecoldAngel

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    1. Ein Reflex Schon als Kind war mir in unserem Bad mit den marmorierten Fliesen nie langweilig. Die Gesetze des Hineinsehen – eine schöner und treffender Begriff – sind Ihnen sicherlichlich bekannt. 🙂

      (eigentlich wollte ich jetzt noch mein Tagespensum Illich schaffen, aber das wird wohl heute nichts mehr. *gähn*)

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